Nach rund vier Jahren intensiver Planung, Genehmigung, Finanzierung und Bau steht das Hybridkraftwerk Löwenberger Land in Brandenburg kurz vor der feierlichen Inbetriebnahme. Das Projekt kombiniert eine 69 MW-Photovoltaikanlage mit einem 76,5 MWh-Batteriespeicher und illustriert damit sowohl die Chancen als auch die aktuellen Hürden der deutschen Energiewende. Während die technische Umsetzung weitgehend abgeschlossen ist, sorgt ein Streit um die netzseitige Bezugsleistung für Diskussionen über Netzentlastung, Finanzierungsmodelle und die langfristige Wirtschaftlichkeit von Großspeichern.
Technische Details und Inbetriebnahme des Hybridkraftwerks
Der Betreiber Solarpark Löwenberger Land Betriebs-GmbH & Co. KG hat folgende Komponenten realisiert:
- Photovoltaik-Leistung: 69 MW, verteilt auf zwei Teilflächen
- Batteriespeicher: 76,5 MWh Gesamtkapazität
- 17 Batteriecontainer à 4,5 MWh (insgesamt 76,5 MWh)
- Standort der Speicher: 14 Container im Solarpark, 3 Container am Umspannwerk Bergsdorf-West
- Fläche: rund 54 ha südlich von Löwenberg
- Generalunternehmer: MHB Energie GmbH (Dessau-Roßlau)
- Aufbau-Partner: MHB Montage GmbH (Merkendorf)
- Module: Phono Solar
- Wechselrichter & Speicher-Technologie: Huawei
- Unterkonstruktionen: Zimmermann PV-Steel Group
- Gesellschafter: 96 % Solarpark Verwaltung I GmbH, 4 % Familie Pfitzmann-Freese
Die technische Freigabe zur Einspeisung erfolgte bereits Mitte August 2026, und die offizielle Eröffnungsfeier ist für den 25. September 2026 geplant.
Konflikt um die netzseitige Bezugsleistung
Ursprünglich sah der Anschlussvertrag mit dem Netzbetreiber Eon Edis eine Bezugsleistung von 6,8 MW für den Batteriespeicher vor: 800 kW für den Eigenbedarf der Erzeugungsanlage und 6 MW für die Vermarktung des Speichers als Graustrom-Kapazität. Kurz vor Inbetriebnahme zog Eon Edis diese Zusage zurück, sodass der Speicher zunächst ausschließlich als Grünstromspeicher betrieben werden muss.
Eine Begründung des Netzbetreibers nennt der Bericht nicht. Im ländlichen Brandenburg beanspruchen hohe PV-Einspeisungen die lokalen Verteilnetze allerdings stark, was auch zu häufigen Redispatch-Eingriffen führt.
Die finanzielle Verpflichtung von Netzbetreibern, Redispatch-Kosten zu tragen, verdeutlicht den wirtschaftlichen Druck, der hinter Entscheidungen zur Bezugsleistungsreduktion steckt.
Finanzierung über das IAB-Modell – ein Investitionsmagnet?
Ein zentrales Element der Projektfinanzierung ist der Teilverkauf von 33,6 MW PV-Leistung über das Investitionsabzugsbetrag-Modell (IAB, § 7g EStG). Das IAB-Modell ermöglicht Investoren, Anteile an Erzeugungsanlagen bereits vor Inbetriebnahme steuermindernd geltend zu machen.
- Verkaufte Leistung am Standort Löwenberger Land: 33,6 MW (vollständig über IAB-Modell abgewickelt)
- Geplanter weiterer IAB-Verkauf: etwa die Hälfte der verbleibenden 35,4 MW
Die Vertriebspartner Finanzkonzepte Deutschland (FKD) und die Von Feder Gruppe fungierten als Vermittler.
Rolle der Vertriebspartner im IAB-Modell
FKD und die Von Feder Gruppe haben sich auf die Vermarktung von Anteilen an großen Solarparks spezialisiert. Durch die Aufteilung der Investitionssummen in kleinere Anteile können auch private Anleger ohne die finanziellen Ressourcen für ein komplettes Großprojekt investieren. Die Partner vermarkten die Anteile über spezialisierte Vermittlerebenen und stellen sicher, dass die steuerlichen Vorteile des IAB-Modells korrekt genutzt werden.
Wirtschaftliche Perspektiven ohne PPA – Markt- und Speichererlöse
Da für das Hybridkraftwerk kein Power-Purchase-Agreement (PPA) oder Feed-in-Power-Agreement (FPA) vorliegt, erfolgt die Refinanzierung ausschließlich über Erlöse aus dem Strom- und Speicher-Markt. Die Optimierung und Vermarktung der Erträge wird von Suena Energy übernommen. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Grünstrom und aus den Speicher-Dienstleistungen bilden die Basis für die Rückzahlung der Investitionen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ein Privatanleger direkt Anteile am Projekt Löwenberger Land erwerben?
Ja, über Beteiligungen, die im IAB-Modell angeboten werden. Den Investitionsabzugsbetrag können Anleger allerdings nur im Rahmen einer gewerblichen Beteiligung nutzen; eine steuerliche Beratung ist vorab sinnvoll. Der Vertriebspartner Finanzkonzepte Deutschland (FKD) und die Von Feder Gruppe vermarkten Anteile an institutionelle und private Anleger. Die Teilnahme ist jedoch meist auf genehmigte Projekte beschränkt.
Wie kann man heute noch Anteile an bestehenden IAB-Projekten erwerben?
Interessierte sollten bei Vertriebshaus FKD oder anderen IAB-Vermarktungspartnern nach offenen Projekten fragen.
Was macht einen Solarkraftwerksteil besonders attraktiv für Investoren?
Der Investitionsabzugsbetrag (§ 7g EStG) erlaubt betrieblichen Investoren, bis zu 50 % der geplanten Anschaffungskosten schon vor der Investition gewinnmindernd abzuziehen. Das ist keine Steuergutschrift, sondern eine zeitliche Verschiebung der Steuerlast. Das reduziert die Effektivkosten pro MW und verbessert die Liquidität von Investoren, die nicht direkt PPA oder Direktvermarktung nutzen.
Fazit
Die Inbetriebnahme des Hybridkraftwerks Löwenberger Land zeigt eindrucksvoll, wie technische Innovation, komplexe Netzbedingungen und neue Finanzierungsmodelle zusammenwirken. Während die Anlage mit 69 MW PV-Leistung und einem 76,5 MWh-Speicher einen bedeutenden Beitrag zur erneuerbaren Energieerzeugung leistet, verdeutlicht der Streit um die netzseitige Bezugsleistung die anhaltenden Engpässe im deutschen Verteilnetz. Das IAB-Modell hat sich als wirksames Instrument erwiesen, um Investoren frühzeitig zu binden und die Finanzierungsbasis zu stärken – trotz zunehmender Kritik im Kontext neuer EEG-Modifikationen. Ohne ein PPA muss das Projekt künftig auf Markt- und Speichererlöse setzen, wobei Suena Energy die Optimierung übernimmt. Insgesamt illustriert das Projekt das zentrale Dilemma der Energiewende: Der technische Ausbau von Hybrid- und Co-Location-Großspeichern ist möglich, doch Netzengpässe und regulatorische Unsicherheiten können deren ertragreichen Multi-Market-Einsatz einschränken.

