04343 4 33 94 21 info@photovoltaik.sh
Beratung. Planung. Projektierung. Aufbau.

Potenzialinduzierte Degradation (PID) und Teilentladungsrisiken bei Mittelspannungs-PV-Modulen – Einfluss von Einkapselungsmaterialien und wirtschaftliche Vorteile von 3 000 V DC

In 1 Minute die Ersparnisse mit einer PV-Anlage berechnen (klicken)

    kWh
    Wir empfehlen: kWp Anlage sowie einen kWp Speicher.
    €/kWh
    Hinweis: Dies ist eine Beispielrechnung die bis 5000 kWh optimiert ist.
    Jetzt unverbindliches Angebot erhalten


    Mit dem Absenden erklären Sie sich mit der Datenverarbeitung einverstanden. Wir geben Ihre Daten nicht ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung an Dritte weiter. Wir verwenden Ihre Daten nicht zu Werbezwecken in Form von Newslettern oder sonstigen Werbeformaten.

    REGIONAL. PERSÖNLICH. TYPISCH NORDDEUTSCH.

    Sie erhalten einen Anruf von uns innerhalb von 48 Stunden. Getreu unser Markenpersönlichkeit behandeln wir Ihr Anliegen von der ersten Minute an mit den altbewährten norddeutschen kaufmännischen Tugenden.

    Aus der Region, für die Region. Daher arbeiten wir nur mit regionalen Partnern und exklusiv für unsere Kunden in Schleswig-Holstein.

    Ihre Daten in guten Händen:

    • keine Weitergabe an Dritte

    • sichere Datenübertragung

    • Datenlöschung nach Art. 17 DSGVO

    • Keine Newsletter oder Spam

    Der Trend zu Mittelspannungs-DC (3.000 – 6.000 V) in Groß-PV-Anlagen verspricht erhebliche Kosteneinsparungen, stellt jedoch die herkömmlichen Modulisolationen vor neue Herausforderungen. Aktuelle Forschungsergebnisse des französischen CEA-Liten zeigen, dass die Systemspannung von 1.500 V auf 3.000 V die ohmschen Leitungsverluste halbiert und den Bedarf an Kupfer- und Aluminiumkabeln um bis zu 47 % reduziert (Quelle S2, 2025). Gleichzeitig werden PID-Effekte stark verstärkt, insbesondere an der Rückseite bifazialer PERC-Zellen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse zu PID-Mechanismen, Materialauswahl und normativen Lücken zusammen.

    Wirtschaftlicher Hebel durch Mittelspannungs-DC in Großanlagen

    Eine Anhebung der Systemspannung von 1.500 V auf 3.000 V führt zu messbaren Einsparungen im Balance-of-System (BOS):

    • Reduktion der Leitungsverluste um 50 % (S2, 2025).
    • Einsparung von Kupfer- und Aluminiumleitern um 47 % (S2, 2025).

    Der Vorstoß in den Mittelspannungsbereich von 3.000 V bis 6.000 V DC ist für die Solarbranche hochgradig attraktiv: Analysen des französischen Forschungsinstituts CEA-Liten zeigen, dass eine Anhebung der Systemspannung von heute üblichen 1.500 V auf 3.000 V die ohmschen Leitungsverluste um rund 50 % halbiert und den Bedarf an teuren Kupfer- und Aluminiumkabeln in der Balance-of-System-Infrastruktur um bis zu 47 % senkt (CEA-Liten, 2025). Ähnliche Konzepte untersuchen Institute wie das Fraunhofer ISE für Megawatt-Ladeparks und lineare Solartrassen. Bislang klafft jedoch eine erhebliche Lücke in den internationalen Zertifizierungsstandards.

    PID-Mechanismen bei hohen Systemspannungen

    Die Studie von Bellini et al. (2026) demonstriert, dass steigende Spannungen die potenzialinduzierte Degradation (PID) deutlich verschärfen. Bei 6.000 V wurden maximale Leistungsverluste von 13,5 % an der Vorderseite und 19,5 % an der Rückseite gemessen. Der rückseitige Verlust stieg nach dunkler Lagerung auf bis zu 26 % und sank nach Beleuchtung wieder auf 9,8 %, was auf eine teilweise Erholung hinweist.

    Klassische PID vs. neu entdecktes PID-d

    Traditionelle PID beruht auf schrittweiser Ionenwanderung (z. B. Natrium) und Oberflächenpolarisation. Das neu identifizierte Phänomen PID-d (partial-discharge-induzierte electrical treeing) entsteht durch lokale Teilentladungen, die mikroskopische Hohlräume und Delaminationen erzeugen. Diese Mechanismen wurden ausschließlich in ionomer-gekapselten Modulen bei 3.000 V beobachtet.

