Die herkömmliche Annahme, dass Photovoltaik-Montagepunkte zwingend über tragende Pfetten (Purlins) gesetzt werden müssen, führt bei Metalldächern zu schweren Schienensystemen, starrem Modullayout und hohen Dachlasten. Das neue Whitepaper von S-5! zeigt, dass Off-Purlin-Montage – also die Befestigung direkt an den Stehfalzen oder Profilrippen – diese Probleme löst. Durch die direkte Kraftübertragung auf das Dachblech sinken das Systemgewicht, die Anzahl der Bauteile und die Installationszeit drastisch, ohne die strukturelle Sicherheit zu gefährden.
Warum Off-Purlin-Montage die Wirtschaftlichkeit von Solardächern steigert
Die wichtigsten wirtschaftlichen Vorteile ergeben sich aus drei klar messbaren Kennzahlen, die der Hersteller PVKIT 3.0 für das Jahr 2024 veröffentlicht hat:
- Reduktion des Montagegewichts und des Frachtvolumens: bis zu 85 % weniger Gewicht im Vergleich zu konventionellen, schienenbasierten Aufdachsystemen (S-5!, 2024).
- Reduktion der Bauteilkomponenten: rund 70 % weniger Einzelteile dank Wegfalls von Montageschienen und Kreuzverbindern (S-5!, 2024).
- Zeitersparnis bei der Installation: Verkürzung der Montagezeit pro Modulfeld um 30-50 % (S-5!, 2024).
Diese Kennzahlen machen die Off-Purlin-Lösung besonders attraktiv für EPC-Unternehmen und Dachdecker, weil sie Materialkosten senken, Logistikaufwand reduzieren und die Projektlaufzeit verkürzen.
Zusammengefasste Nutzenübersicht
- Geringere Dachlast – wichtig bei leicht konstruierten Gewerbehallen.
- Weniger Bauteile – vereinfachte Lagerhaltung und geringere Fehlerrate.
- Schnellere Installation – mehr Projekte pro Tag, höhere Kapazitätsauslastung.
- Reduzierter CO₂-Fußabdruck – weniger Transport und weniger Metall in der Montage.
Statistische Nachweise: Belastbarkeit bei extremen Windbedingungen
Die strukturelle Tragfähigkeit von Off-Purlin-Befestigungen wurde im Labor und im Feld überprüft. Simulierte zyklische Zug-/Druckwechsel nach AS/NZS 1170.2 (Wind Actions) und Feldtests während des Kategorie-5-Hurrikans Otis (Oktober 2023) belegen die Sicherheit der Lösung.
- Maximale 1-Minuten-Windgeschwindigkeit (Hurrikan Otis): 270 km/h (Kategorie 5, S3, 2023).
- Spitzewindböen: bis zu 330 km/h (lokale Böen, S3, 2023).
Trotz dieser extremen Lasten hielten die geklemmten PV-Anlagen auf Metalldächern stand – weder strukturelle Schäden noch Dachundichtigkeiten wurden festgestellt.
Testverfahren und Feldbeobachtungen
Im Labor wurden die Klemmsysteme von S-5! (z. B. PVKIT 3.0) zyklischen Lasten ausgesetzt, die den dynamischen Wind- und Soglasten realer Stürme entsprechen. Feldtests während Hurrikan Otis bestätigten die Laborergebnisse: Die schienenlosen Direktbefestigungen widerstanden den erwarteten Auftriebskräften, weil die Lasten über die Stehfalze bzw. Profilrippen gleichmäßig verteilt wurden.
Konstruktive Grundlagen: Eigensteifigkeit von Stehfalz- und Trapezblechen
Stehfalz- und Trapezblechdächer besitzen laut Whitepaper von S-5! eine ausreichende Eigensteifigkeit, um PV-Befestigungspunkte sicher zwischen den Pfetten aufzunehmen. Die beiden Dachtypen – “standing seam” (verdeckte Befestigung) und “exposed-fix” (offene Befestigung) – nutzen ihre seitlich verlaufenden Nähte bzw. Rippen als tragende Elemente. Diese Eigenschaft erlaubt die direkte Anbringung von Klammern, ohne dass die Tragfähigkeit der Pfetten beansprucht werden muss.
