Huawei, einer der weltweit führenden Hersteller von Leistungselektronik, hat angekündigt, die Preise für sein komplettes Portfolio an Photovoltaik-Wechselrichtern und Energiespeichern um 5 bis 15 Prozent anzuheben. Die Preissteigerungen werden auf stark gestiegene Rohstoff- und Komponentenkosten – insbesondere für Kupfer, Leiterplatten und Halbleiter – zurückgeführt. Da Huawei zusammen mit Sungrow rund 55 % des globalen Wechselrichtermarktes im Jahr 2024 ausmachte, haben diese Anpassungen unmittelbare Folgen für die Investitionskosten von PV- und Speicherprojekten weltweit.
Hintergrund: Steigende Rohstoff- und Komponentenkosten
Seit 2025 steigen die Preise für zentrale Materialien in der Leistungselektronik deutlich an. Der chinesische Nichteisenmetallverband CNMIA berichtet, dass die Kupferpreise im ersten Halbjahr 2026 um 31,4 % gegenüber dem Vorjahr zulegten, während Aluminium um 18,8 % teurer wurde. Diese Metalle finden in Wechselrichtern massive Anwendung – von Sammelschienen über Kabel bis hin zu Transformatoren. Gleichzeitig haben die Preise für Leiterplatten (PCBs) und elektronische Bauteile ein ähnliches Aufwärtspotenzial, da die weltweite Nachfrage das Angebot übersteigt.
Marktdominanz von Huawei und Sungrow im Wechselrichtermarkt
Laut Wood Mackenzie beliefen sich die weltweiten Lieferungen von PV-Wechselrichtern im Jahr 2024 auf 589 GWac. Huawei und Sungrow stellten zusammen über 55 % dieser Lieferungen bereit. Huawei allein lieferte 176 GWac, was die Position als globaler Marktführer untermauert. Diese Konzentration bedeutet, dass Preisentscheidungen eines einzigen Herstellers weitreichende Effekte auf die gesamte Branche haben können, weil alternative Lieferanten nur begrenzt zur Verfügung stehen.
- Gemeinsamer Marktanteil Huawei & Sungrow (2024): 55 %
- Huawei-Wechselrichter-Liefervolumen (2024): 176 GWac
Entwicklung der Kupfer- und Aluminiumpreise in China
Die Preisentwicklung von Kupfer und Aluminium in China hat sich stark zu Ungunsten der Hersteller entwickelt. Während die internationale Kupferpreis-Benchmark (London Metal Exchange) im Oktober 2026 über 14.700 US-Dollar pro Tonne lag, haben die chinesischen Rohstoffpreise noch höhere prozentuale Sprünge verzeichnet. Damit steigt der Anteil der Rohstoffkosten an den Stücklisten von Wechselrichtern und Energiespeichern weiter an.
- Kupferpreisanstieg China (H1 2026): +31,4 %
- Aluminiumpreisanstieg China (H1 2026): +18,8 %
Auswirkungen der Preiserhöhungen auf PV- und Speicherprojekte
Die angekündigten Preisaufschläge von 5 % bis 15 % betreffen verschiedene Produktlinien:
- Photovoltaik-plus-Speicher-Produkte für Privathaushalte, Gewerbe und Industrie
- Wechselrichter im Kraftwerkssegment
- Netzstützende Energiespeicher- und Stromumwandlungssysteme (PCS) mit Aufschlägen von 5 % bis 10 %
Huawei betont, dass ein Teil der zusätzlichen Kosten durch interne Effizienzmaßnahmen absorbiert wurde, jedoch ohne Einbußen bei Qualität, Liefertreue oder Service. Die Preisänderungen werden individuell mit Kunden verhandelt, ein genauer Zeitpunkt der Umsetzung wurde nicht genannt.