    Einfluss der Einkapselungsmaterialien auf PID und Teilentladungen

    Vier gängige Encapsulant-Typen wurden bei 3.000 V bewertet: POE, TPO, EVA und Ionomer. Die Ergebnisse zeigen eine klare Korrelation zwischen elektrischer Leitfähigkeit des Materials und dem Ausmaß der Leistungsdegradation.

    • Polyolefin-Elastomer (POE): 4,6 % Leistungsverlust auf der Rückseite – bester Schutz (S1, 2026).
    • Thermoplastic Polyolefin (TPO): 23,6 % Rückseitenverlust – schlechtester Schutz.
    • Ethylene-Vinyl Acetate (EVA): 21,7 % Rückseitenverlust.
    • Ionomer: 13,0 % Rückseitenverlust, gleichzeitig Auftreten von PID-d.

    Die Leistungsabfälle steigen linear mit dem Logarithmus der Materialleitfähigkeit: pro Zehn-facher Erhöhung der Leitfähigkeit verliert die Vorderseite 1,8 % und die Rückseite 4,9 % der Leistung.

    Leitfähigkeits-Korrelation

    Die Messungen unter kontrollierten Feld-, Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen belegen, dass TPO-Leitfähigkeit bei steigender Spannung und Temperatur signifikant zunimmt – bis zu zwei Größenordnungen zwischen 20 °C und 80 °C.

    Materialresistenz alternativer Zelltechnologien

    Während PERC-Zellen bei hohen Spannungen massive Verluste durch Natrium-Ion-Drift und Polarisation zeigen, behalten modifizierte Heterojunction-Zellen (HJT) sowie angepasste Moduldesigns unter ±6.000 V PID-Verluste von unter 2 % (S2, 2025). Dies verdeutlicht, dass ein Technologiewechsel von PERC zu HJT/TOPCon die PID-Problematik signifikant mindern kann.

    Normungslücke bei Prüfstandards oberhalb von 1.500 V DC

    Aktuelle Zertifizierungs- und PID-Teststandards, z. B. IEC TS 62804-1, sowie Sicherheitsnormen wie IEC 61730 sind historisch auf maximal 1.500 V DC ausgelegt (S3, 2023). Für Teilentladungsprüfungen und elektrische Feldstärken bei 3.000 V bzw. 6.000 V fehlen harmonisierte Prüfprofile, sodass das neu identifizierte PID-d in bestehenden Qualitätskontrollen nicht abgebildet wird.

    Praxisrelevante FAQ

    • Warum treibt die Industrie PV-Systemspannungen auf über 1.500 V? Höhere Spannungen reduzieren bei gleicher Leistung die Stromstärken, wodurch ohmsche Übertragungsverluste um 50 % sinken und rund 47 % Kabelmaterial eingespart werden können.
    • Was unterscheidet das neu entdeckte ‚PID-d‘ von klassischer PID? Klassische PID basiert auf schrittweiser Ionenwanderung; PID-d entsteht durch lokale Teilentladungen und elektrische Baumbildung, die das Polymer mechanisch beschädigen.
    • Welche Folie bietet nach aktuellem Stand den besten Schutz bei Mittelspannung? Polyolefin-Elastomere (POE) zeigen mit lediglich 4,6 % Leistungsverlust den größten Schutz und zeigen keine Anzeichen von Teilentladungen.

    Fazit

    Der Wechsel zu Mittelspannungs-DC in Groß-PV-Anlagen ist wirtschaftlich stark motiviert: halbierte Leitungsverluste und fast die Hälfte an Kabelmaterial können eingespart werden. Gleichzeitig verstärken sich PID-Effekte, insbesondere an der Rückseite bifazialer PERC-Zellen, und ein neuartiger PID-d-Mechanismus entsteht in ionomer-basierten Encapsulanten. Die Auswahl eines niedrig-leitfähigen Encapsulants – idealerweise POE – reduziert Leistungsverluste deutlich und verhindert Teilentladungen. Darüber hinaus zeigen HJT-Zellen eine hervorragende Spannungs- und PID-Stabilität, was einen Technologiewechsel zugunsten höherer Systemspannungen attraktiv macht. Abschließend besteht ein klarer Handlungsbedarf, die bestehenden Normen (IEC 61730, IEC TS 62804-1) über 1.500 V DC hinaus zu erweitern, um die identifizierten Degradationsrisiken systematisch zu prüfen und die zuverlässige Integration von Mittelspannungs-PV-Systemen zu gewährleisten.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdiger Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
    Beratung
    Anrufen