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Vattenfall und Fluence setzen auf 4-Stunden-Großbatteriespeicher am ehemaligen AKW Brunsbüttel

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    Im Zuge des wachsenden Bedarfs an flexiblen Netzlösungen haben Vattenfall und der Speicheranbieter Fluence einen Liefervertrag für einen 254 MW-Stromspeicher mit einer Energiekapazität von über 1.000 MWh am ehemaligen Kernkraftwerksstandort Brunsbüttel unterzeichnet. Das Projekt soll bis Ende 2028 in Betrieb gehen und bildet damit einen zentralen Baustein von Vattenfalls Strategie, sein Batteriespeicher-Portfolio fast zu verdoppeln. Der Speicher wird auf der „Gridstack Pro 5000“-Plattform von Fluence realisiert und schlüsselfertig an das 380-kV-Höchstspannungsnetz von 50 Hertz angeschlossen.

    Standortkonversion und Netzinfrastruktur am AKW Brunsbüttel

    Das seit 2019 stillgelegte Kernkraftwerk Brunsbüttel bietet bereits vorhandene Höchstspannungs-Trassenkorridore und Netzkapazitäten, die eine rasche Anbindung an das Übertragungsnetz ermöglichen. Für das Vorhaben wird ein neues 380-kV-Umspannwerk direkt auf dem Areal gebaut, um die Batteriespeicheranlage an das Netz von 50 Hertz zu koppeln. Der offizielle Baubeginn ist für das Jahr 2027 geplant, die Inbetriebnahme erfolgt synchron mit der Netzanschluss-Freigabe Ende 2028.

    • Geplanter Baubeginn: 2027 (offizieller Baustart vor Ort)
    • Inbetriebnahme Speicher und Umspannwerk: Ende 2028 (synchrone Netzanbindung)
    • Netzanbindung: 380 kV-Netz von 50 Hertz

    Kapazitätserweiterung und Trend zu 4-Stunden-Speichern

    Ursprünglich war das Projekt für Ende 2025 mit einer Kapazität von 700 MWh und damit einer Entladedauer von etwa 2,75 Stunden konzipiert. Im Zuge der Planungsphase wurde die Auslegung auf mehr als 1.000 MWh erhöht, sodass eine Volllast-Entladung über rund vier Stunden möglich ist. Dieser Schritt spiegelt den Marktwandel von kurzen Regelleistungs-Batterien (1-2 Stunden) hin zu länger laufenden Multi-Hour-Speichern wider, die neben Regelleistung auch Arbitrage- und Netzentlastungsdienste ermöglichen.

    • Ursprünglich geplante Kapazität (2025): 700 MWh – ca. 2,75 Stunden Entladedauer
    • Final beschlossene Kapazität (2026): >1.000 MWh – ca. 4 Stunden Entladedauer

    Vattenfalls Batteriespeicher-Portfolio und Marktziel

    Julian Jansen, Vice President & Managing Director Fluence Germany, betont, dass Vattenfall mit dem Brunsbüttel-Projekt seine bestehenden Batteriespeicherkapazitäten fast verdoppeln wird. Das Unternehmen betreibt bereits ein operatives Portfolio von rund 270 MW (Stand 2026) und strebt an, Flexibilitäts-Kapazitäten Dritter bis zu 1.500 MW zu vermarkten.

    Die Verdopplung des Vattenfall-Portfolios lässt sich an konkreten Bestandsdaten ablesen: Vor der Investitionsentscheidung für Brunsbüttel betrieb das Unternehmen Batteriespeicher mit einer kumulierten Leistung von rund 270 Megawatt (Vattenfall 2026). Bemerkenswert ist zudem die technische Weiterentwicklung des Projekts: Wurde der Speicher Ende 2025 noch mit 700 Megawattstunden Kapazität kalkuliert, stockte Vattenfall auf mehr als 1.000 Megawattstunden auf. Damit wächst die rechnerische Entladedauer von knapp drei auf vier volle Stunden – ein Schritt, der dem allgemeinen Trend im Übertragungsnetz hin zu länger anhaltenden Flexibilitätsdienstleistungen folgt.

    • Bestehendes Batterieportfolio Vattenfalls (2026): 270 MW
    • Zielvolumen Flexibilitätsvermarktung Dritter (2026): 1.500 MW

    Risiken und Herausforderungen

    Der erfolgreiche Projektverlauf hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab:

    • Netzanschlussengpässe und behördliche Verzögerungen: Der Bau des 380-kV-Umspannwerks muss fristgerecht abgeschlossen werden, sonst gefährdet eine Verzögerung die geplante Inbetriebnahme Ende 2028.
    • Kannibalisierung der Arbitrage-Spreads: Der rasante Zubau von Multi-Megawatt- und Multi-Stunden-Batterien könnte die Preisunterschiede an Day-Ahead- und Intraday-Märkten verringern und damit die reine Markterlösfähigkeit einschränken.

    FAQ zum Großspeicherprojekt

    Warum wird der Großspeicher auf einem AKW-Gelände errichtet?
    Ehemalige Kernkraftwerksstandorte verfügen bereits über Anbindungen an das Höchstspannungsnetz, bestehende Umwidmungsflächen und eine etablierte Industrieinfrastruktur, was Genehmigungs- und Netzanbindungsprozesse erheblich vereinfacht.

    Was unterscheidet die ‚Gridstack Pro 5000‘-Technologie von früheren Batteriespeichern?
    Die Plattform ist für Großprojekte im Multi-Megawatt-Stunden-Bereich mit hoher Energiedichte konzipiert. Sie bündelt Batteriemodule, Leistungselektronik und ein softwaregestütztes Energiemanagementsystem für mehrstündige Volllastzyklen und diverse Netzdienstleistungen.

    Welche Erlösquellen nutzt ein solcher 4-Stunden-Speicher?
    Zusätzlich zur Regelleistung für die Frequenzhaltung generiert die Anlage Erlöse aus Großhandels-Arbitrage (Kauf bei niedrigen Preisen, Verkauf in Hochpreisphasen) und künftig verstärkt über Netzentlastungsmechanismen wie Redispatch.

    Marktzahlen und Ausblick

    • Batteriespeicher-Zubau in Deutschland (2025): 6,6 GWh
    • Bestehendes operative Batterieportfolio Vattenfalls (2026): 270 MW
    • Prognostizierte Großbatterieleistung in Deutschland (NEP-Szenario, 2040): >80 GW
    • Zubau im Segment der Großbatteriespeicher (2026): >1 GWh
    • Wachstum Großspeicher-Zubau Q1 2026 vs. Q1 2025: 290 %

    Fazit

    Der geplante 254-MW-Batteriespeicher mit über 1.000 MWh am ehemaligen AKW-Standort Brunsbüttel ist ein Paradebeispiel für die Nutzung stillgelegter Kernkraftwerksflächen zur Netzintegration von Großspeichern. Durch die Nutzung der Gridstack Pro 5000-Plattform, den Ausbau der Netzinfrastruktur und die strategische Kapazitätserweiterung auf vier-Stunden-Entladung setzt das Projekt neue Maßstäbe im deutschen Energiemarkt. Gleichzeitig verdeutlichen die identifizierten Risiken – Netzanschluss-Engpässe und mögliche Preisdrucke – die Notwendigkeit konsequenter Planung und Marktanpassung. Insgesamt trägt das Vorhaben maßgeblich zur Stabilisierung des deutschen Übertragungsnetzes bei steigender Wind- und Solar-Einspeisung bei und positioniert Vattenfall als entscheidenden Akteur im zukünftigen Flexibilitäts- und Speicher-Ökosystem.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdiger Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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