Am sächsischen Kraftwerksstandort Boxberg wurde im August 2026 mit einem feierlichen Spatenstich der Bau der „GigaBattery Boxberg 400“ gestartet. Das Projekt ist Teil der LEAG-Transformationsstrategie und markiert den Übergang von einer ehemaligen Braunkohleanlage zu einem vierstündigen Multi-Hour-Großspeicher, der für die Netzstabilität im 50-Hertz-Übertragungsnetz entscheidend ist.
Technische Daten der GigaBattery Boxberg 400
- Leistung: 400 MW (Quelle S1)
- Speicherkapazität: 1.600 MWh (Quelle S1)
- Speicherdauer (C-Rate-Äquivalent): 4 Stunden (2026)
- Netzanschluss: 380 kV GIS-Schaltanlage von Siemens Energy (Quelle S2)
- Flächenbedarf: 6 Hektar, konvertierte Fläche des ehemaligen Werks II (2026)
Versorgungskapazität und Haushaltsäquivalent
Mit einer nutzbaren Energiemenge von 1.600 MWh kann die Anlage bei Volllast über vier Stunden hinweg rund 640.000 Durchschnittshaushalte versorgen. Diese Rechnung entspricht dem Strombedarf der gesamten Metropolregion Dresden für denselben Zeitraum und macht die abstrakten Gigawattstunden-Zahlen für die Öffentlichkeit greifbar.
Beteiligte Partner und eingesetzte Technologie
- LEAG Clean Power – Hauptauftragnehmer und Initiator des Projekts
- Hyperstrong International (Germany) – Lieferant des modularen HyperBlock-III-Systems mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) und Verantwortlicher für Systemintegration
- Siemens Energy – Bau der gasisolierten 380-kV-GIS-Schaltanlage und Anbindung an das 50-Hertz-Netz
Zwillingsprojekt Jänschwalde – Gesamtkonzept der GigawattFactory
Boxberg 400 ist Teil einer Doppel-Großspeicherinitiative. Parallel entsteht am brandenburgischen Standort Jänschwalde die „GigaBattery Jänschwalde 1000“ mit folgenden Kennzahlen:
- Leistung: 1.000 MW (geplant für 2025, Partner Fluence Energy)
- Speicherkapazität: 4.000 MWh (2025)
Zusammen ergeben beide Anlagen eine kombinierte Leistung von 1,4 GW und ein Gesamtspeichervolumen von 5,6 GWh, wodurch das Lausitzer Revier zu einem der größten Flexibilitäts-Hotspots in Mitteleuropa wird.
Historischer Standort und EU-Fördermittel
- Die 6-Hektar-große Konversionsfläche entstand durch die kontrollierte Sprengung dreier Kühltürme des stillgelegten Altkraftwerks Boxberg (Werk II).
- Das Projekt wird teilweise durch den Just Transition Fund (JTF) der Europäischen Union gefördert, was die europäische Unterstützung des industriellen Strukturwandels unterstreicht.
Risiken und Marktbedingungen
- Kannibalisierungseffekte und Margendruck: Der massive Zubau von Multi-Megawatt- und Gigawatt-Stunden-Speichern kann die Erlöse im Primär- (FCR) und Sekundär- (aFRR) Regelenergiemarkt senken und Geschäftsmodelle zu Multi-Use- und Arbitrage-Strategien zwingen.
- Lieferketten- und Sicherheitsabhängigkeiten: Trotz deutscher Systemintegration stammen die Kernkomponenten und die LFP-Zellchemie von chinesischen Fertigern (Beijing Hyperstrong), was geopolitische Lieferketten- und Standardisierungsfragen aufwirft.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche konkrete Haushaltsmenge kann der Speicher in Boxberg versorgen?
Mit einer Nutzkapazität von 1.600 MWh kann die Anlage bei Volllast vier Stunden lang rund 640.000 Haushalte versorgen, was rechnerisch dem Bedarf des Großraums Dresden entspricht.
Welche Zellchemie kommt in der GigaBattery Boxberg 400 zum Einsatz?
Zum Einsatz kommen Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP), verbaut im modularen Großsystem HyperBlock III von Hyperstrong, die sich durch hohe Zyklenfestigkeit und thermische Stabilität auszeichnen.
Welche Rolle spielt das Projekt für die Lausitzer Kohleregion?
Das Vorhaben nutzt Flächen rückgebauter Kohleinfrastruktur (ehemals Werk II) und wird im Rahmen des Strukturwandels unter anderem durch Mittel aus dem Just Transition Fund (JTF) der Europäischen Union unterstützt.
Einordnung in die Lausitzer Transformationsstrategie
Die GigaBattery Boxberg 400 ist ein zentrales Element der von LEAG entwickelten „GigawattFactory“. Durch die Kombination von neuen Großphotovoltaik- und Windkraftanlagen sowie den beiden Großbatterien Boxberg und Jänschwalde wird das Lausitzer Revier von einer historisch braunkohlebasierten Energieproduktion zu einem flexiblen, erneuerbaren Energiestandort transformiert. Die Nutzung der ehemaligen Kraftwerksfläche, die EU-Förderung und die Einbindung internationaler Technologiepartner verdeutlichen den ganzheitlichen Ansatz des Strukturwandels.
Fazit
Der Spatenstich für die GigaBattery Boxberg 400 symbolisiert den industriellen Strukturwandel in Ostdeutschland. Mit 400 MW Leistung, 1.600 MWh Speicherkapazität und einer Versorgung von rund 640.000 Haushalten über vier Stunden liefert das Projekt einen entscheidenden Beitrag zur Netzstabilität im 50-Hertz-Netz. Gleichzeitig positioniert das Zwillingsprojekt Jänschwalde das Lausitzer Revier als einen der größten Flexibilitäts-Hotspots Europas. Trotz bestehender Risiken in den Regelenergiemärkten und Lieferkettenabhängigkeiten demonstriert das Vorhaben, wie ehemalige Kohleflächen erfolgreich in moderne Energiespeicher transformiert werden können – unterstützt durch europäische Fördermittel und ein starkes Partnernetzwerk.