Die von Huawei angekündigten Preisanpassungen fallen in eine Zeit, in der der globale Markt für Photovoltaik-Wechselrichter stark konzentriert ist. Laut Wood Mackenzie stiegen die Lieferungen von Wechselrichtern weltweit 2024 auf 589 Gigawatt ac, wobei Huawei und Sungrow gemeinsam über 55 Prozent dieser Lieferungen verfügen. Huawei allein belieferte mit 176 Gigawatt und verzeichnete weiterhin die führende Position global. Dies erlaubt den Unternehmen eine erhebliche Preissetzungsmacht, mit der sich die Preisanpassungen kaum vermeiden lassen.
Preisvergleich: Module vs. Leistungselektronik
Während die Preise für Solarmodule weiterhin durch Überkapazitäten gedrückt werden – 2026 lag der durchschnittliche Ausschreibungspreis bei 0,72 CNY/Wp – steigen die Kosten für die Leistungselektronik deutlich. Der Grund liegt in den höheren Materialpreisen von Kupfer und Halbleitern, die in Wechselrichtern unverzichtbar sind. Dadurch verschieben sich die Projektkosten zunehmend von den Modulen hin zu den Wechselrichtern und Energiespeichersystemen.
Branchenspezifische Gegenmaßnahmen und Risiken
Die Preissteigerungen treffen unterschiedliche Marktsegmente verschieden stark:
- Großkunden können oft individuelle Preisverhandlungen führen und erhalten dadurch bessere Konditionen.
- Kleinere Installationsbetriebe ohne langfristige Vertragsbindungen sind stärker von den Standardpreiserhöhungen betroffen.
- Regionen mit hohen Lagerbeständen können die Effekte verzögern, da die angepassten Preise erst nach Verbrauch der Bestände sichtbar werden.
Weitere chinesische Hersteller – Sungrow, Growatt, KSTAR, Inovance Technology und Kehua Digital Energy – haben seit August ebenfalls Preiserhöhungen von 5 % bis 20 % angekündigt. Dadurch wird die Ausweichmöglichkeit für Kunden stark eingeschränkt, weil die Branche durch die Konzentration einiger weniger Player geprägt ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum steigen die Preise für Wechselrichter, obwohl Solarmodule günstiger geworden sind?
Wechselrichter benötigen wesentliche Metalle und Bauelemente, deren Kosten stark gestiegen sind. Im Gegensatz dazu bestehen Solarmodule hauptsächlich aus Silizium, das durch Überkapazitäten preislich gedrückt wird.
Hat Huawei die Preiserhöhungen für alle Wechselrichter-Produktlinien angewendet?
Ja, die angekündigten Erhöhungen gelten für Wechselrichter, Photovoltaik-Plus-Speichersysteme sowie Stromumwandlungssysteme im Kraftwerksmaßstab, jeweils mit unterschiedlichen Prozentwerten.
Gibt es alternative Hersteller, um die Preisanpassung zu umgehen?
Da andere chinesische Anbieter ebenfalls Preiserhöhungen angekündigt haben, besteht nur eine begrenzte Ausweichmöglichkeit, weil die Konzentration in der Branche sehr hoch ist.
Fazit
Huawei nutzt seine marktbeherrschende Stellung, um Preisanpassungen von 5 % bis 15 % durchzusetzen, während gleichzeitig die Rohstoffpreise für Kupfer und Aluminium in China um über 30 % bzw. 20 % gestiegen sind. Die Preisentwicklung führt zu einer Verlagerung der Kostentreiber von den Solarmodulen hin zu den Wechselrichtern und Energiespeichern. Da die Branche von wenigen Großakteuren dominiert wird, können die Auswirkungen breit gefächert sein – von veränderten Investitionsstrategien bis hin zu verschärften Risiken für kleinere Installateure. Kunden müssen vermehrt individuelle Verhandlungen führen und alternative Lieferanten prüfen, wobei die Wahlmöglichkeiten durch die allgemeine Preisentwicklung in der Leistungselektronik eingeschränkt bleiben.

