Im Geschäftsjahr 2026 präsentiert das Hamburger Cleantech-Unternehmen 1Komma5° beeindruckende Kennzahlen, die den Übergang vom reinen Hardware-Verkauf zu einem softwaregestützten Anbieter von Flexibilitätslösungen und virtuellen Großkraftwerken (VPP) verdeutlichen. Das Unternehmen kombiniert ein starkes Umsatzwachstum, solide Profitabilität im Kerngeschäft, schuldenfreie Finanzstruktur und ambitionierte Investitionen in die KI-Plattform Heartbeat AI.
Umsatz- und Gewinnentwicklung 2026
1Komma5° erwartet für das Geschäftsjahr 2026 einen Gesamtumsatz von rund 700 Millionen Euro, was einem organischen Wachstum von 35 bis 40 Prozent entspricht. Im Hardware-Kerngeschäft, das Photovoltaik-Anlagen, Speicher, Wärmepumpen, Wallboxen und Klimaanlagen umfasst, wird ein operatives EBITDA von etwa 40 Millionen Euro prognostiziert. Die KI- und Software-Sparte verzeichnet nahezu eine Verdopplung des Umsatzes und erreicht eine Run-Rate von circa 30 Millionen Euro. Das Unternehmen bleibt schuldenfrei und finanziert Forschung und Entwicklung in Höhe von 35 Millionen Euro jährlich aus dem laufenden Cashflow.
Im August 2026 erreichte 1Komma5° mit globalen Aufträgen im Wert von 100 Millionen Euro eine neue Höchstmarke. Der Umsatz der KI-Sparte von Januar bis August betrug rund 30 Millionen Euro, was die schnelle Skalierung der Software-Geschäftsbereiche bestätigt.
Skalierung zum virtuellen Großkraftwerk (VPP) und 1-GW-Marke
Die Software-Plattform Heartbeat AI dient nicht mehr ausschließlich der Eigenverbrauchsoptimierung von Haushalten. Sie aggregiert dezentrale Speicher, Wärmepumpen und Wallboxen zu einem virtuellen Kraftwerk. Laut Unternehmensangaben bündelt das System inzwischen mehr als 1 Gigawatt an steuerbarer Flexibilitätskapazität, verteilt auf einen Kundenstamm von über 120 000 Haushalten.
Der Ausbau der Software- und Vernetzungssparte markiert für das Hamburger Unicorn den Übergang vom reinen Handwerks-Aggregator zum dezentralen Energieversorger. Über die Plattform Heartbeat AI bündelt das Unternehmen inzwischen eine aggregierte Flexibilitätsleistung von mehr als einem Gigawatt aus Heimspeichern, Elektroautos und Wärmepumpen (Schäder/Jansen 2026). Damit betreibt 1Komma5° eines der größten virtuellen Kraftwerke im europäischen Privatkundensegment. Strategischer Treiber ist die anstehende Neuausrichtung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes: Da feste Einspeisevergütungen für Neuanlagen zunehmend entfallen, werden automatische Börsenstrom-Vermarktung und dynamische Tarife für Anlagenbetreiber zum zentralen Wirtschaftlichkeitsfaktor.
„Wir wachsen stark und aus eigener Kraft, ganz ohne weitere Zukäufe“, erklärt Philipp Schröder, CEO und Mitgründer von 1Komma5°. „Viel wichtiger ist aber, dass wir die Profitabilität im Kerngeschäft deutlich verbessern konnten. Gleichzeitig haben wir unser strategisches Ziel erreicht, unsere Energie-KI-Sparte auszubauen und zu öffnen. Diesen Kurs werden wir konsequent fortsetzen.“
Finanzierungsrahmen und Erschließung des B2G-Sektors
Zur Absicherung von Großaufträgen und Endkundenfinanzierungen hat 1Komma5° im ersten Halbjahr 2026 Finanzierungslinien von führenden europäischen Banken in Höhe von 1,5 Milliarden Euro mobilisiert. Diese Mittel stehen für Raten- und Projektfinanzierungen sowohl im B2C- als auch im B2G-Segment bereit. Durch die gezielte Ansprache öffentlicher Liegenschaften und gewerblicher Großportfolios erweitert das Unternehmen seine Kundenbasis über private Haushalte hinaus.
