Die 2026 vorbereitete EEG-Novelle (EEG 2027, Inkrafttreten geplant zum 1. Januar 2027) stellt die Wirtschaftlichkeit von Dach-Photovoltaikanlagen in Deutschland vor erhebliche Herausforderungen. Durch den Wegfall der gesetzlichen Einspeisevergütung und neue Vermarktungspflichten könnte der Zubau von Dach-Solaranlagen stark zurückgehen – ein Szenario, das nicht nur den Markt, sondern auch die Erreichung der nationalen Klimaziele gefährdet.
(Stand Oktober 2026: Aus dem Referentenentwurf ist inzwischen der Regierungsentwurf zum EEG 2027 geworden, den das Bundeskabinett am 29.07.2026 beschlossen hat. Er sieht für neue Anlagen statt eines sofortigen Wegfalls eine befristete Übergangszahlung von rechnerisch 5,2 Cent/kWh für höchstens 36 Monate vor, danach die Direktvermarktung. Die Umstellung soll nach Anlagengröße und Inbetriebnahmejahr gestaffelt erfolgen, die Volleinspeisung entfallen und für kleine und mittlere Dachanlagen eine Einspeisegrenze von 50 % gelten. Der Bundestag hat noch nicht abschließend entschieden; geplant ist ein Inkrafttreten am 01.01.2027. Bestehende Anlagen behalten ihre Vergütung.)
Dach-Solar durch EEG-Novelle 2026 unter Druck
In den vergangenen Jahren machten Dach-Solaranlagen rund die Hälfte des gesamten Photovoltaik-Zubaus in Deutschland aus. Der gesamte Photovoltaik-Zubau lag 2024 bei rund 17 GW und 2025 bei 16,4 GW. Für das Erreichen der Klimaziele wäre jedoch ein jährlicher Zubau von etwa 20 GW nötig. Die neue Novelle könnte dieses Ziel gefährden.
Angesichts der näheren Betrachtung der wirtschaftlichen Auswirkungen ist es entscheidend zu erkennen, dass die EEG-Novelle 2026 nicht nur die Rentabilität von Dach-Solaranlagen gefährdet, sondern auch die gesamten Klimaziele Deutschlands unter Druck setzt. Das EEG sieht bis 2030 eine installierte PV-Leistung von 215 GW vor (Stand Oktober 2026: im August 2026 waren über 128 GWp installiert).
Zudem belegen Umfragen, dass über 70 % der Bevölkerung den Ausbau von Dach-Photovoltaik unterstützen, was die gesellschaftliche Relevanz dieser Technologie unterstreicht und die Notwendigkeit für eine überlegte EEG-Novelle betont. Eine Fehlentscheidung könnte nicht nur ökonomische, sondern auch soziale Konsequenzen haben.
Wirtschaftliche Auswirkungen auf kleine und mittlere PV-Anlagen
Der Referentenentwurf vom Frühjahr 2026 sah für Anlagen bis 25 kWp die vollständige Abschaffung der Einspeisevergütung vor; der Regierungsentwurf sieht stattdessen eine befristete Übergangszahlung vor. Der Eigenverbrauch wird damit zum zentralen Wirtschaftlichkeitsfaktor. Analysen des Fraunhofer-Instituts zeigen, dass die Rentabilität kleiner PV-Anlagen stark vom Eigenverbrauch abhängt. Ohne ausreichenden Eigenverbrauch kann sich der Betrieb selbst mit Speicher nur eingeschränkt wirtschaftlich darstellen.
Zusätzlich sollen überschüssige Strommengen verstärkt über die Direktvermarktung abgegeben werden. Für private Betreiber bedeutet das jedoch höhere Kosten, weil die Vermarktung kleiner Strommengen vergleichsweise teuer ist und die notwendige Infrastruktur (intelligente Messsysteme) noch nicht flächendeckend verfügbar ist. Ohne Übergangsregelungen droht ein spürbarer Rückgang im Segment der Kleinanlagen.
Im Segment über 25 kWp sollte nach dem Referentenentwurf die bisherige höhere Vergütung bei Volleinspeisung abgeschafft und ein einheitlicher Fördersatz unabhängig von der Anlagengröße eingeführt werden. Gewerbliche Dachflächen, die nur geringe Eigenverbrauchsanteile realisieren können, sind besonders betroffen. Parallel diskutierte Maßnahmen im Netzanschlussbereich – etwa Baukostenzuschüsse durch Netzbetreiber und Einschränkungen bei Entschädigungen bei Netzengpässen – erhöhen zusätzlich Kosten und Risiken für Projektierer und Investoren.
