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Projektdetails und Feldtestergebnisse des Forschungsprojekts SUREVIVE – Netzbildende Wechselrichter im Mittelspannungsnetz

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    Im Zuge des schrittweisen Ausstiegs aus Kohle- und Kernkraftwerken verliert das Stromnetz die schweren rotierenden Massen von Synchrongeneratoren, die bislang die Momentanreserve bereitstellten. Das vom Bund geförderte Konsortium SUREVIVE demonstriert, dass netzbildende Wechselrichter in Batteriespeichern diese Trägheit leistungselektronisch ersetzen können. Das Projekt in Föhren, Industriepark Region Trier, liefert harte Fakten und erste reale Netzergebnisse, die die technische Funktionsfähigkeit und die regulatorischen Rahmenbedingungen beleuchten.

    Projektübersicht und technische Daten

    Die Anlage in Föhren wurde im Oktober 2025 in Betrieb genommen und bildet das Kernstück des Verbundforschungsprojekts SUREVIVE. Sie besteht aus einem 21-Megawatt-Batteriegroßspeicher mit einer nutzbaren Kapazität von 55 MWh, verteilt auf 11 Container. Der Speicher ist an das 20-Kilovolt-Mittelspannungsnetz von Westnetz angebunden und wird von den netzbildenden Umrichtern der SMA Solar Technology betrieben. Die LFP-Containertechnik stammt von HiTHIUM. Das Projekt wird von Schoenergie (Projektierer), Westnetz (Verteilnetzbetreiber), SMA Solar Technology (Wechselrichter) sowie den Forschungspartnern Fraunhofer ISE und Universität Stuttgart unterstützt.

    • Nennleistung: 21 MW (2025)
    • Speicherkapazität: 55 MWh (2025)
    • Netzanschluss: 20 kV Mittelspannung (2025)
    • Schwarzstart-Versorgungspotenzial: 5.500 Haushalte (2025)

    Die Wechselrichter von SMA Solar Technology in konventionellen Solarparks und Batteriespeichern arbeiteten bisher fast ausschließlich netzfolgend: Sie synchronisieren sich auf eine bestehende Netzspannung und schalten sich bei gravierenden Frequenzabfällen ab. Im rheinland-pfälzischen Föhren belegt das vom Bund geförderte Konsortialprojekt SUREVIVE, dass moderne Wechselrichtertechnik dieses Paradigma aufbrechen kann.

    Erfolgreiche Feldversuche: Momentanreserve und Schwarzstart

    Im Frühjahr 2026 bestätigte der Verteilnetzbetreiber Westnetz in gezielten Schalttests, dass die netzbildenden Wechselrichter synthetische Trägheit bereitstellen, die exakt der Momentanreserve konventioneller Turbinen entspricht. Die Anlage absorbierte sprunghafte Laständerungen und dämpfte Frequenzschwankungen innerhalb von Millisekunden – vergleichbar mit den trägen Massen eines thermischen Kraftwerks.

    Zusätzlich zeigte das System seine Schwarzstart-Fähigkeit: Im Falle eines regionalen Blackouts kann der Speicher das Mittelspannungsnetz eigenständig wieder unter Spannung setzen und damit rund 5.500 Haushalte im Inselbetrieb versorgen.

    Regulatorischer Rahmen und Marktanreize

    Die Bundesnetzagentur hat mit dem Beschluss BK6-23-010 (2025) ein Festpreis-Vergütungsmodell für die marktgestützte Beschaffung von Momentanreserve etabliert. Da herkömmliche Ausschreibungen wegen mangelnder Anbieterdichte nicht greifen, können auch dezentrale Anlagen auf Verteilnetzebene am Festpreissystem teilnehmen. Der Start des Festpreissystems ist für 2026 geplant, wodurch Betreiber von netzbildenden Speichern planbare Erlöse erhalten.

    • Beschluss: BK6-23-010 (2025)
    • Einführung Festpreissystem: 2026
    • Teilnahmeberechtigung: Anlagen mit netzbildender Funktion, auch auf Verteilnetzebene

    Roadmap Systemstabilität und zukünftige Verpflichtungen

    Gemäß der vom Bundeswirtschaftsministerium initiierten „Roadmap Systemstabilität“ (2024) sollen netzbildende Eigenschaften schrittweise verpflichtend in die Technischen Anschlussregeln (TAR) integriert werden. Die verbindlichen Mindestanforderungen für Hoch- und Höchstspannung gelten ab 2026-2027, während die Ausweitung auf die Mittelspannungsebene bis spätestens 2029 vorgesehen ist.