Praktische Umsetzung: Schienenlose Direktbefestigungen (z. B. PVKIT 3.0)
Das PVKIT 3.0-System von S-5! bietet eine rail-less-Montage, bei der Klemmen oder Halterungen formschlüssig auf die Stehfalze bzw. Rippen geklemmt werden. Die wichtigsten Merkmale:
- Durchdringungsfreie Rundklemmen erhalten die Dichtigkeit des Dachs (keine Löcher, keine Undichtigkeiten).
- Montagepunkte können beliebig entlang der Falz oder Rippe gesetzt werden – nicht zwingend über den Pfetten.
- Verfügbar in Standard- und optionalen 50 mm-Riser-Konfigurationen für Kabel- und Elektronik-Routing.
- Der High-Pressure-Cast-Aluminium-Facet-Mount von S-5! stellt 16 Befestigungspositionen bereit und verteilt die Lasten gleichmäßig.
Durch diese Flexibilität wird das Layout der PV-Module nicht mehr durch starre Schienenraster eingeschränkt, was besonders bei nicht-regelmäßigen Dachgeometrien von Vorteil ist.
Gegenüberstellung: Risiken und Gegenmaßnahmen
Obwohl die Off-Purlin-Montage zahlreiche Vorteile bietet, müssen einige Risiken beachtet werden:
- Dicken- und Profilabhängigkeit des Blechs: Eine ausreichende Materialstärke (mindestens 0,5 mm bis 0,75 mm für Stahl- bzw. Alublech) und fachgerechte Falzung sind Voraussetzung. Bei stark korrodierten oder unterdimensionierten Bestandsdächern besteht die Gefahr von Beulung oder Schraubenauszug.
- Erhöhte Punktlasten an den Blechprofilen: Ohne Schienen werden die Biegemomente lokal an den Stehfalzen oder Rippen absorbiert. Das erfordert eine präzise Auslegungsberechnung pro Projekt, um die Tragfähigkeit sicherzustellen.
Die Lösung besteht in einer genauen statischen Vorprüfung, die Blechdicke, Befestigeranzahl und Abstand berücksichtigt, sowie in der Wahl geeigneter Klemmsysteme, die nach internationalen Standards (AS/NZS 1170.2, ASTM E1592) zertifiziert sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet ‘Off-Purlin’-Montage bei Solaranlagen?Es bezeichnet die Befestigung von Photovoltaikmodulen direkt auf den Profilen oder Stehfalzen des Metalldachs, ohne dass die Befestigungsklemmen exakt über den darunterliegenden tragenden Pfetten verschraubt werden müssen.Wird bei Stehfalzdächern die Dichtigkeit des Dachs beeinträchtigt?Nein, bei Stehfalzdächern nutzen Systeme wie die von S-5! durchdringungsfreie Rundklemmen, die formschlüssig auf die Falznaht geklemmt werden, wodurch die Dachhaut unversehrt und regendicht bleibt.Welche Standards gelten für die Auslegung gegen Windauftrieb?In der Region Australasien erfolgt die Prüfung nach AS/NZS 1170.2 (Wind Actions), international häufig ergänzt durch statische Zugprüfungen nach ASTM E1592 sowie Bauteiltests für zyklische Wechsellasten.
Fazit
Die Off-Purlin-Montage von Photovoltaik-Modulen auf Metalldächern stellt einen paradigmatischen Wandel gegenüber herkömmlichen, schienenbasierten Systemen dar. Durch die direkte Befestigung an Stehfalzen oder Profilrippen wird das Montagegewicht um bis zu 85 % reduziert, die Bauteilanzahl um rund 70 % gesenkt und die Installationszeit um 30-50 % verkürzt. Ergänzt wird diese Effizienz durch nachweisliche Belastbarkeit bei extremen Windereignissen wie Hurrikan Otis (270 km/h mittlere Windgeschwindigkeit, Böen bis 330 km/h). Voraussetzung für den Erfolg ist jedoch eine sorgfältige statische Analyse, die Blechdicke und lokale Punktlasten berücksichtigt. Wer diese Vorgaben beachtet, kann mit schienenlosen Direktbefestigungen nicht nur Kosten und Logistik optimieren, sondern auch die strukturelle Sicherheit und die Lebensdauer von Solaranlagen auf Metalldächern signifikant erhöhen.

