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Kiel oder Saarbrücken? Was Standort über Ertrag einer PV-Anlage aussagt

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    Wer in Schleswig-Holstein über eine Solaranlage auf dem eigenen Dach nachdenkt, hört früher oder später das Argument, im Norden schien ja die Sonne nun wirklich zu selten. Die Messdaten erzählen hier eine differenziertere Geschichte. Zwar kommt an Nord- und Ostsee weniger Sonnenenergie auf die Dachflächen als im Südwesten Deutschlands. Der Unterschied beim tatsächlichen Stromertrag fällt aber kleiner aus, als oft angenommen wird. Ob eine Anlage nun wirtschaftlich arbeitet, hängt neben der Einstrahlung von Temperatur, Ausrichtung und Verschattung ab. Vor allem aber davon, wie viel Solarstrom der eigene Haushalt selbst verbraucht.

    Globalstrahlung: Der messbare Abstand zwischen Nord und Süd

    Die für jede Standortbewertung entscheidende Kennzahl ist die Globalstrahlung, also die gesamte Sonnenenergie, die pro Jahr auf einen Quadratmeter horizontaler Fläche mit Senkrechtstrahlrichtung trifft. In Schleswig-Holstein liegt der langjährige Mittelwert dieser Kennzahl meist zwischen etwa 950 und 1.050 kWh/m². Küstengebiete und Inseln wie Fehmarn schneiden hier besser ab als das Binnenland. Wer mit Photovoltaik im Saarland zu tun hat, findet dort 1.050 bis 1.150 kWh/m². Der Abstand beträgt also rund zehn Prozent. Das ist messbar, aber kein Ausschlussgrund. Bei gleichbleibenden Umständen verlängert sich die Amortisationszeit der Dachanlage etwa ebenso.

    Spezifischer Ertrag: was ein Kilowatt Peak wirklich bringt

    Aussagekräftiger ist der spezifische Ertrag in kWh/kWp. Er sagt aus, wie viel Strom ein Kilowatt installierter Modulleistung im Jahr bringt.

    Gut geplante Dachanlagen in Schleswig-Holstein erreichen hier häufig 850 bis 950 kWh/kWp, im Saarland sind 950 bis 1.050 kWh/kWp realistisch. Eine 10-kWp-Anlage bringt im Norden also etwa 9.000 kWh/Jahr, im Südwesten etwa 10.000 kWh. Ein Vierpersonenhaushalt ohne Wärmepumpe kommt auf etwa 3.500 bis 4.500 kWh. Beide Anlagen produzieren also mehr als die Hälfte.

    Kühle Luft und lange Tage: Die Vorteile des Nordens

    Die Nennleistung des Moduls liegt bei 25 °C Zelltemperatur. Bei steigender Temperatur sinkt die Leistung, bei kristallinen Siliziummodulen um etwa 0,3 bis 0,4 Prozent pro Grad. An windstillen Hochsommertagen kann die Zelltemperatur auch über 60 °C steigen. Der stetige Wind an der Küste sorgt dafür, dass die Module besser gekühlt sind und dieser Effekt gedämpft wird.

    Hinzu kommt die Breitensituation. Am Tage der Sommersonnenwende ist der Tag in Kiel etwa eine Stunde länger als in Saarbrücken, und in den ertragsstarken Sommermonaten gleicht das einen Teil des Strahlungsnachteils wieder aus.

    Dach und Eigenverbrauch zählen mehr als die Region

    Innerhalb eines Bundeslandes schwanken die Erträge einzelner Dächer oft mehr als zwischen Nord und Süd. Ost-West-Dächer kommen etwa 80 bis 90 Prozent an Ertrag eines Süddaches, sorgen allerdings für eine gleichmäßigere Verteilung der Erzeugung über den Tag. Gauben, Schornsteine oder Bäume können ganze Modulstränge ausbremsen. Ein teilverschattetes Süddach in Saarbrücken liefert dann unter Umständen weniger Strom als ein unbenutztes in Husum.

    Die größte Stellschraube ist allerdings überall gleich. Die Einspeisevergütung für kleine Dachanlagen beträgt unter acht Cent je kWh, Haushaltsstrom kostet jedoch deutlich mehr als 30 Cent. Ohne Speicher werden in der Regel 25 bis 35 Prozent des Solarstroms selbst genutzt, mit Batteriespeicher sogar 50 bis 70 Prozent.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdiger Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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