Die rasante Entwicklung effizienter Solarzellen ist ein Schlüsselfaktor für eine nachhaltige Energieproduktion und die Reduktion von CO₂-Emissionen. Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen kombinieren die Vorteile von Perowskit- und Silizium-Halbleitern und versprechen damit deutlich höhere Wirkungsgrade als herkömmliche Siliziumzellen. Gleichzeitig ermöglichen neue Fertigungsmethoden wie das CSS-Verfahren eine industrietaugliche Produktion ohne den Einsatz von Lösungsmitteln.
Warum Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen entscheidend für die Energiewende sind
- Höhere Wirkungsgrade: Perowskit-Silizium-Tandemzellen haben im Labor bereits 35,5 % erreicht (LONGi, Juli 2026), neue Siliziummodule aus laufender Produktion kommen auf knapp 23 %. Mit dem hier vorgestellten CSS-Verfahren erreichten die Forschenden bis zu 24,3 %.
- Kostengünstigere Produktion: Das CSS-Verfahren reduziert Materialverbrauch und Prozesszeit.
- CO₂-Reduktion: Effizientere Stromerzeugung verringert den Bedarf an fossilen Energieträgern.
Innovatives CSS-Verfahren: Lösungsmittelfreie Fertigung in zehn Minuten
Das von Forschenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Valencia entwickelte Close-Space-Sublimation (CSS) Verfahren ist ein bahnbrechendes, lösungsmittelfreies Vakuumverfahren zur Herstellung von Perowskit-Schichten. Dabei verdampfen die Ausgangsstoffe in einem engen Abstand zur Siliziumoberfläche und lagern sich dort direkt ab.
Prozessablauf und Materialwahl
- Vakuumumgebung: Verhindert Kontamination und ermöglicht kontrollierte Sublimation.
- Substrate: Siliziumzellen, die nur wenige Millimeter von der Materialquelle entfernt positioniert sind.
- Materialmix: Methylammoniumiodid und Methylammoniumbromid werden gemischt, um eine Bandlücke von 1,64 eV zu erzielen. Der Bromanteil lässt sich über das Mischungsverhältnis gezielt steuern.
- Prozessdauer: Die Beschichtung ist nach zehn Minuten abgeschlossen.
- Nachhaltigkeit: Keine Lösungsmittel, wiederverwendbare Ausgangsmaterialien reduzieren den Materialverbrauch pro Zyklus.
Das CSS-Verfahren ermöglicht die großflächige, gleichmäßige und reproduzierbare Aufbringung der dünnen Perowskit-Schicht – ein bislang ungelöstes Problem der industriellen Fertigung.
Marktentwicklung von Perowskit-Solarzellen zeigt ein bemerkenswertes Wachstumspotential, getrieben durch Investitionen in Forschung und Innovation sowie durch die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Energielösungen. Fortschritte in der Langzeitstabilität werden eine entscheidende Rolle für die Akzeptanz der Technologie und ihre Wettbewerbsfähigkeit spielen.
Erreichte Wirkungsgrade auf verschiedenen Siliziumuntergründen
Die Effizienz der Tandemzellen hängt stark von der Oberflächenstruktur des Siliziumuntergrunds ab. Im Rahmen des CSS-Verfahrens wurden drei verschiedene Oberflächen getestet:
- Glatte Siliziumunterzelle: 23,5 %
- Nanostrukturierte Siliziumunterzelle: 23,7 %
- Mikrostrukturierte Siliziumunterzelle: 24,3 %
Die homogene Beschichtung auf allen getesteten Oberflächen wurde durch Rasterelektronenmikroskopie und Röntgenanalysen bestätigt. Die Fähigkeit, auch auf mikrostrukturierten Oberflächen gleichmäßige Schichten zu erzeugen, ist besonders wichtig für die Skalierbarkeit in der Industrie.
Marktentwicklung: Potenzial und Investitionen
Die wichtigsten Forschungsprojekte und Investitionen in die Perowskit-Solarzellen-Technologie zeigen das enorme wirtschaftliche Potenzial:
- Forschungsförderung: EU-Projekt “Nexus” (Horizon Europe) liefert den Nachweis der industriellen Relevanz des CSS-Verfahrens.
- Investoreninteresse: Massive Kapitalflüsse in Unternehmen, die skalierbare Perowskit-Produktionslinien entwickeln.
Diese Zahlen untermauern die Relevanz technologischer Fortschritte und betonen die Bedeutung des CSS-Verfahrens in einem sich schnell entwickelnden Markt.
Langzeitstabilität: Neue Techniken verlängern die Lebensdauer
Ein zentrales Hindernis für die Marktakzeptanz von Perowskit-Solarzellen war bislang die begrenzte Langzeitstabilität. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass innovative Stabilisierungstechniken – etwa der Einsatz von Anti-Oxidationsmaterialien – die Lebensdauer von Perowskit-Solarzellen deutlich verlängern können. Belastbare Felddaten über Jahrzehnte fehlen allerdings noch. Die Fortschritte unterstützen die industrielle Anwendbarkeit von Tandemzellen.
Herausforderungen und Gegenargumente
- Variabilität in der Produktion: Bei der Herstellung von Perowskit-Solarzellen können Qualitätsvariationen auftreten, die die Effizienz beeinträchtigen.
- Umwelt- und Gesundheitsfragen: Einige Perowskit-Zusammensetzungen enthalten toxische Materialien, die langfristige Risiken darstellen könnten.
Diese Punkte erfordern weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeit, um die Technologie vollständig industrietauglich zu machen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was sind die Hauptvorteile von Perowskit-Solarzellen?
Perowskit-Solarzellen bieten höhere Wirkungsgrade und sind kostengünstiger zu produzieren als herkömmliche Siliziumzellen.
Wie funktioniert das CSS-Verfahren?
Das CSS-Verfahren lässt Material in einem Vakuum sublimieren und direkt auf die Siliziumoberfläche auftragen, ohne Lösungsmittel zu verwenden.
Fazit
Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen stellen einen vielversprechenden Schritt über die Effizienzgrenze herkömmlicher Siliziumzellen hinaus. Das lösungsmittelfreie CSS-Verfahren ermöglicht eine schnelle, gleichmäßige und skalierbare Produktion, während Fortschritte in der Langzeitstabilität die industrielle Anwendbarkeit zusätzlich. Trotz bestehender Herausforderungen wie Produktionsvariabilität und potenziellen Umwelt- und Gesundheitsrisiken zeigen die gesammelten Daten, dass Perowskit-Tandemzellen ein zukunftsfähiges Element im Portfolio nachhaltiger Energietechnologien sind.

