Der Signal Iduna Park, Heimat von Borussia Dortmund, hat im Oktober 2026 gemeinsam mit RWE einen 3,7-Megawatt-Batteriespeicher in Betrieb genommen. Der Speicher ergänzt die bereits 2025 aktivierte Photovoltaikanlage auf dem Stadiondach und schließt damit das ambitionierte Energiekonzept des Vereins ab. Ziel ist es, den vor Ort erzeugten Solarstrom zeitversetzt zu nutzen, Lastspitzen an Spieltagen zu glätten und den CO₂-Fußabdruck des Stadions nachhaltig zu reduzieren.
Technische Eckdaten des Batteriespeichers
Der neue Batteriespeicher besitzt eine maximale Leistung von 3,7 MW und kann diese bei Volllast für gut eine Stunde bereitstellen. Damit entspricht die Speicherkapazität etwa 3,7 MWh. Die wichtigsten Kennzahlen sind:
- Leistung: 3,7 MW (2026, Quelle S1)
- Kapazität: ca. 3,7 MWh (2026, Quelle S1)
- Entladezeit: rund eine Stunde bei Volllast
- Funktion: Peak Shaving und Eigenverbrauchsoptimierung
Der Speicher wird von RWE bereitgestellt und ist nach Angaben des Unternehmens in der Lage, die hochdynamischen Lastspitzen an Spieltagen zu decken, ohne dass teure Netzbezugsspitzen entstehen.
Photovoltaik-Dachanlage – Größe, Module und Jahresertrag
Die Photovoltaik-Aufdachanlage des Signal Iduna Parks umfasst mehr als 5 MWp installierter Leistung und besteht aus 11.132 bifazialen Doppelglas-Solarmodulen des Herstellers JA Solar mit n-Typ-Zelltechnologie. Jedes Modul liefert bis zu 450 W und nutzt neben der Frontseite auch die Rückseite für Lichtabsorption.
- Installierte PV-Leistung: > 5 MWp (2025, Quelle S1)
- Anzahl Module: 11.132 Stück (2025, Quelle S2)
- Modultyp: bifaziale Doppelglas-Module, n-Typ (JA Solar)
- Erwarteter Jahresertrag: > 4.000 MWh (2026, Quelle S2)
- Deckungsanteil am Stadionstrom: bis zu 45 % (Pressemitteilung RWE, 2026)
Der Jahresertrag von über vier Gigawattstunden entspricht dem Strombedarf der Flutlichtanlage für rechnerisch rund 1.000 Spieltage. An spielfreien Tagen wird die überschüssige Energie entweder in die Vereinsinfrastruktur eingespeist oder in das regionale Verteilnetz eingespeist.
Weltrekord-Zertifizierung
Das Rekord-Institut für Deutschland (RID) hat die Anlage als weltweit leistungsstärkste Solaranlage auf einem Stadiondach zertifiziert. Die Zertifizierung bestätigt die Kombination aus hoher Modulzahl, bifazialer Technologie und der Integration in ein bestehendes Sportstätten-Gebäude.
Intelligentes Energiemanagement mit ABB und ISO-50001
Für die Koordination von PV-Erzeugung, Speicherentladung und der gesamten elektrischen Infrastruktur arbeitet Borussia Dortmund mit ABB zusammen. ABB verbindet Stromerzeugung, Schaltanlagen und Gebäudeautomation (KNX) in einem zentralen Energiemanagementsystem, das nach ISO-50001 zertifiziert ist. Die Zertifizierung garantiert kontinuierliche Energieeffizienz und strukturierte Messdatenerfassung.
- Partner: ABB (Energy Management Partner)
- System: ISO-50001-zertifiziertes Energiemanagement
- Funktion: Automatische Laststeuerung, Synchronisation von PV, Speicher und Stadioninfrastruktur
- Nutzen: Reduktion von Netzbezugsspitzen, Optimierung des Eigenverbrauchs
Durch das Managementsystem wird der Speicher gezielt bei einsetzender Dämmerung oder bei plötzlich ansteigenden Lastspitzen (z. B. Flutlicht, Medien- und Gastronomietechnik) entladen.
