Das Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) hat sein Kalibrier- und Testzentrum CalTeC um eine großformatige Messanlage erweitert, die nun Wirkungsgradmessungen für Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen bis zum G12-Waferformat (210 mm Kantenlänge) ermöglicht. Die Erweiterung reagiert auf den steigenden Bedarf an standardisierten, rückführbaren Leistungsbewertungen für großflächige Tandemsolarzellen und unterstützt damit die industrielle Skalierung einer Technologie, die bereits im Labor Wirkungsgrade von über 34 % erreicht hat.
Bedeutung standardisierter Kalibrierung für die Tandem-Photovoltaik
Eine einheitliche Kalibrierung ist entscheidend, um Messdaten verschiedener Zellkonzepte vergleichbar zu machen und Investoren, Hersteller sowie Forschungseinrichtungen fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. Durch die neue Infrastruktur können Messungen nicht nur auf Labor-Zellflächen, sondern auch auf industrietauglichen Wafern durchgeführt werden – ein wichtiger Schritt vom Labor- zum Markt-Transfer.
Die Entwicklung von Tandemsolarzellen hat in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Den aktuellen Rekord für Perowskit-Silizium-Tandemzellen hält LONGi mit 35,5 % (ESTI-zertifiziert, Juli 2026). Diese Effizienzsteigerungen könnten für die gesamte Branche von Bedeutung sein, da der Druck auf die Forschung und Entwicklung wächst, diese Leistungen in die Industrie zu übertragen. Die neuen Dienstleistungen des ISFH CalTeC sind daher entscheidend, um diese Entwicklungen zu unterstützen und die Wettbewerbsfähigkeit von Solarenergie dauerhaft zu gewährleisten. Überdies gibt es Herausforderungen wie die hohen Produktionskosten, die eine Marktdurchdringung der Tandemsolarzellen erschweren könnten. Diese Aspekte sollten bei der Betrachtung der zukünftigen Trends und der Bedeutung von Kalibrierung und Qualitätskontrolle Berücksichtigung finden.
Technische Eckdaten der neuen Messanlage
- Messbereich: Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen bis zum G12-Waferformat (210 mm Kantenlänge)
- Berücksichtigung spektraler Fehlanpassungen und Korrektur von Abschattungseffekten durch Kontaktierungsleisten
- Kompensation von Bestrahlungsinhomogenitäten bei großflächigen Solarzellen
- Homogene Temperaturregelung während der Messung
- Messprotokolle zur Einbeziehung der Metastabilität von Tandemsolarzellen
- Kalibrierung seit 2016 akkreditiert für Siliziumsolarzellen; seit 2018 unabhängige Verifizierung von Umwandlungswirkungsgraden
- Bestätigung von Weltrekordwirkungsgraden für Siliziumsolarzellen
Aktuelle Leistungsdaten von Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen
Im Labor haben Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen bereits bemerkenswerte Effizienzen erzielt:
- Wirkungsgrad von über 34 % bei Zellflächen von etwa einem Quadratzentimeter
- Rekordwirkungsgrad: 35,5 % (LONGi, ESTI-zertifiziert, Juli 2026; vorher 34,85 %, April 2025)
Marktentwicklung und wirtschaftliches Potenzial
Die wirtschaftliche Relevanz von Tandemsolarzellen wird durch mehrere Kennzahlen unterstrichen:
- Steigerung der Gesamteffizienz von Photovoltaikanlagen, wenn Tandemzellen in die Serienfertigung kommen
- Verbesserte Wettbewerbsfähigkeit von Solarenergie gegenüber anderen erneuerbaren Technologien
Risiken und Gegenmaßnahmen: Hohe Produktionskosten
Ein wesentlicher Risikofaktor bleibt die derzeit noch hohe Produktionskosten von Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen. Diese Kosten können die Marktdurchdringung bremsen und sollten bei der Bewertung neuer Technologien berücksichtigt werden. Standardisierte Kalibrierungs- und Qualitätskontrollverfahren, wie sie das ISFH CalTeC bereitstellt, können dazu beitragen, Produktionsprozesse zu optimieren und Kosteneffizienz zu steigern.
Was sind Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen?
Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen kombinieren übereinanderliegende Materialien, um die Effizienz der Photovoltaik zu maximieren, und erreichen somit höhere Wirkungsgrade als traditionelle Siliziumsolarzellen.
Fazit
Die Erweiterung des CalTeC-Zentrums am ISFH stellt einen entscheidenden Meilenstein für die industrielle Anwendung von Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen dar. Durch die Möglichkeit, großformatige Wafer bis zum G12-Standard präzise zu kalibrieren, wird ein wichtiges Bindeglied zwischen Labor-Erfolgen (Rekordwirkungsgrad 35,5 %) und der kommerziellen Skalierung geschaffen. Gleichzeitig bleibt es notwendig, die Produktionskosten zu senken. Standardisierte Messverfahren und akkreditierte Kalibrierungsdienste sind daher nicht nur ein technisches, sondern auch ein wirtschaftliches Fundament für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Tandem-Photovoltaik.

