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Klage von Swift Current Energy gegen First Solar: Risiken, technische Defekte und finanzielle Dimensionen

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    Der Entwickler Swift Current Energy hat im September 2026 in New York eine Klage gegen den Modulhersteller First Solar eingereicht. Die Vorwürfe betreffen über 2,4 Millionen Dünnschicht-CdTe-Module der Serien 6 Plus und 7, die bei drei Großprojekten – darunter das 800 MW-Double-Black-Diamond-Projekt in Illinois – eingesetzt wurden. Swift Current wirft First Solar vor, von den Serienfehlern zu wissen, diese zu verschleiern und damit erhebliche Minderleistungen und Vertragsstrafen bei Power-Purchase-Agreements (PPAs) zu verursachen.

    Hintergrund der 50-Millionen-Dollar-Garantierückstellung (Q3 2024)

    Im Rahmen des Q3-2024-Earnings-Calls hat First Solar CEO Mark Widmar bereits im Oktober 2024 Produktionsabweichungen bei der Series 7 offen gelegt. Die Ursache wurde als „Edge-Grind“-Problem beim Glaszuschnitt beschrieben. Um betroffene Kunden zu kompensieren und Prozessanpassungen zu finanzieren, wurde eine Garantierückstellung von 50 Millionen US-Dollar gebildet. Diese Rückstellung wurde in den Finanzberichten für das dritte Quartal 2024 ausgewiesen und belegt, dass die Fertigungsmängel bereits vor der Klage als bilanziell relevantes Problem anerkannt wurden.

    Technische Fehlerarten bei Series 6 Plus und Series 7 Modulen

    Edge-Grind-Defekte

    • Betreffen die Series 7-Module.
    • Entstehen durch Kalzinierung von Glaspartikeln, die nach dem Kanten-Grind-Schritt auf die Glasoberfläche gelangen.
    • First Solar hat das Problem im Oktober 2024 öffentlich gemacht und eine Garantiebelastung von 50 Mio. USD angekündigt.

    Substrat-Defekte

    • Betreffen sowohl Series 6 Plus als auch Series 7.
    • Resultieren aus einer Prozessänderung im Jahr 2021, die das Absorberschicht-Annealing beeinträchtigte.
    • Folgen sind schlechtere Filmbeschaffenheit, erhöhte Rekombinationsraten und verringerte Moduleffizienz.

    Leistungsabfall im Feld: 8 % laut Leidos Engineering

    Ein von First Solar beauftragter unabhängiger Bericht von Leidos Engineering LLC untersuchte Series-7-Module nach etwa einem Jahr Feldbetrieb. Der Test zeigte einen durchschnittlichen Leistungsverlust von 8 % gegenüber den Namensleistungsspezifikationen. Die Analyse ergab, dass sowohl die identifizierten Fertigungsdefekte als auch metastabile Verluste, die bei kalten Jahreszeiten stärker auftreten, zu diesem Rückgang beitragen.

    Finanzielle Dimension des Double Black-Diamond-Projekts

    • Projektgröße: 800 MWdc (entspricht 593 MWac) – größtes Solar-Kraftwerk östlich des Mississippi.
    • Finanzierung: 779 Millionen US-Dollar Fremdkapital von einem internationalen Bankenkonsortium (MUFG, Société Générale, Truist).
    • Zusätzliches Tax-Equity-Kapital von Google im Rahmen des Inflation-Reduction-Acts.
    • Investitionsvolumen für die Module: über 360 Millionen US-Dollar.

    Ein dauerhafter Minderertrag empfindet Swift Current als Risiko für die Einhaltung von PPA-Verpflichtungen und für die Rückzahlung der Kreditfazilität. Fehlende Leistung kann zu hohen Strafzahlungen gegenüber Offtakers und Netzbetreibern führen.

    Rechtliche Rahmenbedingungen und mögliche Folgen

    Die Klage stützt sich auf zwei zentrale Rechtsgrundlagen:

    • Schadensersatz wegen Mindererträgen und Vertragsstrafen nach den PPAs.
    • Strafzahlungen nach dem Massachusetts-Gesetz für vorsätzliche Täuschung (willful misconduct), weil die Verhandlungen und die technische Bewertung in Massachusetts stattfanden.

    First Solar argumentiert, dass System-Level-Daten (z. B. Inverter-Ausfälle, Tracker-Degradation) nicht als Beweis für Modulfehler zulässig seien und dass die Garantiebedingungen Labortests einzelner Module verlangen. Swift Current contestiert dies als praktisch unmöglich: Der Rücktransport von 1,5 bis 2,4 Millionen Modulen würde die Kosten der Klage bei weitem übersteigen.

    Praxisnahe Fragen zur Klage (FAQs)

    Warum kann Swift Current die defekten Module nicht einfach im Labor überprüfen lassen?Der Rückbau, Transport und Labortest von mehr als 1,5 Millionen Modulen wäre logistisch aufwendig und kostenintensiv – die Aufwendungen würden den eigentlichen Streitwert übersteigen.Wann hatte First Solar erstmals Probleme bei der Series-7-Linie öffentlich gemacht?Im Oktober 2024, während des Q3-Ergebnisberichts, wurde das „Edge-Grind“-Problem und die einmalige Sonderbelastung von 50 Mio. USD für Garantieleistungen genannt.Welche juristischen Folgen drohen First Solar in New York und Massachusetts?Zusätzlich zu Schadensersatz für Mindererträge und PPA-Vertragsstrafen verlangt Swift Current Sanktionen nach Massachusetts-Recht für vorsätzliche Täuschung, wodurch mögliche Mehrfachschadensersatzstrafen entstehen können.

    Fazit

    Die Klage von Swift Current Energy gegen First Solar verdeutlicht, wie technische Fertigungsdefekte bei Dünnschicht-CdTe-Modulen sofortige betriebliche und finanzielle Konsequenzen für Utility-Scale-Solarprojekte nach sich ziehen können. Die bereits im Herbst 2024 anerkannten Edge-Grind-Mängel und die bislang nicht öffentlich gemachten Substrat-Defekte führen laut unabhängigem Leidos-Bericht zu einem durchschnittlichen Leistungsabfall von 8 %. Angesichts der enormen Investitionssummen – 779 Millionen USD Fremdkapital für das Double-Black-Diamond-Projekt und über 360 Millionen USD für die betroffenen Module – bedeutet jede Prozent-Minderung potenziell erhebliche PPA-Strafen und Kredit-Risiken. Gleichzeitig zeigen die rechtlichen Auseinandersetzungen, dass derzeitige Garantiebedingungen und die Trennung von System- und Moduldaten die Durchsetzung von Ansprüchen im Gigawatt-Maßstab erschweren. Die anstehenden Verhandlungen vor dem New-York-Gericht am 16. November 2026 werden entscheiden, inwieweit Herstellerverantwortung und Vertragsauslegung künftig das Risiko-Management bei großflächigen Solaranlagen prägen.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdiger Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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