Am 19. Oktober 2026 startete der offizielle Spatenstich für den bislang größten netzdienlich betriebenen Batteriespeicher Deutschlands. In Winterschneidbach, nahe Ansbach, soll ein 20 MW-Stromspeicher mit einer Kapazität von 100 MWh errichtet werden – ein Projekt, das nach § 11a EnWG vom Verteilnetzbetreiber N-Ergie gesteuert wird. Der Bau markiert ein deutliches Signal für die künftige Ausgestaltung der deutschen Stromversorgung, indem er zeigt, wie lokal Netzengpässe reduziert und die Integration erneuerbarer Energien gefördert werden können, ohne dass Preisdruck durch marktgetriebene Speichereinspeisungen entsteht.
Projektübersicht und technische Daten
Der Winterschneidbach-Speicher wird als 5-Stunden-Speicher konzipiert. Die wichtigsten Kennzahlen lauten:
- Leistung: 20 MW
- Speicherkapazität: 100 MWh
- Auslegung: 5 Stunden Laufzeit
- C-Rate: 0,2 C/h (geeignet für langfristiges Puffern)
Maxsolar hat den Zuschlag für den Bau erhalten, nachdem das Unternehmen in einer Ausschreibung gegen mehr als 20 Wettbewerber antreten musste. Der durchschnittliche Ausschreibungspreis lag bei 12 Euro-Cent pro kWh (BNetzA, 2025).
Bedeutung für die Integration erneuerbarer Energien
Die stetig wachsende Dezentralkraft von Photovoltaik-Anlagen erzeugt lokale Engpässe im Verteilnetz. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 747 TW/Jahr an erneuerbarer Leistung neu installiert (AGEB). Der Anteil von Solarstrom im Verteilnetz soll bis 2025 auf 37,1 % steigen (Fraunhofer ISE). Der Winterschneidbach-Speicher kann überschüssigen Solarstrom gezielt puffern und zeitverzögert wieder einspeisen – ein Mechanismus, der die Netzstabilität erhöht und gleichzeitig die Kosten für den Endverbraucher senkt.
Durch die Multi-Use-Möglichkeit, nicht genutzte Speicherkapazität am Spot-Markt zu vermarkten, wird zusätzlich ein wirtschaftlicher Anreiz geschaffen, sodass Flexibilitätsdienste optimal ausgelastet werden können.
Regulatorischer Rahmen nach § 11a EnWG
§ 11a EnWG regelt die wettbewerbliche Beschaffung von Flexibilitätsdienstleistungen durch Verteilnetzbetreiber. Damit soll verhindert werden, dass ein Betreiber durch eigenen Besitz von Speichern Wettbewerbsvorteile erlangt. Seit 2025 wurden bereits 85 Speicherprojekte nach diesem Verfahren vergeben (Bundesnetzagentur, Szenarienbericht 2025). Das Winterschneidbach-Projekt ist ein exemplarisches Beispiel für die Umsetzung dieses Rechtsrahmens im deutschen Verteilnetz.
Wettbewerbsumfang und Marktattraktivität
Die Ausschreibung für Winterschneidbach zog über 20 Bieter an – ein klares Zeichen für die Attraktivität netzdienlicher Speicherprojekte. Maxsolar setzte sich dank einer marktreifen Lösung und einem wettbewerbsfähigen Preis durch. Das durchschnittliche Entgelt von 12 Cent/kWh, das von der Bundesnetzagentur für § 11a-Projekte angegeben wird, unterstreicht die ökonomische Machbarkeit solcher Anlagen.
Wirtschaftliche Aspekte und Multi-Use-Möglichkeiten
Der Speicher wird nicht nur die lokale Netzstabilität verbessern, sondern auch als Flexibilitätsmarktakteur agieren. Nicht genutzte Kapazität kann am Spot-Markt eingesetzt werden, was zusätzliche Einnahmen generiert. Dies stärkt die Wirtschaftlichkeit, insbesondere vor dem Hintergrund eines prognostizierten Gesamtspeicherbedarfs von 41,1 bis 94,1 GW bis 2037 (Bundesnetzagentur, 2025).
Risiken und Gegenmaßnahmen
- Umlagefinanzierte Kosten für Netzentgelte: Die Entgelte für Speicherleistungen fließen in die Netzkosten ein und werden über die Stromrechnungen der Verbraucher getragen. Dies kann Widerstand hervorrufen.
- Langfristige Wartungs- und Betriebskosten: Große Anlagen erfordern erhöhte Wartungsaufwendungen, besonders in anspruchsvollen Betriebsumgebungen.
Durch transparente Vergabeprozesse und die Festlegung von Entgelten nach § 11a EnWG sollen diese Risiken kalkulierbar gemacht werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist § 11a EnWG und warum ist es wichtig?§ 11a EnWG ermöglicht es Verteilnetzbetreibern, Flexibilitäten wie Batteriespeicher drittens auszuschreiben, ohne Wettbewerbsverzerrungen zu erzeugen. Es ist damit das Schlüsselstück für netzdienliche Speicher.Warum konkurrierten so viele Unternehmen bei Winterschneidbach?Das Vorhaben ist marktseitig attraktiv und demonstriert einen neuen Modellcharakter. Zudem war der Ausschreibungsrahmen klar und attraktiv gestaltet.
Fazit
Der Bau des 20 MW/100 MWh Batteriespeichers in Winterschneidbach setzt ein wichtiges Signal für die Zukunft der deutschen Stromversorgung. Er zeigt, dass netzdienliche Speicher nicht nur technische, sondern auch ökonomische Lösungen für die Integration erneuerbarer Energien bieten. Durch den klaren regulatorischen Rahmen nach § 11a EnWG, die starke Marktakzeptanz und die Möglichkeit, ungenutzte Kapazitäten am Spot-Markt zu nutzen, stellt das Projekt einen entscheidenden Meilenstein dar. Gleichzeitig verdeutlichen die angesprochenen Risiken – insbesondere die Umlagefinanzierung und langfristige Wartungskosten – die Notwendigkeit einer stetigen Weiterentwicklung von Vergabeverfahren und Kostenmodellen. Insgesamt stärkt der Winterschneidbach-Speicher den Weg zu einer flexiblen, sicheren und nachhaltigeren Energiezukunft in Deutschland.