    • Verbindliche Mindestanforderungen Hoch-/Höchstspannung: 2026-2027
    • Ausweitung Mittelspannung: bis 2029
    • Technische Basis: Pilotversuche wie Föhren bilden die Grundlage für kommende Netzkodizes und Anschlussvorgaben

    Herausforderungen und Gegenmaßnahmen

    Obwohl die Technologie vielversprechend ist, gibt es zwei wesentliche Gegenpunkte:

    • Höhere Hardware- und Überdimensionierungskosten: Netzbildende Wechselrichter müssen bei plötzlichen Netzfehlern oder Phasensprüngen unverzögert hohe Überströme liefern. Das erfordert eine stärkere thermische und leistungselektronische Überdimensionierung im Vergleich zu reinen netzfolgenden Systemen, was die Investitionskosten (CAPEX) erhöht.
    • Fehlende harmonisierte Zertifizierungsstandards: Während Großanlagen wie in Föhren mit Sondergenehmigungen betrieben werden, fehlen für die breite Masse der Mittelspannungsanlagen einheitliche Standard-Zertifizierungsroutinen nach VDE FNN für das Verhalten bei Fehlern (Fault-Ride-Through) im netzbildenden Modus.

    Die regulatorischen Vorgaben der BNetzA und die geplante Verpflichtung durch die BMWK-Roadmap sollen Anreize schaffen, diese Hürden zu überwinden, indem sie klare Marktmechanismen und technische Vorgaben etablieren.

    Häufig gestellte Fragen

    Was unterscheidet netzbildende von gewöhnlichen netzfolgenden Wechselrichtern?

    Netzfolgende Wechselrichter (Grid-Following) messen die Netzspannung sowie -frequenz und speisen einen entsprechenden Strom synchron ein; sie brechen bei Netzausfall zusammen. Netzbildende Wechselrichter (Grid-Forming) verhalten sich wie eine Spannungsquelle hinter einer Impedanz, bestimmen aktiv Takt sowie Amplitude und federn Frequenzsprünge physikalisch unmittelbar ab.

    Wer ist am Projekt in Föhren beteiligt?

    Das Konsortium hinter dem vom Bund geförderten Projekt SUREVIVE umfasst den Projektierer Schoenergie, den Verteilnetzbetreiber Westnetz, den Wechselrichterhersteller SMA Solar Technology sowie wissenschaftliche Partner wie das Fraunhofer ISE und die Universität Stuttgart. Die Container-Batterietechnologie stammt von HiTHIUM.

    Warum ist die Erprobung im Verteilnetz und nicht im Übertragungsnetz so bedeutsam?

    Traditionell wurde Momentanreserve ausschließlich in den Höchstspannungsnetzen durch Großkraftwerke bereitgestellt. Da erneuerbare Erzeuger und Speicher zu über 90 % im Verteilnetz angeschlossen sind, muss die Systemstabilität künftig dezentral von unten nach oben gestützt werden.

    Fazit

    Das SUREVIVE-Projekt in Föhren liefert mit seiner 21 MW-Anlage und einer Speicherkapazität von 55 MWh die ersten belastbaren Belege dafür, dass netzbildende Wechselrichter in Batteriespeichern synthetische Trägheit und Schwarzstart-Fähigkeit auf Verteilnetzebene bereitstellen können. Gleichzeitig schafft die regulatorische Initiative BK6-23-010 der Bundesnetzagentur einen klaren Marktmechanismus, der Investoren planbare Erlöse für Momentanreserve bietet. Die Roadmap Systemstabilität des BMWK legt den Zeitplan fest, nach dem netzbildende Eigenschaften bis 2029 verpflichtend in die Technischen Anschlussregeln integriert werden sollen. Trotz noch bestehender Herausforderungen – höhere Kosten und fehlende einheitliche Zertifizierungsstandards – zeigen die Feldtestergebnisse, dass die Technologie reif für die großskalige Marktintegration ist und einen entscheidenden Beitrag zur Stabilität einer fossilfreien Stromversorgung leistet.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das Dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdigen Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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