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Energy Sharing für Solarstrom – Chancen und Rahmenbedingungen ab Juni 2026

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    Ab dem 1. Juni 2026 dürfen Hausbesitzer in Deutschland überschüssigen Solarstrom direkt an ihre Nachbarn verkaufen. Das neue Modell Energy Sharing reduziert die Energiekosten beider Parteien, eröffnet ein neues Marktsegment zwischen Eigenversorgung und klassischer Stromlieferung und könnte den deutschen Strommarkt nachhaltig verändern.

    Was ist Energy Sharing?

    Energy Sharing ermöglicht es, den nicht selbst verbrauchten Strom einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) unmittelbar an Nachbarn zu übermitteln, anstatt ihn zu den regulären Einspeisevergütungen ins öffentliche Netz einzuspeisen. Die beiden Beteiligten profitieren:

    • Der Anlagenbetreiber erzielt höhere Einnahmen, weil der Verkaufspreis über der Einspeisevergütung liegt (typisch 10-15 Cent/kWh, deutlich unter dem Haushaltsstrompreis von rund 30 Cent/kWh).
    • Die Nachbarn erhalten günstigeren Strom als von ihrem regulären Lieferanten.

    Rechtliche Grundlagen ab Juni 2026

    Der deutsche Gesetzgeber hat mit dem neuen Paragrafen 42c des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) die rechtliche Basis geschaffen. Der Paragraf wurde am 13. November 2025 vom Bundestag beschlossen, trat am 22. Dezember 2025 in Kraft und ist ab dem 1. Juni 2026 wirksam.

    • Erlaubt den direkten Verkauf von Solarstrom an Nachbarn innerhalb eines Bilanzierungsgebiets ab Juni 2026.
    • Ab Juni 2028 ist die grenzüberschreitende Nutzung in benachbarten Bilanzierungsgebieten möglich.
    • Große Energieversorger sind vom Modell ausgenommen – Zielgruppe sind Bürger, Kommunen, kleine und mittlere Unternehmen sowie Genossenschaften.
    • Verteilnetzbetreiber müssen die technische Umsetzung unterstützen (ab Juni 2026 für lokale, ab 2028 für gebietsübergreifende Modelle).

    Die Regelung ist Teil der EU-Richtlinie Erneuerbare-Energien-Richtlinie II und wurde in deutsches Recht überführt.

    Potenzial durch die Anzahl der Photovoltaikanlagen in Deutschland

    Die Verbreitung von PV-Anlagen bildet das Fundament für Energy Sharing:

    • Im Jahr 2022 waren laut Bundesnetzagentur rund 2,4 Millionen PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 68 GW installiert.
    • Insgesamt sind über 5 Millionen Photovoltaikanlagen bei der Bundesnetzagentur registriert (Stand 2022).

    Diese Zahlen verdeutlichen, dass ein erheblicher Teil der deutschen Haushalte bereits über die technische Basis verfügt, um von Energy Sharing zu profitieren.

    Entwicklung der Einspeisevergütung und wirtschaftliche Anreize

    Die Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen wurde in den letzten Jahren kontinuierlich gesenkt:

    • 2023 lag die Vergütung bei 8,14 Cent/kWh (Quelle: BMWK).
    • Die aktuelle Vergütung liegt knapp bei acht Cent pro Kilowattstunde, während der Marktpreis für Solarstrom zwischen 9 und 12 Cent/kWh liegt.

    Durch den Unterschied zwischen Marktpreis und Einspeisevergütung wird das klassische Einspeisemodell wirtschaftlich weniger attraktiv. Energy Sharing bietet die Möglichkeit, höhere Erlöse (z. B. 10-15 Cent/kWh) zu erzielen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit der eigenen PV-Anlage zu steigern.

    Technische Voraussetzungen und Messsysteme

    Für die Umsetzung von Energy Sharing sind präzise Messungen und geeignete Infrastruktur nötig:

    • Viertelstundenscharfe Erfassung von Erzeugungs- und Verbrauchsdaten.
    • Einsatz von Smart Metern oder modernen Zweirichtungszählern beim Anlagenbetreiber sowie entsprechenden Zählern bei den Stromabnehmern.
    • Die genaue Ausgestaltung des Messkonzepts erfolgt gemeinsam mit dem Verteilnetzbetreiber oder spezialisierten Dienstleistern.

    Ab Juni 2026 sind Netzbetreiber gesetzlich verpflichtet, die technische Unterstützung für Energy-Sharing-Modelle bereitzustellen.

    Risiken und Gegenargumente

    Obwohl das Modell vielversprechend ist, gibt es kritische Punkte:

    • Fehlende reduzierte Netzentgelte: Der Gesetzgeber sieht bislang keine gesonderten Netzentgelt-Ermäßigungen für Energy Sharing vor, obwohl lokal erzeugter Strom das Netz weniger belastet. Ohne solche Anreize könnte die finanzielle Attraktivität eingeschränkt sein.
    • Die Einführung erfordert zunächst technische Infrastruktur und vertragliche Vereinbarungen, was zu Anfangskosten führen kann.
    • Derzeit gibt es noch keine fertigen Endkunden-Produkte; Pilotprojekte werden 2026 erwartet, Standardisierung 2027-2028 und ein breiter Rollout erst ab etwa 2029.

    FAQ

    Was ist Energy Sharing?

    Energy Sharing ermöglicht es, überschüssigen Solarstrom direkt an Nachbarn zu verkaufen, wodurch beide Seiten profitieren.

    Wann tritt das Gesetz für Energy Sharing in Kraft?

    Das Gesetz tritt am 1. Juni 2026 in Kraft.

    Fazit

    Energy Sharing stellt ab Juni 2026 einen rechtlich abgesicherten Weg dar, überschüssigen Solarstrom innerhalb lokaler Nachbarschaften zu vermarkten. Die Kombination aus einer wachsenden Anzahl von PV-Anlagen (über fünf Millionen), einer sinkenden Einspeisevergütung (8,14 Cent/kWh 2023) und der gesetzlichen Entlastung von klassischen Lieferantenpflichten schafft ein günstiges Umfeld für das Modell. Technische Voraussetzungen wie Smart Metering sind bereits verfügbar, und Netzbetreiber müssen die Umsetzung unterstützen.

    Gleichzeitig bleibt die fehlende Differenzierung bei Netzentgelten ein entscheidendes Hindernis, das die wirtschaftliche Attraktivität für kleinere Anlagen mindern könnte. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Pilotprojekte und die schrittweise Standardisierung das Potenzial von Energy Sharing vollständig realisieren können. Für Hausbesitzer, die bereits in Photovoltaik investiert haben, bietet das Modell jedoch bereits jetzt eine vielversprechende Perspektive, die Rentabilität zu erhöhen und gleichzeitig die Stromkosten der Nachbarschaft zu senken.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das Dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdigen Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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