Sonntag Energy hat in Zusammenarbeit mit dem Maschinenring Tettnang ein wegweisendes Agri-Photovoltaik-Projekt auf dem Obstbaubetrieb von Hubert Büchele in Überlingen am Bodensee realisiert. Die Anlage kombiniert ein Tracker-System mit 1 MWp installierter Photovoltaik-Leistung und einem 5 MWh Batteriespeicher. Damit demonstriert das Vorhaben, wie dynamische Beschattung im Sonderkulturanbau und netzdienliche Energiespeicherung Hand in Hand gehen können – und das in bäuerlicher Hand.
Betriebsstandort und Partnerschaftsstruktur
Der Standort ist ein tradicionaler Erdbeerhof in der Bodenseeregion. Die Umsetzung erfolgt durch die gewerbliche Tochter des Maschinenrings Tettnang, während die Eigentümerschaft und die langfristige Wertschöpfung vollständig beim Landwirt verbleiben. Diese Partnerschaft garantiert, dass die Anlage nicht nur technisch, sondern auch agrarwirtschaftlich optimal in die bestehenden Betriebsabläufe integriert wird.
- Landwirtschaftlicher Betreiber: Hubert Büchele (Obstbaubetrieb, Überlingen)
- Projektentwickler: Sonntag Energy
- Umsetzungs- und Montagepartner: Maschinenring Tettnang (Tochtergesellschaft)
- Geplanter Jahresbeginn der ersten Bauphase: 2026
Technische Daten der nachgeführten Agri-PV-Anlage
Im ersten Bauabschnitt wird ein einachsiges Tracker-System installiert, das als erstes seiner Art in Europa über Erdbeerkulturen zum Einsatz kommt. Die wichtigsten Kennzahlen lauten:
- Photovoltaik-Peak-Leistung (Phase 1): 1 MWp (2026)
- Genehmigte Gesamtkapazität für spätere Erweiterungen: > 2 MWp (2026)
- Batteriespeicherkapazität: 5 MWh (2026)
- Speicher-zu-Leistung-Verhältnis: 5:1 (5 MWh zu 1 MWp)
- C-Rate des Speichers: 0,2 (fünfstündige Volllastverschiebung)
Die Tracker-Module folgen dem Sonnenstand, erhöhen dadurch den Stromertrag und ermöglichen ein aktives Licht- und Beschattungsmanagement für die Erdbeerpflanzen.
Agronomischer Schutz- und Synergieeffekt bei Beerenobst
Erdbeeren reagieren besonders empfindlich auf Hitzestress, Sonnenbrand, Hagel und Spätfrost. Durch die einachsige Nachführung können die Module bei starker Sonneneinstrahlung gezielt beschatten und gleichzeitig an bewölkten Tagen das volle Licht durchlassen. Die dadurch erreichte Verdunstungsreduktion senkt den Wasserbedarf, ohne das Triebwachstum zu gefährden.
- Mindestertragsquote nach DIN SPEC 91434 (2021): 66 % des mehrjährigen Referenzertrags
- Zulässiger Flächenverlust Kategorie I (2021): max. 10 % dauerhafter Anbauflächenverlust
Die Einhaltung dieser Vorgaben bestätigt, dass das System den Qualitätsstandards für Agri-PV in Deutschland entspricht.
Betriebsweise des Multi-Use-Großspeichers
Der 5 MWh-Speicher dient nicht nur der Eigenverbrauchsoptimierung, sondern ermöglicht zudem die zeitliche Verschiebung von Strom aus dem öffentlichen Netz. Durch die Möglichkeit, Strom zu niedrigen oder negativen Marktpreisen einzukaufen und zu Hochpreisphasen wieder einzuspeisen, entsteht ein Arbitrage-Geschäft, das die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage erhöht.
- Speicherkapazität: 5 MWh (2026)
- Verhältnis Speicher-zu-Leistung: 5 MWh zu 1 MWp
- Arbitrage-Fähigkeit: Stromaufnahme aus Netz und Einspeisung bei Preis- bzw. Marktspitzen
Chancen, Risiken und kritische Punkte
Erhöhter technischer Aufwand und CAPEX
Nachgeführte Unterkonstruktionen verursachen höhere Investitions- und Instandhaltungskosten im Vergleich zu starren Aufständern. Zusätzlich stellen höhere Windlasten und die Notwendigkeit einer hohen Ausfallsicherheit technische Herausforderungen dar.
Mikroklimatische Steuerungsgrenzen
Eine zu starke Dauermotivation oder ein unausgewogener Nachführwinkel kann zu Lichtmangel, verzögerter Abreife oder erhöhter Luftfeuchte unter den Reihen führen – beides begünstigt Pilzkrankheiten.
Regulatorische Anforderungen an Netz-Trading
Der Netzstrombezug zur Speicherung und Rückspeisung unterliegt komplexen Vorgaben bezüglich Netzentgelten, Umlagen und getrennten Bilanzkreisen. Diese regulatorischen Rahmenbedingungen müssen im Betriebsmodell berücksichtigt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Auf welchem Hof wird die Anlage errichtet?Die Anlage entsteht auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Hubert Büchele in Überlingen am Bodensee.Welchen agronomischen Vorteil bringen bewegliche Tracker-Module für Erdbeeren?Sie erlauben eine gezielte Steuerung des Lichteinfalls: Bei extremer Sommerhitze schützen sie vor Sonnenbrand und vermindern die Evaporation, während sie an strahlungsarmen Tagen maximales Sonnenlicht für Reife und Abtrocknung durchlassen.Warum ist der Batteriespeicher mit 5 MWh im Verhältnis zur 1-MW-Solaranlage so groß dimensioniert?Der Speicher dient nicht nur der reinen Solar-Eigenverbrauchsoptimierung, sondern nimmt auch günstigen Netzstrom auf, um Phasen negativer Marktpreise zu überbrücken und Energie zu Hochpreisphasen gewinnbringend einzuspeisen.
Fazit
Das Projekt von Sonntag Energy in Kooperation mit dem Maschinenring Tettnang stellt den ersten europäischen Einsatz eines nachgeführten Agri-PV-Systems über Erdbeerkulturen dar. Mit einer installierten Leistung von 1 MWp, einem 5 MWh-Batteriespeicher und einer klar definierten Partnerschaftsstruktur zeigt das Vorhaben, wie erneuerbare Energieerzeugung und landwirtschaftliche Produktion symbiotisch kombiniert werden können. Die Einhaltung der DIN SPEC 91434-Anforderungen gewährleistet sowohl agronomische Sicherheit als auch einen akzeptablen Flächenverlust. Gleichzeitig öffnen die Speicher-Arbitrage-Funktionen neue wirtschaftliche Perspektiven, während die genannten Risiken – höhere Investitionskosten, mikroklimatische Steuerungsgrenzen und regulatorische Komplexität – sorgfältig gemanagt werden müssen. Insgesamt liefert das Pilotprojekt einen messbaren Mehrwert für die bäuerliche Wertschöpfungskette und liefert ein Modell, das sich künftig auf andere Sonderkulturen und Regionen übertragen lässt.