- Risiko: Kostensteigerungen durch Direktvermarktung können private Betreiber abschrecken.
- Risiko: Unsicherheiten bei der Infrastruktur für Freiflächenanlagen können den Ausbau behindern.
Zukunft des PV-Ausbaus: Dach- versus Freiflächenanlagen
Die Bundesregierung legt künftig stärkeres Gewicht auf Freiflächen-Photovoltaik. Ab 2027 soll das jährliche Ausschreibungsvolumen von derzeit 9,9 GW auf 14 GW steigen – ein Plus von rund 4 GW pro Jahr, das zulasten des Zubaus bei Gebäudeanlagen geht.
Freiflächenanlagen profitieren von Skaleneffekten und erreichen deutlich niedrigere Stromgestehungskosten. Dennoch ist die Umsetzbarkeit dieses Pfades unsicher: Die installierte Leistung müsste laut Experten von derzeit etwa 40 GWp bis 2032 auf 130 GWp und perspektivisch bis 2040 sogar auf bis zu 240 GWp steigen. Technische, regulatorische und Akzeptanzfragen (z. B. Nutzungskonflikte mit der Landwirtschaft) stellen dabei erhebliche Hürden dar.
Die erwarteten jährlichen Einsparungen durch den Fokus auf Freiflächenanlagen betragen laut Studie des Wuppertal Instituts bis 2045 etwa 0,3 Cent/kWh (entspricht einer Reduktion der Stromsystemkosten um rund 1,5 % bzw. 2,8 Mrd. € im Vergleich zu 2024). Diese Einsparungen gelten jedoch als moderat und stehen im Kontrast zu den potenziellen Verlusten im Dach-PV-Segment.
Gesellschaftliche Akzeptanz und mögliche Folgen
Studien belegen eine hohe Akzeptanz von Dach-Photovoltaik: Im Jahr 2023 gaben 70 % der Befragten an, den Ausbau zu unterstützen. Dach-PV ermöglicht zudem eine direkte Teilhabe von Haushalten und Unternehmen an der Energiewende und fördert die Sektorkopplung – etwa durch gleichzeitige Investitionen in Elektroautos oder Wärmepumpen.
Eine Abschwächung dieses Segments könnte die Elektrifizierung von Verkehr und Wärme bremsen und die regionale Wertschöpfung mindern, da Installation und Wartung überwiegend von lokalen Handwerksbetrieben durchgeführt werden. Der mögliche Shift hin zu großskaligen Freiflächenprojekten könnte somit auch beschäftigungspolitische Effekte nach sich ziehen.
Kernfragen zur EEG-Novelle 2026 (FAQ)
Was sind die wichtigsten Änderungen in der EEG-Novelle 2026?
Nach dem Regierungsentwurf vom 29.07.2026 soll die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen enden. Stattdessen gibt es befristet eine Übergangszahlung, danach die Direktvermarktung; für kleine und mittlere Dachanlagen ist eine Einspeisegrenze von 50 % geplant. Beschlossen ist das Gesetz noch nicht (Stand Oktober 2026).
Wie beeinflusst die EEG-Novelle die Wirtschaftlichkeit von Dach-Solar?
Wird die Novelle wie geplant beschlossen, verschlechtert sich die Wirtschaftlichkeit neuer Dachanlagen, weil die feste Einspeisevergütung nach einer Übergangszeit entfällt und der Eigenverbrauch entscheidend wird.
Fazit: Ausgewogene Politik für die Energiewende
Die EEG-Novelle 2026 zielt darauf ab, die Kosten der Energiewende zu begrenzen, verschiebt jedoch die Balance im Photovoltaik-Ausbau zulasten der Dachanlagen. Angesichts ihrer bisherigen Rolle als zentraler Treiber des PV-Zubaus birgt dies Risiken für die Ausbaugeschwindigkeit und die Erreichung der deutschen Klimaziele. Experten empfehlen einen gestuften Übergang: zeitlich verzögerte Vorgaben für die Direktvermarktung kleiner Anlagen, verbesserte Rahmenbedingungen für deren Umsetzung und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Dach- und Freiflächen-Photovoltaik. Nur so kann die Wirtschaftlichkeit gesichert, die gesellschaftliche Akzeptanz erhalten und die ambitionierten Klimaziele bis 2030 erreicht werden.