Nachhaltigkeitsbilanz – CO₂-Einsparungen und Umweltwirkung
Die PV-Anlage reduziert den CO₂-Ausstoß erheblich. Laut Solarserver-Analyse werden jährlich rund 1.700 t CO₂ vermieden, was einer Einsparung gegenüber dem herkömmlichen deutschen Strommix entspricht.
- Jährliche CO₂-Einsparung: ca. 1.700 t/Jahr (2025, Quelle S4)
- Erzeugter Solarstrom: > 4 GWh/Jahr (2026, Quelle S2)
- Umweltrelevanz: Deckung von 45 % des Stadionstroms, Reduktion von Netzbezugsspitzen
Herausforderungen und Risikofaktoren
Obwohl das System technisch beeindruckend ist, gibt es strukturelle Herausforderungen, die im Projekt bewusst adressiert werden:
- Diskrepanz zwischen Erzeugungszyklus und Spieltag-Bedarf: Die PV-Anlage liefert den Hauptanteil des Stroms im Sommer und tagsüber, während Spieltage häufig abends und in sonnenarmen Wintermonaten stattfinden. Der 3,7-MWh-Speicher kann Überschüsse an sonnigen Tagen nur zu einem kleinen Teil puffern, weshalb ein Teil des Grünstroms ins öffentliche Netz eingespeist werden muss.
- Notwendige Netzabsicherung trotz Speicher: Der Speicher entlädt nur gut eine Stunde bei Volllast. Er kann keine mehrstündige autarke Inselversorgung für Flutlicht oder medientechnische Einrichtungen garantieren, sodass eine zuverlässige Netzverbindung weiterhin erforderlich ist.
FAQ zum Energiesystem
Welche Module wurden auf dem Stadiondach verbaut?Es wurden 11.132 bifaziale Doppelglas-Solarmodule des Herstellers JA Solar mit n-Typ-Technologie und einer Einzelleistung von bis zu 450 W installiert, die Licht auch über die Modulrückseite aufnehmen.Wann speichert die Batterie Strom und wann gibt sie ihn ab?Der Speicher nimmt tagsüber solare Überschüsse der 5-MW-Aufdachanlage auf und entlädt sie gezielt bei einsetzender Dämmerung oder sprunghaft ansteigenden Lastspitzen bei Abendspielen (z. B. für Flutlicht, Medien- und Gastronomietechnik).Welche Rolle spielt Technologiepartner ABB im Gesamtkonzept?ABB verknüpft die Stromerzeugung, Speicherentladung, Schaltanlagen und Gebäudeautomation (KNX) in einem zentralen, ISO-50001-zertifizierten Energiemanagementsystem zur automatischen Laststeuerung.
Fazit
Die Kombination aus einem 3,7-MW-Batteriespeicher, einer über 5-MW-Stark PV-Dachanlage und einem ISO-50001-zertifizierten Energiemanagementsystem von ABB macht den Signal Iduna Park zu einem Vorzeigeprojekt für nachhaltige Stadioninfrastruktur. Mit einem erwarteten Jahresertrag von mehr als 4 GWh Solarstrom und einer CO₂-Einsparung von rund 1.700 t pro Jahr werden sowohl betriebliche Kosten als auch die Umweltbelastung reduziert. Gleichzeitig verdeutlichen die identifizierten Risiken – insbesondere die zeitliche Diskrepanz zwischen Erzeugung und Spieltag-Bedarf – die Notwendigkeit einer engen Netz- und Speicher-Koordination. Das Projekt zeigt, wie industrielle Speichertechnik und dezentrale Solar-Großerzeugung auf bestehender Infrastruktur intelligent kombiniert werden können, um extreme Lastspitzen bei Großveranstaltungen zu glätten und gleichzeitig ein starkes Signal für die Energiewende im Sport zu setzen.

