Die University of New South Wales (UNSW) führt umfangreiche Freiland- und Belastungstests neuartiger Perowskit– und Perowskit-Silizium-Tandemsolarmodule durch. Ziel ist es, die physikalischen Effizienzgrenzen herkömmlicher Siliziumzellen zu überwinden und gleichzeitig die Langzeitstabilität unter realen Küsten- und Klimabedingungen nachzuweisen. Das Projekt ist ein zentraler Baustein der australischen Energieagentur ARENA, die mit ihrer Initiative Ultra Low-Cost Solar (ULCS) die nächste Generation photovoltaischer Technologie fördert.
Hintergrund und physikalische Effizienzgrenzen
Konventionelle monokristalline Siliziumsolarzellen stoßen an ein theoretisches Wirkungsgradlimit von 29,4 % (Auger-Rekombination). Perowskit-Silizium-Tandemzellen hingegen besitzen eine thermodynamische Obergrenze von rund 43,2 %. Auf Laborebene wurden bereits Tandemzellen mit einem zertifizierten Wirkungsgrad von 34,85 % realisiert (LONGi, 2025). Trotz dieser Rekordwerte bleibt die Herausforderung, diese Effizienz im Massenmarkt zu reproduzieren und gleichzeitig die notwendige Lebensdauer zu gewährleisten.
- Theoretisches Limit Silizium-Einfachzelle: 29,4 %
- Theoretisches thermodynamisches Limit Tandemzellen: ca. 43,2 %
- Labor-Weltrekord Tandemzelle (2-terminale): 34,85 % (2025)
- Aktuelle Serien-Siliziummodule garantieren 25-40 Jahre Leistung
Das UNSW-Feldtestprojekt
Im Rahmen der ULCS-Förderinitiative erhält das Projekt 5,6 Mio. AUD von ARENA, eingebettet in ein Gesamtbudget von 18 Mio. AUD. Das Testgelände befindet sich am Water Research Laboratory in Manly Vale, etwa 28 km nördlich von Sydney. Dort werden bis zu 160 kommerzielle Module verschiedener Hersteller unter wechselnden Temperatur-, Feuchtigkeits- und UV-Bedingungen, Regen, salziger Luft und Stürmen betrieben.
- Finanzierung: AU$5,6 Mio. (ULCS) von ARENA, Gesamtbudget AU$18 Mio.
- Partner: Trina Solar, MicroQuanta, University of Surrey, CSIRO.
- Testbedingungen: Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen, intensive UV-Strahlung, Regen, salzige Luft, Stürme.
- Modultypen: Einzel-Junction-Perowskit, Perowskit-Silizium-Tandem (integriert oder gestapelt).
80-Prozent-Benchmark und Testkriterien
Im Feldtest gilt das Erreichen von 80 % der ursprünglichen Nennleistung (T80) als kritischer Schwellenwert. Fällt ein Modul unter diese Grenze, wird es aus dem Feld genommen und einer nanostrukturellen Schadensanalyse unterzogen, um Materialermüdung und chemische Zersetzungsprozesse zu identifizieren. Diese Vorgehensweise entspricht dem Industriestandard für das technische Lebensende von PV-Modulen.
- 80-%-Schwelle (T80) = technisches Lebensende-Kriterium.
- Unterschreitet ein Modul T80, erfolgt Demontage und Analyse auf Nanometerskala.
- Ziel: Degradationsmechanismen verstehen und Herstellungsprozesse optimieren.
Verbindung zum ARENA-„30-30-30“-Ziel
Die australische Energieagentur ARENA verfolgt die Strategie „30-30-30“: Bis 2030 sollen Solarmodule einen Wirkungsgrad von mindestens 30 % erreichen, bei Installationskosten von höchstens 0,30 AUD / Watt und Stromgestehungskosten (LCOE) unter 20 AUD / MWh. Das UNSW-Projekt ist Teil einer Förderrunde im Umfang von AU$105,6 Mio., die diese Ziele unterstützt.
- Installationskostenziel: 0,30 AUD / Watt (bis 2026 gemessen).
- LCOE-Ziel: < 20 AUD / MWh bis 2030.
- Gesamtfördervolumen ARENA: AU$105,6 Mio.
- Projektbeitrag: AU$5,6 Mio. (ULCS) für Feldtests.
Erste Beobachtungen und Aussagen von Jessica Jiang
Senior Research Fellow Jessica Yajie Jiang betont, dass die neuen Module „sehr unterschiedlich arbeiten und unterschiedliche Fehlermodi zeigen“. Sie erklärt weiter:
„The perovskite absorbs one part of the sunlight and the silicon absorbs another, so together, they maximise the use of the entire solar spectrum. That is how the overall efficiency can be boosted much higher.“
Dieses Statement unterstreicht das Potenzial von Tandemzellen, die physikalische Effizienzgrenze von Silizium zu überwinden, indem sie das Sonnenspektrum effizienter nutzen.
Bedeutung für die Solarpark-Finanzierung
Solarparks benötigen verlässliche Lebensdauern von 20 bis 30 Jahren, um Fremdkapital zu sichern. Ohne belastbare Felddaten bleiben Investoren bei bewährten Technologien wie TOPCon- oder HJT-Silizium. Die 80-%-Schwelle liefert ein messbares Kriterium, das das Risiko von Großprojekten reduziert und die Bankability erhöht.
- Finanzierungsrisiken: Unsichere Lebensdauer von Perowskit-Modulen.
- Vergleich: Etablierte Siliziumpaneele garantieren 25-40 Jahre.
- Erwartung: Perowskit-Tandems sollen ähnliche Garantien erreichen.
FAQ – häufig gestellte Fragen zum Projekt
- Was bedeutet die 80-Prozent-Schwelle bei den Modultests der UNSW?
Fällt der Wirkungsgrad eines Moduls auf unter 80 % seines ursprünglichen Nennwerts (T80), gilt dies in der PV-Industrie als Kriterium für das technische Lebensende. Das Modul wird anschließend im Labor nanostrukturell auf Ausfallmechanismen analysiert. - Warum genügt für Perowskit-Module nicht der bisherige Standard-Labortest nach IEC?
IEC-Standards wurden für Silizium entwickelt. Perowskite zeigen komplexe Wechselwirkungen aus thermischem Stress, Feuchte und dynamischer Ionendiffusion unter wechselndem Sonnenlicht, die im Klimaschrank allein nicht vollständig abgebildet werden können. - Welches theoretische Effizienzpotenzial bieten Tandemzellen gegenüber reinem Silizium?
Während monokristallines Silizium physikalisch durch Auger-Rekombination auf maximal 29,4 % limitiert ist, liegt die thermodynamische Grenze für Perowskit-Silizium-Tandemstrukturen bei über 43 %.
Fazit
Die Freiland- und Belastungstests der UNSW bilden einen entscheidenden Schritt, um die Versprechen von Perowskit- und Perowskit-Silizium-Tandemsolarmodulen zu realisieren. Durch die Kombination von hochqualitativen Feldbedingungen, einer klar definierten 80-%-Benchmark und der starken finanziellen Unterstützung von ARENA im Rahmen des 30-30-30 -Ziels wird nicht nur das Effizienzpotenzial von über 43 % theoretisch erreichbar, sondern auch die notwendige Lebensdauer für den breiten Markteintritt ermittelt. Erfolgreiche Ergebnisse könnten die Bankability von Solarparks erheblich verbessern, die Installationskosten senken und die LCOE-Ziele unter 20 AUD / MWh realisieren – ein entscheidender Beitrag zur globalen Energiewende.

