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Erste Structural Solar Façade von Spectral an der Eisfabrik Wien – Potenzial von BIPV-Fassaden im Gebäudebestand

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    Im Oktober 2026 wurde an den historischen Kühlhallen der Eisfabrik Wien die weltweit erste Structural Solar Façade von Spectral in Betrieb genommen. Das System verwandelt eine bestehende Gebäudefassade mit minimalen baulichen Eingriffen in eine Stromerzeugungsfläche, kombiniert elektrische Leistung mit passivem Sonnenschutz und eröffnet damit neue Perspektiven für die Nachrüstung von Bestandsbauten.

    Innovatives BIPV-Konzept von Spectral – technische Daten und Leistungskennzahlen

    Die Pilotanlage arbeitet mit 32 Glas-Glas-Modulen, die je 600 mm × 1200 mm groß sind und bei 50 % Transparenz installiert wurden. Auf einer Gesamtlänge von 24 m² erzeugt die Fassade eine Nennleistung von 1,84 kWp. Der flächige Wirkungsgrad beträgt dabei 7,7 %.

    • Installierte Nennleistung: 1,84 kWp (Quelle S1)
    • Fassaden-Gesamtfläche: 24 m² (Quelle S1)
    • Flächenwirkungsgrad (50 % Transparenz): 7,7 % (Quelle S1)
    • Spezifische Leistung der Module: 15 – 145 W/m² je nach Transparenz und Farbwahl (Quelle S2)

    Unternehmenshintergrund und städtische Einbettung

    Die spectral design GmbH wurde Anfang 2024 in Wien von den Architektinnen Zsuzsa Péter und Anna Gulinska gegründet. Das Unternehmen verfolgt einen architektonischen Ansatz für gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV) mit variabler Lichtdurchlässigkeit. Das Pilotprojekt befindet sich an den Kühlhallen der Vereinten Eisfabriken in der Pasettistraße (Wien-Brigittenau) und wird von der Stadt Wien ideell im Rahmen der “Sonnenstrom-Offensive” unterstützt.

    • Gründungsjahr: 2024
    • Gründerinnen: Zsuzsa Péter, Anna Gulinska
    • Projektstandort: Eisfabrik Wien, Pasettistraße, Brigittenau
    • Städtische Begleitung: “Sonnenstrom-Offensive” der Stadt Wien

    Saisonaler Mehrwert von vertikalen PV-Fassaden

    Vertikale Fassaden-Photovoltaik erzielt im Jahresmittel geringere Flächenerträge als geneigte Dächer, liefert dafür jedoch im Winter bei tieferem Sonnenstand und schneefreier Fläche verhältnismäßig hohe Erträge. Das Fraunhofer-ISE hat das technische BIPV-Potenzial an Fassaden in Deutschland auf 370 – 440 GWp geschätzt (2026). Diese systemischen Vorteile – höhere Wintererträge, Lastgangglättung und Verzicht auf zusätzliche Freiflächen – relativieren den vergleichsweise niedrigen Wirkungsgrad von 7,7 %.

    • Technisches Fassaden-BIPV-Potenzial (Deutschland): 370 – 440 GWp (Fraunhofer ISE, 2026)
    • Winterertrag: Vertikale Module fangen die tief stehende Sonne optimal ein
    • Lastgangglättung: Stromerzeugung über den Tag verteilt reduziert Netzspitzen
    • Kein Flächenkonkurrenz: Nutzung vorhandener Fassadenflächen

    Architektonische Flexibilität und Installation

    Spectral verwendet semitransparente Dünnschichtmodule, deren Lichtdurchlässigkeit zwischen 0 % und 90 % wählbar ist. Die Module sind in jeder gewünschten Farbe erhältlich und können so das Erscheinungsbild einer Fassade maßgeschneidert prägen. Das System wird auf einer leichten Stahlunterkonstruktion montiert, die aus vertikalen Masten und horizontalen Armen besteht und lediglich als zweite, nicht tragende Hülle am Gebäude befestigt wird. Die Montage an der Eisfabrik wurde von der Firma Montron durchgeführt; die Tragwerksplanung erfolgte in Zusammenarbeit mit Bollinger + Grohmann und die Detailplanung mit Werner Sobek.

