Der neu entwickelte Free-Access-Strompreissimulator von Energy-Charts ermöglicht erstmals eine transparente, marktnah abgestützte Analyse, wie Batteriespeicher den Day-Ahead-Strommarkt beeinflussen. Durch die Einbindung einer virtuellen Batterieflotte, die bei niedrigen Preisen lädt und bei hohen Preisen entlädt, lässt sich nachvollziehen, welche Effekte zusätzliche Speicherkapazitäten auf Preisvolatilität, Marktwerte erneuerbarer Energien und staatliche Förderungen haben. Die Simulationen basieren auf realen Gebotsdaten der Day-Ahead-Auktion an der EPEX Spot und werden täglich mit den aktuellen Handelsergebnissen aktualisiert.
Free-Access-Strompreissimulator von Energy-Charts – Funktionsweise und Datenbasis
Der Simulator, veröffentlicht vom Fraunhofer-ISE, erlaubt Nutzer*innen, die Speicherleistung (0-20 GW) und die Speicherdauer (2-6 Stunden) flexibel zu variieren. Zusätzlich können Blockgebote von Kraftwerken und die Auswirkungen von Strommarktkopplungen zu Nachbarländern berücksichtigt werden. Die Ergebnisse werden in Viertelstunden-Auflösung dargestellt und umfassen reale und simulierte Börsenpreise, Lade- und Entladeleistung, Ladestand, Stromverbrauch sowie mögliche Einspeisungen aus Photovoltaik und Windkraft. Die Daten stehen zum Download bereit.
Wesentliche Ergebnisse der 20-GW-Simulation für das Jahr 2025
Im exemplarischen Szenario für 2025 wurde eine virtuelle Batterieflotte von 20 GW Leistung (entsprechend 40 GWh Kapazität) ohne grenzüberschreitenden Stromhandel eingesetzt. Die wichtigsten Kennzahlen lauten:
- Reduktion der mittleren täglichen Preisspreizung von 130 € / MWh auf 53 € / MWh.
- Verringerung der Stunden mit negativen Strompreisen von 575 Stunden auf 271 Stunden (eine Reduktion von 88 %).
- Steigerung des Marktwerts von Solarstrom von 45,08 € / MWh auf 61,02 € / MWh, was einem Anstieg von 35 % entspricht.
- Am teuersten Tag des Jahres 2025 sinkt die abendliche Preisspitze von 583 € / MWh auf 221 € / MWh – eine relative Verringerung von 70 %.
- Durch die höhere Marktwertgenerierung reduziert sich der EEG-Finanzierungsbedarf um 1,2 Milliarden € pro Jahr (entsprechend 1 200 € / Mio. € Einsparung).
Politisch-ökonomische Implikationen: Reduktion des EEG-Finanzierungsbedarfs
Neben den reinen marktwirtschaftlichen Erleichterungen bringt der Einsatz von Batteriespeichern auch eine beachtliche politökonomische Auswirkung mit sich: die spürbare Entlastung des EEG-Förderbedarfs. Laut den Berechnungen von Fraunhofer ISE für BVES und bne würde allein für das Jahr 2025 ein Speicherbedarf in Höhe von 1,2 Milliarden € eingespart, weil der zusätzliche Marktwert Solarstrom von 61,02 € / MWh gegenüber der 2025-Ergänzungs-Vergütungsbasis führt.
Einordnung des realen Speicher-Ausbaustands
Die simulierten 20 GW entsprechen etwa 87 % der bereits installierten Batterieleistung in Deutschland im ersten Halbjahr 2026. Nach Angaben von Energy-Charts lag die installierte Batteriespeicherleistung zu diesem Zeitpunkt bei 19,2 GW. Diese Nähe zwischen Modellannahme und realem Ausbau unterstreicht die praktische Relevanz der Simulationsergebnisse.
Systemrelevanz: Einfluss auf Frequenzstabilität und Regelqualität
Durch den glättenden Effekt auf Strompreisspitzen trägt die virtuelle Batterieflotte indirekt zur Verbesserung der Frequenzstabilität und Regelqualität des Stromnetzes bei. Die Simulation zeigt, dass an einem Extremtag mit dem höchsten Preis im Jahr 2025 die Preisspitze um 70 % reduziert werden konnte, was Lastspitzen im Voraus antizipiert und damit das System entlastet.
Kritische Betrachtungen und Risiken
- Zukünftige Abhängigkeit von zusätzlichen Einnahmequellen: Durch die Preislängerung reduziert die Batterieförderung auch das Gewinnpotenzial der Betreiber, sodass künftig alternative Einnahmen (z. B. Regeldienste, Lastmanagement) notwendig werden.
- Fehlender Marktabschluss im Intraday-Markt: Da die Simulation ausschließlich den Day-Ahead-Markt abbildet, werden wachsende Einflüsse der Speicher im Intraday-Handel, bei Regelenergie und Systemdienstleistungen nicht dargestellt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Warum ist ein Batteriespeicher für die Energiewende so relevant?
Batteriespeicher ermöglichen die Speicherung von überschüssigem Strom, insbesondere aus Photovoltaik, und liefern diesen zu Spitzenzeiten zurück. Dadurch entlasten sie den Netzbedarf, stabilisieren Preise und sorgen für eine bessere Integration erneuerbarer Energien. - Inwieweit wirken sich mehr Batteriespeicher auf den EEG-Förderbedarf aus?
Mehr Batteriespeicher erhöhen den Marktwert von Photovoltaikstrom. Dadurch sinkt die Differenz zum EEG-Preis und der finanzielle Unterstützungsbedarf der Regierung reduziert sich, im Simulationsfall um bis zu 1,2 Milliarden € pro Jahr.
Fazit
Der Energy-Charts-Strompreissimulator liefert ein überzeugendes Bild davon, wie ein erheblicher Ausbau von Batteriespeichern den deutschen Strommarkt transformieren kann. Die Reduktion der Preisvolatilität, die Verringerung negativer Preisstunden und die signifikante Steigerung des Marktwerts von Solarstrom gehen einher mit einer messbaren Entlastung des EEG-Finanzierungsbedarfs. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass Batteriespeicher nicht nur ökonomische, sondern auch systemtechnische Vorteile bieten – etwa durch die Verbesserung der Frequenzstabilität. Dennoch müssen künftige Analysen die Intraday-Dynamik und zusätzliche Erlösmodelle berücksichtigen, um ein vollständiges Bild der Speicherpotenziale zu erhalten.

