Im Zuge der geplanten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) fällt ab 2027 die feste Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen bis 25 kW weg. Betreiber kleiner Anlagen müssen künftig in die Direktvermarktung wechseln. Finanztechnologie-Start-ups wie Cloover und Spotmyenergy bieten deshalb neue Tarife an, die eine zeitgesteuerte Einspeisung über die Strombörse ermöglichen und damit höhere Erlöse als die bisherige EEG-Vergütung versprechen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Rahmenbedingungen, die Angebote der beiden Plattformen und die wirtschaftlichen Implikationen für private Betreiber zusammen.
Hintergrund: Die geplante EEG-Novelle und das Ende der festen Vergütung
Der aktuelle Regierungsentwurf (BT-Drs. 21/7867) sieht für Neu-PV-Anlagen bis 25 kW eine maximale Festvergütungsphase von drei Jahren vor (Jahr 2026). Nach diesem Übergangszeitraum ist die Anbindung an den Strommarkt verpflichtend. Um den Wechsel zu erleichtern, wird ein Direktvermarktungsbonus von 1,5 ct/kWh für vier Jahre gezahlt. Zusätzlich sieht der Entwurf eine Begrenzung der Einspeiseleistung auf 50 % der Wirkleistung des Wechselrichters vor, was die mögliche Erlös-Situation einschränken kann.
Cloover – Das Modell für Direktvermarktung kleiner Anlagen
Cloover, ein Berliner Energie-Fintech, hat einen speziellen Einspeisetarif für Anlagen bis 25 kW entwickelt. Die wichtigsten Konditionen lauten:
- Monatliche Grundgebühr: 4,99 €
- Vermarktungsgebühr: 1 Cent pro eingespeister kWh
- Kostenlose Installation eines Smart-Meters
- Optionales Energiemanagementsystem „Cloover Pulse“ für 5,99 € / Monat
Die Vermarktung erfolgt nach dem Day-Ahead-Preis der Strombörse. Durch die Integration eines Heimspeichers kann die Einspeisung gezielt in den Abendstunden erfolgen, wenn die Börsenpreise besonders hoch sind.
Vorteile der Speicherintegration
- Erhöhte Erlöse durch zeitverschobene Einspeisung (z. B. 12 ct/kWh am Abend, basierend auf Sommer-2026-Marktdaten)
- Reduzierte Abhängigkeit von der fixen EEG-Vergütung
- Durch sinkende Batteriekosten wird die Wirtschaftlichkeit weiter verbessert
Modellrechnung von Cloover
In einer Musterrechnung wird ein durchschnittlicher Haushalt mit 5.000 kWh Jahresverbrauch, einer 10-kW-PV-Anlage und einem 15-kWh-Speicher zugrunde gelegt. Das Ergebnis lautet:
- Annualer Nettoerlös: 495 € (Jahr 2026)
- Gesamtkosten inkl. Gebühren: 189 € (Jahr 2026)
- Mehrerlös gegenüber der aktuellen EEG-Vergütung: ca. 56 € pro Jahr
Die Rechnung geht davon aus, dass die Einspeisung ausschließlich abends erfolgt, wenn die Börsenpreise hoch sind.
Spotmyenergy – Vergleichbares Angebot
Der Mitbewerber Spotmyenergy hat im September 2026 das Produkt „SmartFlux“ eingeführt. Die Gebührenstruktur ist ähnlich, jedoch leicht teurer in der Grundgebühr:
- Monatliche Grundgebühr: 5,99 €
- Vermarktungsgebühr: 1,0 Cent pro kWh
- Marktorientierter Einspeisetarif für kleine PV-Anlagen
Damit ergänzt Spotmyenergy das Markt-Ecosystem und bietet Betreibern eine Alternative zu Cloover.
Wirtschaftliche Betrachtungen: Mehrerlös gegenüber der EEG-Vergütung
Die Kombination aus Speicher, intelligentem Energiemanagement und zeitgesteuerter Direktvermarktung ermöglicht – laut Cloover-Modell – einen Jahreserlös, der die feste EEG-Vergütung übertrifft. Dabei spielen folgende Kennzahlen eine zentrale Rolle:
- Direktvermarktungsbonus: 1,5 ct/kWh für vier Jahre (geplant)
- Monatliche Grundgebühr Cloover: 4,99 € (Quelle S1)
- Vermarktungsgebühr Cloover: 1,0 ct/kWh (Quelle S1)
- Annualer Nettoerlös aus Modellrechnung: 495 € (Quelle S1)
Selbst bei einem durchschnittlichen Einspeise-Preis von rund 11,3 ct/kWh (wie im Kommentar eines Lesers angegeben) bleibt das Angebot rentabel, weil die Gesamtkosten lediglich etwa 3,4 ct/kWh betragen (4,99 € / 12 Monate ÷ jährliche Einspeisemenge plus 1 ct/kWh Gebühr).
Risiken und Gegenargumente
Obwohl die neuen Tarife attraktive Renditen versprechen, gibt es regulatorische und marktbezogene Risiken:
- 50-%-Begrenzung der Wirkleistung: Der Entwurf sieht vor, dass nur die Hälfte der Wechselrichterleistung ins Netz eingespeist werden darf. Dies könnte den Nutzen von Speichern einschränken, weil die teuersten Stunden des Tages nur limitiert genutzt werden können.
- Schwankende Strombörsenpreise: Die Day-Ahead-Preise sind volatil. In Wintermonaten mit geringer Einspeisung und hohen Fixkosten kann der Erlös hinter den Erwartungen zurückbleiben.
- Technische Umsetzung der Begrenzung: Unklar ist, ob die 50-%-Kappung auf die DC-Modulleistung oder die AC-Leistung des Wechselrichters anzuwenden ist. Diese Unsicherheit erschwert die Planung von Speicherstrategien.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ab wann kann man mit Cloover einspeisen?Cloover bietet den Tarif ab sofort an. Der erste kommerzielle Betrieb startet am 1. Dezember 2026.Warum ist ein Speicher erforderlich?Speicher ermöglichen die Einspeisung zu Zeitpunkten mit hohen Börsenpreisen. Ohne Speicher ist die Rendite typischerweise schlechter als bei einer fixen EEG-Vergütung.Was ist der Direktvermarktungsbonus?Es handelt sich um eine staatlich gezahlte Prämie von 1,5 ct/kWh für vier Jahre nach der Festvergütungszeit, um den Wechsel in die Direktvermarktung finanziell abzusichern.
Fazit
Die EEG-Novelle führt zu einem strukturellen Wandel im Markt für kleine Photovoltaikanlagen. Durch den Wegfall der festen Vergütung wird Direktvermarktung zur Pflicht, und Angebote wie die von Cloover und Spotmyenergy zeigen, dass ein profitabler Betrieb mit Hilfe von Heimspeichern und smarten Steuerungssystemen möglich ist. Die Modellrechnungen belegen, dass Haushalte unter den aktuellen Konditionen einen Jahresmehrerlös von rund 50 € gegenüber der EEG-Vergütung erzielen können. Gleichzeitig muss jedoch beachtet werden, dass regulatorische Vorgaben – insbesondere die 50-%-Leistungsbegrenzung – und die Volatilität der Börsenpreise ein Risiko darstellen. Betreiber sollten deshalb sowohl die finanziellen Parameter als auch die rechtlichen Rahmenbedingungen genau prüfen, bevor sie in Speicher- und Vermarktungslösungen investieren.