    • Modultransparenz: 0 % – 90 % (nach architektonischer Anforderung)
    • Verfügbare Farben: jede Farbe
    • Standardformat der Module: 600 mm × 1200 mm
    • Montageaufwand: Schnell, minimalinvasiv, zweite Hülle ohne tragende Wandänderungen
    • Partner für Statik und Detailplanung: Bollinger + Grohmann, Werner Sobek
    • Montageunternehmen: Montron

    Markt- und Technologiekontext

    Aus energiewirtschaftlicher Sicht gewinnt die Vertikal-Photovoltaik zunehmend an Bedeutung. Analysen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE, 2026) beziffern das rein technische Fassaden-Potenzial im Gebäudebestand allein für Deutschland auf rund 370 GWp. Vertikale Fassaden fangen die tief stehende Wintersonne in einem günstigen Einstrahlwinkel ein, sind immun gegen Schneebedeckung und helfen so, Ertragstäler von Standard-Dachanlagen in der kalten Jahreszeit abzufedern. Diese Eigenschaften ergänzen die klassischen Aufdach-PV-Lösungen und bieten Stadtplanern sowie Immobilieneigentümern eine zusätzliche Option zur Erreichung von Klimazielen.

    Herausforderungen und Gegenargumente

    Obwohl das System innovative Mehrwerte bietet, gibt es kritische Aspekte, die bei einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung berücksichtigt werden müssen:

    • Geringere Flächeneffizienz: Semitransparente Module erreichen bei 50 % Transparenz nur 7,7 % Wirkungsgrad, während konventionelle kristalline PV-Module 21 – 23 % erreichen.
    • Amortisationsrechnung: Der finanzielle Nutzen muss hauptsächlich über Kombination aus Sanierungsersatz, Verschattungswirkung und Langlebigkeit argumentiert werden.
    • Planungs- und Genehmigungsaufwand: Vertikale BIPV-Systeme unterliegen strengen Anforderungen an Statik, Windlasten und Brandschutz, was standardisierte Nachrüstungen im Vergleich zu Flachdachanlagen erschwert.

    FAQ – häufig gestellte Fragen

    Warum setzt Spectral auf transluzente Dünnschichtmodule statt auf hocheffizientes Silizium?
    Die Semitransparenz (im Pilotprojekt 50 %) erlaubt es, die Photovoltaik direkt vor Fensterfronten oder lichtdurchlässigen Fassadenabschnitten zu montieren, ohne das Tageslicht im Innenraum komplett zu blockieren.

    Welchen doppelten Nutzen bietet das Fassadensystem für Bestandsbauten?
    Neben der Eigenstromerzeugung wirkt die vorgehängte Struktur als passiver Sonnenschutz, der Kühllasten im Sommer senkt und zugleich veraltete Fassaden optisch aufwertet, ohne tragende Wände tiefgreifend zu verändern.

    Fazit

    Die erste Structural Solar Façade von Spectral an der Wiener Eisfabrik demonstriert, dass BIPV-Fassaden nicht nur technisch machbar, sondern auch architektonisch attraktiv und ökologisch sinnvoll sind. Durch die Kombination aus Stromerzeugung, sommerlicher Verschattung und winterlicher Ertragssteigerung eröffnet das System neue Wege für die Aktivierung ungenutzter Bestandsflächen. Trotz geringerer Modul-Wirkungsgrade und erhöhtem Planungsaufwand liefert das System ein ganzheitliches Konzept, das sowohl energetische als auch gestalterische Anforderungen moderner Städte erfüllt.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdiger Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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