Dänemark hat ein dreijähriges Pilotprojekt im Roskilde-Fjord genehmigt, um drei unterschiedliche schwimmende Photovoltaik-Technologien unter realen Meeresbedingungen zu testen. Ziel ist es, die technische Leistungsfähigkeit, ökologische Auswirkungen und Wirtschaftlichkeit von FPV-Systemen zu prüfen und damit Grundlagen für eine zukünftige Integration von Solarenergie in Offshore-Windparks zu schaffen.
Drei getestete schwimmende Photovoltaik-Technologien
Die Testanlage besteht aus drei Systemen, die von Heliorec (Frankreich), Sinn Power (Deutschland) und Sunlit Sea (Norwegen) bereitgestellt werden. Alle Anlagen werden nebeneinander im Roskilde-Fjord installiert und besitzen gemeinsam eine Gesamtleistung von etwa 115 kW, verteilt auf rund 920 m² Meeresfläche.
Sinn Power – deutsche Lösung
- Leistung: 40 kW
- Fläche: 280 m²
- Spezifische Leistung: 142,9 W/m²
- Verankerung: Beton- oder Zementfundamente, Stahl- und Polyester-Seile
Heliorec – französisches Konzept
- Leistung: 40 kW
- Fläche: 410 m²
- Spezifische Leistung: 97,6 W/m²
- Verankerung: Beton- oder Zementfundamente, Stahl- und Polyester-Seile
Sunlit Sea – norwegische Technologie
- Leistung: 35 kW
- Fläche: 230 m²
- Spezifische Leistung: 152,2 W/m² (höchste Dichte)
- Verankerung: Beton- oder Zementfundamente, Stahl- und Polyester-Seile
Flächeneffizienz und Leistungsdichte im Vergleich
Die drei Systeme unterscheiden sich deutlich in ihrer Flächeneffizienz. Während Sinn Power mit 142,9 W/m² bereits eine hohe Leistungsdichte erreicht, liegt Heliorec mit 97,6 W/m² deutlich darunter. Sunlit Sea erzielt mit 152,2 W/m² die höchste Dichte, was zeigt, dass unterschiedliche Konstruktionsansätze zu variierenden Flächennutzungen führen.
- Sinn Power: 142,9 W/m² (40 kW / 280 m²)
- Heliorec: 97,6 W/m² (40 kW / 410 m²)
- Sunlit Sea: 152,2 W/m² (35 kW / 230 m²)
Budget, Finanzierung und Zeitrahmen
Das Projekt wird hauptsächlich von der dänischen Forschungsstiftung COWIfonden finanziert und von der Technischen Universität Dänemark (DTU) unterstützt. Das Gesamtbudget beträgt 8 Millionen dänische Kronen, was etwa 1,07 Millionen Euro entspricht. Die Genehmigung sieht eine maximale Testphase von 18 Monaten im Wasser vor; danach folgt eine Auswertungs- und Rückbauphase.
- Gesamtbudget: 8,0 Mio. DKK (ca. 1,07 Mio. €)
- Testdauer im Wasser: 18 Monate
- Projektlaufzeit insgesamt: bis zu 3 Jahre
Strategische Rolle in Dänemarks erneuerbarer-Energie-Strategie
Der Roskilde-Fjord dient als Pilotfeld für die zukünftige Co-Location von schwimmender Photovoltaik mit Offshore-Windparks. In windstillen Phasen kann FPV zusätzliche Erträge liefern und bestehende Netzanbindungsstationen nutzen, wodurch die Gesamtkosten für Erzeugung und Netzinfrastruktur gesenkt werden. Das dänische Gesetz von 2024 erlaubt Genehmigungen für Erprobungsanlagen bis zu 3 MW innerhalb von 15 km Küstenabstand, was den rechtlichen Rahmen für solche Tests schafft.
- Maximale Testleistung pro Projekt in Meeresnähe: 3 MW (nach EE-G-Novellierung 2024)
- Ziel: Integration von FPV in bestehende Offshore-Windparks zur Optimierung der Netzauslastung
- Erwarteter Nutzen: Kostenreduktion, höhere Auslastung, Nutzung vorhandener Infrastruktur
Herausforderungen im maritimen Umfeld
Die Testphase soll klären, wie die kühle Meeresumgebung die Modulleistung beeinflusst und welche Auswirkungen Salzwasser-Korrosion sowie Materialdegradation haben. Zwei zentrale Risikofaktoren wurden identifiziert:
- Langfristige Belastung durch Salzwasser und Meeresumwelt: Wellenschläge, Gezeiten und die salzhaltige Umgebung erhöhen mechanischen Verschleiß an Verankerungen und Verkabelungen, beschleunigen Korrosion und können die Haltbarkeit der Module einschränken.
- Biofouling: Algen- und Mikroorganismenwachstum auf den Schwimmkörpern kann die Flächenbelastung erhöhen, die Modulfläche verdecken und damit Erträge mindern sowie Reinigungsaufwand steigern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Wofür wird das Projekt finanziert, und wer trägt die Kosten? Das Projekt wird hauptsächlich von der dänischen Forschungsstiftung COWIfonden finanziert und durch Mittel der Technischen Universität Dänemark unterstützt. Das Budget liegt bei rund 8 Millionen DKK (ca. 1,07 Mio. €).
- Wie lange bleiben die Photovoltaikanlagen im Wasser? Von der maximal drei Jahre dauernden Genehmigung sind 18 Monate für den kontinuierlichen Betrieb im Wasser vorgesehen. Anschließend folgt eine Auswertungsphase und der Rückbau.
- Warum testet Dänemark schwimmende Photovoltaik nicht lieber im Binnenbereich? Das langfristige Ziel ist die Integration von FPV in Offshore-Windparks. So kann Solarenergie in windstillen Phasen zusätzliche Energie liefern und bestehende Netzdienste nutzen.
Fazit
Das dänische Pilotprojekt im Roskilde-Fjord liefert wertvolle Daten zu drei unterschiedlichen schwimmenden Photovoltaik-Technologien. Durch den direkten Vergleich von Leistungsdichte, Flächeneffizienz und Materialverhalten unter realen Meeresbedingungen entstehen fundierte Erkenntnisse, die für die zukünftige Co-Location von Solar- und Windenergie entscheidend sein können. Gleichzeitig verdeutlichen die finanziellen Rahmenbedingungen, die 18-monatige Testdauer und die identifizierten Umwelt- und Korrosionsrisiken, welche Herausforderungen bei einer breiteren Umsetzung noch zu bewältigen sind. Die Ergebnisse werden nicht nur die technische Weiterentwicklung von FPV-Systemen beeinflussen, sondern auch Dänemarks strategische Positionierung im europäischen erneuerbaren Energiemarkt stärken.

