Im August 2026 wurde ein neuer Meilenstein im globalen Energiemarkt erreicht: Die installierte Photovoltaik-Leistung überschritt erstmals die Schwelle von drei Terawatt (TW). Dieser Durchbruch ist das Ergebnis eines beschleunigten Ausbaus, der in den letzten zehn Jahren von 100 Gigawatt (GW) im Jahr 2012 auf 3 TW im Jahr 2026 gewachsen ist. Die rasante Skalierung senkt nicht nur die Stromgestehungskosten, sondern stellt gleichzeitig die Stromnetze und die Speicherinfrastruktur vor bislang ungeahnte Herausforderungen.
Der Durchbruch: 3 Terawatt installierte PV-Leistung
Laut BloombergNEF (BNEF) dauerte es etwa zehn Jahre, bis die globale PV-Leistung von 100 GW im Jahr 2012 die Marke von 1 TW erreichte. Das zweite Terawatt folgte in weniger als drei Jahren, und das dritte Terawatt wurde in weniger als zwei Jahren nach dem zweiten erreicht – ein Rekordtempo, das die Geschwindigkeit früherer Ausbauphasen deutlich übertrifft.
Kostenentwicklung der PV-Stromerzeugung
- 2012: Stromgestehungskosten bei ca. 0,38 USD/kWh (BloombergNEF).
- 2024: LCOE von Freiflächen-PV unter 0,043 USD/kWh (IRENA).
Der drastische Preisverfall macht PV-Energie heute konkurrenzfähig zu fossilen Quellen und stärkt die Rolle erneuerbarer Energien im globalen Stromsystem.
China – Haupttreiber und technologischer Pionier
China bleibt der zentrale Akteur im globalen PV-Markt. Im Jahr 2025 deckte das Land etwa 64 % aller neu installierten Solarkapazitäten weltweit ab (SolarPower Europe, 2026). Gleichzeitig liegt der durchschnittliche Nutzungsgrad der PV-Anlagen in China bei 96,8 % (2024), wobei regionale Unterschiede bestehen.
Die massive Fertigung in China hat die Modulpreise stark gesenkt, führt jedoch zu neuen Risiken:
- Marktüberkapazitäten gefährden die Stabilität der Lieferketten und führen zu Verlusten bei vielen Herstellern.
- Im Jahr 2024 wurden etwa 3 % der erzeugten Solarleistung in China aufgrund von Einspeisebeschränkungen (Curtailment) abgeregelt (BNEF).
Die überholte Netzinfrastruktur zwingt das Land, den Fokus künftig stärker auf die Integration erneuerbarer Erzeugung, den Ausbau von Speicherlösungen und die Modernisierung von Übertragungsnetzen zu legen.
Expansion in Schwellen- und Entwicklungsländern – Das Beispiel Pakistan
Außerhalb der industriellen Kernmärkte gewinnt die Photovoltaik zunehmend an Bedeutung. Pakistan verzeichnete 2024 einen Rekordzuwachs von 17 GW neuer PV-Kapazität – ein Hinweis darauf, dass PV-Anlagen auch in Ländern mit schwacher staatlicher Infrastruktur attraktiv sind. Bis 2025 soll der Anteil von Solarenergie am pakistanischen Strommix etwa 8 % betragen (SolarPower Europe).
Die treibenden Faktoren für das Wachstum in Pakistan sind:
- Sehr niedrige Stromgestehungskosten im Vergleich zu konventionellen Quellen.
- Unzuverlässige lokale Netze, die den Eigenverbrauch von Solarstrom attraktiv machen.
Dieses Beispiel illustriert, dass die PV-Expansion nicht mehr ausschließlich von Industrieländern abhängt, sondern zunehmend von ökonomischen und ökologischen Vorteilen in weniger entwickelten Regionen getrieben wird.
Herausforderungen: Netzintegration und Energiespeicherung
Der schnelle Ausbau der installierten Kapazität überlastet die bestehenden Stromnetze. In China hat die Netz- und Speicherinfrastruktur den Ausbau der PV-Leistung bereits überholt, was zu vermehrten Abschaltungen führt. Ohne ausreichende Speicher- oder Flexibilitätsoptionen kann ein erheblicher Teil der erzeugten Solarenergie nicht ins Netz eingespeist werden.
Wichtige Punkte im Kontext von Netz und Speicher:
- Netzinfrastruktur ist ein Engpass – fehlende Übertragungskapazitäten und flexible Netze verhindern die volle Nutzung der installierten PV-Leistung.
- Energiespeicher, insbesondere Lithium-Ion-Batterien, können überschüssigen Solarstrom aufnehmen und später wieder abgeben, wodurch die Abhängigkeit von Echtzeit-Einspeisung reduziert wird.
- Die Integration von Speichertechnologien ist laut BNEF ein entscheidender Faktor für die nächste Phase des Solarausbaus.
Ohne diese Maßnahmen droht ein erneutes „Verpuffen“ von Solarstrom, was die Wirtschaftlichkeit neuer Anlagen untergraben würde.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum globalen PV-Ausbau
- Warum ist der PV-Ausbau schneller als früher? Technologische Fortschritte und Skaleneffekte senken die Kosten, sodass PV heute wettbewerbsfähig zu konventionellen Quellen ist. Die Stromgestehungskosten liegen bei unter vier Cent pro Kilowattstunde (IRENA 2024).
- Welche Rolle spielt China bei PV? China ist der größte Produzent, Marktreformer und Installateur. 2025 stellte das Land etwa 64 % aller neu installierten PV-Anlagen weltweit her (SolarPower Europe 2026).
- Warum steigt der PV-Ausbau in Ländern wie Pakistan? PV bietet dort günstigeren Strom als traditionelle Quellen und reduziert die Abhängigkeit von unzuverlässigen Netzen.
- Was passiert mit überschüssigem Solarstrom? Ohne Speicher oder flexible Netze wird überschüssiger Solarstrom abgeregelt. In China lag die Abschaltquote 2024 bei rund 3 % (BNEF, 2024).
Fazit
Der Sprung über die 3-Terawatt-Marke markiert den Übergang der Photovoltaik von einer Nischentechnologie zu einem zentralen Baustein des weltweiten Strommixes. China bleibt der dominierende Akteur, während Schwellen- und Entwicklungsländer – exemplarisch Pakistan – das globale Wachstum weiter vorantreiben. Gleichzeitig verdeutlichen die aktuellen Engpässe bei Netzinfrastruktur und Speicher, dass die reine Installationskapazität allein nicht ausreicht. Für eine nachhaltige Nutzung der neuen Solarkapazitäten sind massive Investitionen in flexible Netze, leistungsfähige Speicherlösungen und regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich. Nur so kann die rasante Expansion in tatsächlich genutzte, klimafreundliche Stromerzeugung umgewandelt werden.