- Mobilisierte Bank-Finanzierungsmittel (B2C/B2G): 1,5 Mrd. Euro (2026)
- Keine neue Verschuldung, Eigenkapital bleibt unverändert
- Investitionen in 25-jährige Ratenkaufmodelle und öffentliche Großprojekte
Historische Einordnung nach Zielverfehlung 2024
Im Geschäftsjahr 2024 hatte 1Komma5° ein Umsatzziel von 700-750 Millionen Euro gesetzt, realisierte jedoch nur 520 Millionen Euro Gesamtumsatz. Der organische Umsatzanteil lag bei 490 Millionen Euro, wobei das Defizit auf den Einbruch des deutschen PV- und Wärmepumpenmarktes sowie Verzögerungen beim Smart-Meter-Rollout zurückzuführen war. Das aktuelle organische Wachstum von 30 Prozent im ersten Teil des Jahres 2026 signalisiert eine Erholung auf bereinigter Basis.
- Umsatz 2024: 520 Mio. Euro
- Organischer Umsatz 2024: 490 Mio. Euro
- Ursachen für Zielverfehlung: Marktabschwung, Smart-Meter-Verzögerungen
Risiken und Gegenmaßnahmen
Obwohl die Wachstumsstrategie ambitioniert ist, bestehen zwei zentrale Risiken:
- Schleppender Rollout intelligenter Messsysteme (Smart Meter): Dynamische Tarife und netzdienliche Steuerung über Heartbeat AI erfordern flächendeckende Smart-Meter-Installationen. Verzögerungen bei Messstellenbetreibern bremsen die Aktivierung von Kundenanlagen.
- Abhängigkeit von regulatorischen Rahmenbedingungen: Das Geschäftsmodell profitiert vom Auslaufen fester Einspeisevergütungen, ist jedoch anfällig für Unsicherheiten bei Netzentgelten (§ 14a EnWG) und Bilanzkreisabrechnungen.
Durch die schuldenfreie Bilanz und die mobilisierten Bankfinanzierungen kann das Unternehmen flexibel auf regulatorische Änderungen reagieren und die erforderlichen Investitionen in Smart-Meter-Infrastruktur eigenständig tragen.
FAQ zur KI-Sparte
Wie verdient 1Komma5° mit seiner KI-Sparte Geld?
Über Softwarelizenzen für das Energiemanagementsystem Heartbeat AI sowie Gewinnbeteiligungen an der Vermarktung gebündelter Haushalts-Batteriespeicher und Wärmepumpen an den europäischen Strombörsen im Rahmen dynamischer Tarife.
Warum wurde das Umsatzziel von 700 Millionen Euro erst jetzt erreicht?
Für 2024 war ein Ziel von über 700 Millionen Euro geplant, jedoch führte ein massiver Einbruch im deutschen Heizungs- und PV-Markt sowie Engpässe beim Smart-Meter-Rollout zu einem tatsächlichen Umsatz von rund 520 Millionen Euro. Die aktuelle Zielerreichung resultiert aus einer organischen Umsatzsteigerung von 30 Prozent im Jahr 2026.
Fazit
Die Zahlen von 1Komma5° für das Geschäftsjahr 2026 zeigen, dass das Unternehmen erfolgreich von einem hardware-zentrierten Geschäftsmodell zu einem software-gestützten Anbieter von Flexibilitätslösungen und virtuellen Großkraftwerken transformiert ist. Mit einem erwarteten Umsatz von 700 Millionen Euro, einer EBITDA-Leistung von 40 Millionen Euro im Kerngeschäft und einer fast verdoppelten Software-Umsatz-Run-Rate demonstriert das Unternehmen sowohl Wachstum als auch Profitabilität. Die schuldenfreie Bilanz und die neu erschlossenen Bankfinanzierungen von 1,5 Milliarden Euro stärken die finanzielle Basis, während die aggregierte Flexibilitätskapazität von über 1 GW und die Kundenbasis von mehr als 120 000 Haushalten das technologische Rückgrat des virtuellen Kraftwerks bilden. Trotz bestehender Risiken im Smart-Meter-Rollout und regulatorischen Unsicherheiten bleibt 1Komma5° gut positioniert, um die kommende Phase der dezentralen Energieversorgung aktiv zu gestalten.

