Trina Solar hat mit seiner TOPCon-kompatiblen Hybrid-Rückkontakt-Solarzelle (THBC) eine neue Effizienzgrenze von 28,0 % erreicht. Das Ergebnis wurde vom deutschen Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) bestätigt und stellt damit den ersten Nachweis dar, dass eine großflächige 210R-Kristallsilizium-Zelle die 28-Prozent-Marke überschreitet. Der Durchbruch könnte die zukünftige Ausrichtung der Solartechnologie maßgeblich beeinflussen und den Wettbewerb unter den Herstellern neu beleben.
Technologie der THBC-Solarzelle
Die THBC-Technologie von Trina Solar kombiniert mehrere etablierte Hochleistungskonzepte in einem einzigen Zelldesign. Durch die Integration von TOPCon-Passivierung, HJT-ähnlicher Oberflächenpassivation und einer Rückkontakt-Elektrodenstruktur wird die Lichtausbeute maximiert und die Frontseite der Zelle von Metallabschattungen befreit.
Hybrid-Design: Kombination von TOPCon, HJT und Rückkontakt
- TOPCon-Passivierung ermöglicht eine effiziente Ladungsträgertrennung.
- HJT-Passivierung erhöht die Oberflächeneigenschaften und reduziert Rekombination.
- Rückkontakt-Struktur verlagert beide Elektroden auf die Zellrückseite, was Front-Shading eliminiert.
Zertifizierung und Messwerte
Der gemessene Wirkungsgrad von 28,0 % wurde vom ISFH zertifiziert und markiert den ersten Fall, dass eine 210R-Zelle die 28-Prozent-Grenze überschreitet. Damit wird die bisherige Rekordmarke von Longi (27,81 % im April 2025, ebenfalls ISFH-zertifiziert) übertroffen.
Bedeutung für den Solarmarkt
Der Erfolg von Trina Solar fügt sich in einen stark wachsenden Markt für hocheffiziente Solarmodule ein. Laut einem Bericht von IHS Markit wird dieser Markt bis 2030 voraussichtlich jährlich um 15 % wachsen, getrieben von der steigenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Für den gesamten globalen Photovoltaikmarkt projiziert die Marktübersicht Photovoltaik (2026) im Jahr 2026 ein Wachstum von 23,3 %.
Die durchschnittliche Effizienz von Solarmodulen lag 2025 bei 23,8 % (Fraunhofer-ISE), deutlich unter dem neuen Rekordwert. Ein höherer Zellwirkungsgrad senkt die benötigte Fläche pro erzeugter Kilowattstunde, ein Vorteil vor allem in dicht besiedelten Regionen.
Vergleich mit bisherigen Höchstwerten
Der Sprung von 27,81 % auf 28,0 % beträgt nur 0,19 Prozentpunkte, hat jedoch mehrere Implikationen:
- Erweiterung des Effizienz-Ceilings für kristalline Silizium-Zellen.
- Bestätigung, dass bestehende TOPCon-Produktionslinien mit geringem Aufwand weiterentwickelt werden können.
- Potenzial für Module mit über 700 W Leistung im Standardformat 2 382 mm × 1 134 mm, die Anwendungen wie dezentrale Großanlagen und industrielle Dachinstallationen erschließen könnten.
Chancen und Risiken der neuen Technologie
Die Einführung der THBC-Zelle bietet sowohl Vorteile als auch Herausforderungen für die Industrie.
Vorteile
- Höhere Lichtnutzung durch Wegfall von Front-Shading.
- Kompatibilität mit bestehenden TOPCon-Produktionslinien (110 µm- bis 130 µm-Dünnwafer).
- Potenzial zur Kosten- und Komplexitätsreduktion bei der Kommerzialisierung im Vergleich zu komplett neuen Plattformen.
- Verbesserte Ästhetik und Differenzierung im Premium-Segment.
Risiken
- Steigende Produktionskomplexität kann zu höheren Fertigungskosten führen.
- Integration neuer Prozesse erfordert zusätzliche Qualifizierung von Anlagen und Personal.
Trina Solar hat bereits die Massenproduktion der THBC-Zelle angekündigt. Vor einem breiten Marktstart muss sich zeigen, ob sich die Laborwerte in bestehenden Fertigungsstraßen auch in der Serie erreichen lassen.
Ausblick: Marktführung und weitere Entwicklungen
Für Trina Solar bedeutet die 28,0-Prozent-Marke nicht nur einen technologischen Fortschritt, sondern auch die Möglichkeit, eine führende Position im wachsenden Markt für hocheffiziente Solarmodule einzunehmen. Die Kombination aus hoher Effizienz und potenziell geringeren Kosten für die Kommerzialisierung könnte die Akzeptanz von Solartechnologien weiter beschleunigen.
Fazit
Der Rekord von 28,0 % Wirkungsgrad, bestätigt vom ISFH, stellt einen bedeutenden Meilenstein in der Solarzellenforschung dar. Er bestätigt die Wirksamkeit des hybriden Rückkontakt-Designs. Während die Technologie neue Chancen für höhere Energieausbeute und Produktdifferenzierung eröffnet, müssen Hersteller die damit verbundene Produktionskomplexität sorgfältig managen, um die Kosten im Griff zu behalten. Insgesamt stärkt der Durchbruch die Perspektive, dass hocheffiziente Silizium-Solarzellen bald zur Norm werden könnten.

