Der Signal Iduna Park, Heimat des Bundesligisten Borussia Dortmund, wird durch ein wegweisendes Projekt von ABB zum Vorzeigeobjekt für intelligentes Energiemanagement. Eine fünf Megawatt-starke Photovoltaikanlage auf dem Stadiondach liefert in Kombination mit einem geplanten 3,75 MWh-Batteriespeicher die Basis für eine nachhaltige Stromversorgung, Lastspitzenkappung und Skalierbarkeit auf weitere BVB-Immobilien.
Die Installation einer 5-MW-Photovoltaikanlage auf dem Dach des BVB-Stadions, die geplante Errichtung eines 3,75-MWh-Batteriespeichers zur Bewältigung sprunghafter Lastanstiege an Spieltagen und der Einsatz eines nach ISO 50001 zertifizierten Energiemanagementsystems von ABB zur Integration von KNX, HLK und Ladeinfrastruktur bilden das Kernstück des Vorhabens. Die Kombination aus Rekord-Dach-PV, Großspeicher und intelligenter Gebäudeautomation dient als Blaupause für die Dekarbonisierung und Lastspitzenkappung gewachsener Gewerbe- und Industrie-Bestandsbauten.
An Spieltagen könne der Energiebedarf dabei sprunghaft von fast null auf mehrere Megawatt springen, wie eine der Herausforderungen skizziert wurde.
Die auf dem Dach des Signal Iduna Parks installierte Photovoltaikanlage mit 5,009 kWp Leistung und 11.132 bifazialen Glas-Glas-Modulen gilt nach Zertifizierung des Rekord-Instituts für Deutschland als weltweit leistungsstärkste Dachanlage auf einem Fußballstadion (RWE, 2025). Sie liefert jährlich über 4.000 MWh Solarstrom – genug, um rund die Hälfte des Strombedarfs des Stadions zu decken und knapp 1.700 Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr zu vermeiden (Solarserver, 2026). Dennoch entsteht der Ertrag hauptsächlich tagsüber, während die Lastspitzen meist in Abendstunden mit mehr als 80.000 Zuschauern auftreten.
Der zusätzliche geplante 3,75-MWh-Batteriespeicher wird daher als entscheidend für das Lastmanagement angesiedelt. Er dient nicht nur zum Peak-Shaving, sondern auch zur Speicherung von Solarstrom für den Abendbetrieb, der durch Rasenheizung und Beleuchtung massiv ansteigt. Mit ABBs ISO 50001-konformem Energiemanagementsystem werden die KNX-Gebäudeleittechnik, HLK-Systeme und künftig auch Ladestationen in eine skalierbare Architektur eingebunden, die auf alle BVB-Liegenschaften übertragen wird (Photon, 2026).
Technische Details und Weltrekord-Status der 5-MWp-PV-Anlage
Die PV-Anlage wurde gemeinsam mit dem Energiepartner RWE realisiert. Sie besteht aus 11.132 bifazialen n-Typ-Modulen von JA Solar, die als Glas-Glas-Variante auf dem Stadiondach montiert sind. Das Rekord-Institut für Deutschland (RID) hat die Installation offiziell als weltweit leistungsstärkste PV-Anlage auf einem Stadiondach zertifiziert.
- Modulanzahl: 11.132 Stück (bifazial, n-Typ, JA Solar, 2025)
- PV-Nennleistung: 5.009 kWp (2025, Quelle S2)
- Jahresstromertrag: > 4.000 MWh/Jahr (2026, Quelle S2)
- CO₂-Minderung: ca. 1.700 t/Jahr (2025, Quelle S2)
- Elektrischer Deckungsgrad (Solar): bis zu 50 % des Stadion-Strombedarfs (2025, Quelle S2)
Auskappung extremer Lastspitzen (Peak Shaving) und Sektorenkopplung
Spieltage mit über 81.000 Zuschauern erzeugen enorme Lastspitzen durch Flutlicht, Gastronomie, TV-Übertragungstechnik und Rasenheizung. Der 3,75-MWh-Speicher glättet diese Spitzen, reduziert Netzentgelte und ermöglicht die Speicherung von Solarstrom für den Abend- und Flutlichtbetrieb.
- Stadionkapazität: 81.365 Plätze (2026)
- Solarstrom-Deckungsgrad: bis zu 50 % des Gesamtbedarfs
- Speicherkapazität: 3,75 MWh (2026, Quelle S1)
Wirtschaftlicher Nutzen
Durch das Peak-Shaving können Netzentgelte gesenkt und die Eigenverbrauchsquote des Solarstroms erhöht werden. Der Speicher dient zudem als Puffer für kurzfristige Schwankungen, insbesondere wenn die Stromnachfrage abends die Tagesproduktion übersteigt.
Standortübergreifende Skalierung über das Stadion hinaus
Die von ABB entwickelte Architektur wird auf weitere BVB-Einrichtungen ausgedehnt, darunter das Trainingszentrum in Dortmund-Brackel und die „BVB FanWelt“ in Dortmund-Westfalen. Zusätzlich ist die Integration zukünftiger Ladeinfrastruktur vorgesehen.
- Zertifizierungsstandard: ISO 50001 (2026) – international anerkannt und schafft einen Rahmen für Nachhaltigkeitsoptimierung
- Skalierbare offene Architektur: Integration von KNX, HLK, Gebäudeleittechnik und Ladestationen
- Übertragbarkeit: Konzept lässt sich auf Bestandsimmobilien in Industrie, Gewerbe und öffentlicher Infrastruktur anwenden
Risiken und Gegenmaßnahmen
Obwohl das System zahlreiche Vorteile bietet, gibt es zwei zentrale Risiken, die im Projekt berücksichtigt werden:
- Zeitlicher und saisonaler Mismatch: Die PV-Erzeugung ist im Sommer und bei Tageslicht maximiert, während der höchste Strombedarf vor allem im Winter am Abend entsteht. Der 3,75 MWh-Speicher kann nur kurzfristig ausgleichen. Die Kombination aus Speicher und intelligenter Laststeuerung soll diese Lücke reduzieren.
- Komplexität bei der Modernisierung historischer Gebäudeteile: Der Stadionkomplex aus dem Jahr 1974 erfordert besondere technische Anpassungen an alten Stromleitungen und Brandschutzvorgaben. ABBs ISO 50001-System unterstützt die strukturierte Planung und schrittweise Integration, um diese Herausforderungen zu bewältigen.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wer hat die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Signal Iduna Parks gebaut?Die Anlage entstand in Kooperation zwischen Borussia Dortmund und RWE mit Solarmodulen von JA Solar. Sie umfasst insgesamt 11.132 bifaziale Module (RWE, 2025).Welche Funktion erfüllt das Energiemanagementsystem von ABB?Das System von ABB steuert Stromerzeugung, Speicher und Gebäudeleittechnik, um Lastspitzen an Spieltagen zu glätten und den Solarbedarf proaktiv einzusetzen (ABB, 2026).Wie viel Strom produziert die Solaranlage?Die 5-Megawatt-Anlage erzeugt jährlich über 4.000 Megawattstunden Strom und deckt bis zu 50 % des Strombedarfs des Stadions (Solarserver, 2026).
Fazit
Das ABB-Projekt im Signal Iduna Park verbindet eine weltweit rekordverdächtige 5-MW-Photovoltaikanlage mit einem 3,75-MWh-Batteriespeicher und einem ISO 50001-konformen Energiemanagementsystem. Durch die intelligente Steuerung von Erzeugung, Speicherung und Gebäudeautomation wird nicht nur die Energieeffizienz des Stadions gesteigert, sondern auch ein Modell für die Dekarbonisierung von Bestandsgebäuden geschaffen. Die nachweislichen CO₂-Einsparungen von rund 1.700 Tonnen pro Jahr, die Möglichkeit, bis zu 50 % des Strombedarfs aus Solarenergie zu decken, und die geplante Skalierung auf weitere BVB-Standorte unterstreichen das Potenzial dieses Vorhabens als Blaupause für die Zukunft der Energieversorgung in Großstadien und Industrieanlagen.

