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Verschärfte US-Regulierung für Netz- und Speichertechnik: Auswirkungen auf erneuerbare Energieprojekte

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    Die US-Regierung hat mit einer neuen Executive Order die Sicherheit des Hochspannungsnetzes stärker in den Fokus gerückt. Ab dem 26. August 2026 gelten strengere Prüfungen für alle Netz- und Speicherkomponenten, die aus dem Ausland stammen und mit Unternehmen aus sanktionierten Ländern verbunden sind. Das US-Energieministerium (DOE) hat bis zum 24. Dezember 2026 – also innerhalb von 120 Tagen – konkrete Durchführungsverordnungen zu erarbeiten. Die Maßnahme betrifft nicht nur zukünftige Lieferungen, sondern eröffnet auch regulatorische Möglichkeiten für bereits installierte Anlagen. Damit entsteht ein umfassender Rechtsrahmen, der sowohl neue Projekte als auch bestehende Infrastruktur erheblich beeinflussen kann.

    Umfang der Executive Order und betroffene Komponenten

    Die Verordnung deckt Hochspannungstechnik ab, die an das US-Bulk-Power-System angeschlossen ist und eine Spannung von 69 kV oder mehr aufweist. Folgende Geräte und Systeme fallen ausdrücklich unter die neuen Auflagen:

    • Energieumwandlung und -speicher (Utility-Scale-Wechselrichter, Batteriespeichersysteme)
    • Unterbrechungsfreie Stromversorgungssysteme (USV)
    • Umspannwerks- und Übertragungstechnik (Transformatoren, Hochspannungsschalter, Spannungsregler, Kondensatoren, Messwandler, automatische Wiedereinschalter, Schutz- und Messtechnik)
    • Erzeugungs- und Steuerungssysteme (industrielle Steuerungssysteme, verteilte Leitsysteme, Remote-Terminal-Units, SPS/PLC, intelligente elektronische Geräte, Erzeugungsturbinen)
    • Zugehörige Software und Firmware

    Die Anordnung verlangt zudem, dass Fernzugriffsfunktionen, Wartungs- und Aktualisierungsmechanismen sowie weitere Lieferkettenabhängigkeiten, die ein Risiko für das Stromnetz darstellen, geprüft werden.

    Importabhängigkeit bei Großtransformatoren – Zahlen und Fakten

    Die US-Energiewirtschaft ist stark von Importen abhängig, wenn es um Leistungstransformatoren (LPTs) geht. Laut einer Analyse von Wood Mackenzie (2025) importieren die USA rund 80 % ihrer Großtransformatoren, während die Inlandsproduktion lediglich etwa 20 % des Bedarfs deckt.

    • Importanteil 2025: ca. 80 % (Quelle S2)
    • Inlandsproduktion 2025: rund 20 % des Bedarfs
    • Durchschnittliche Lieferzeit für Hochspannungs- und Generator-Transformatoren 2026: 24 bis 36 Monate (entspricht 128 Wochen, Quelle S3)

    Diese langen Lieferzeiten resultieren aus Materialengpässen, dem Boom bei Rechenzentren und dem steigenden Bedarf an erneuerbarer Energie. Ein plötzlicher Ausschluss internationaler Lieferanten würde die ohnehin knappe Versorgungslage weiter verschärfen.

    Kumulativer Regulierungsdruck: FEOC, Section 45X und IEEPA

    Die Executive Order stützt sich auf das Notstandsgesetz IEEPA und greift auf frühere Initiativen wie EO 13920 zurück. Sie erweitert die bestehenden Vorgaben für „Foreign Entities of Concern“ (FEOC) aus dem Inflation Reduction Act und verknüpft sie mit steuerlichen Anreizen aus Section 45X.

    • Rechtsgrundlage: IEEPA (National Emergency Act)
    • FEOC-Definition: Unternehmen aus Ländern mit Waffenembargos oder Sanktionsregimen (z. B. Russland, China, Iran) sowie weitere von der US-Regierung benannte Akteure
    • Umsetzungsfrist für DOE-Durchführungsregeln: 120 Tage, Stichtag 24. Dezember 2026 (Quelle S1)

    Die DOE-Richtlinien können sowohl neue Transaktionen als auch bereits installierte Bestandsanlagen betreffen. Für Letztere können Auflagen zur Identifizierung, Isolierung, Überwachung, Abschaltung oder zum Austausch erlassen werden – stets unter Abwägung von Netzstabilität und Verfügbarkeit sicherer Alternativen.

    Cybersecurity-Risiken als Treiber der Regulierung

    Ein zentrales Argument der US-Regierung ist der Schutz vor Cyberangriffen. Das NIST-Framework hat ermittelt, dass über 40 % aller identifizierten Gefahrenquellen für Energieinfrastrukturen aus einer ungeschützten Zuliefererkette stammen.

    • Anteil von Cyberangriffen über die Zuliefererkette 2025: 41 % (Quelle S6)
    • Gefahren entstehen insbesondere bei fehlender Transparenz über technische Architektur und Sicherheitsstandards der ausländischen Hersteller.

    Durch die strengere Risikobewertung sollen potenzielle Fernzugriffsmöglichkeiten und Schwachstellen in Software- und Firmware-Komponenten frühzeitig erkannt und gemindert werden.

    Konkrete Folgen für Projektentwickler und Netzbetreiber

    Die Kombination aus Lieferkettenabhängigkeit, langen Beschaffungszeiten und neuen regulatorischen Vorgaben stellt Projektentwickler vor erhebliche Herausforderungen:

    • Verzögerung des Netzausbaus und steigende Stromgestehungskosten: Wenn kritische Komponenten ersetzt oder neue Lieferanten zugelassen werden müssen, können Anschlusszeiten für Solar-, Wind- und Speicherparks erheblich verlängert werden.
    • Rechtliche Unsicherheit bis zur Veröffentlichung der Positiv-/Negativlisten: Bis zum 24. Dezember 2026 bleibt unklar, welche Hersteller konkret als Sicherheitsrisiko eingestuft werden.
    • Geringe kurzfristige Ersatzmöglichkeiten: Die Fertigung von Großtransformatoren erfordert 24-36 Monate; ein beschleunigter Austausch unter den neuen Sicherheitsanforderungen ist kaum realisierbar.

    Projektentwickler müssen ihre Beschaffungsverträge nun stärker gegen regulatorische Ausfallrisiken absichern und gleichzeitig Transparenz- und Dokumentationspflichten in der Lieferkette erfüllen.

    FAQ zur Umsetzung der Executive Order

    Gilt das Verbot sofort als pauschaler Importstopp für alle ausländischen Geräte?Nein. Die Order etabliert zunächst den rechtlichen Rahmen; tatsächliche Verbote oder Auflagen greifen erst nach individueller Risikoprüfung durch das DOE.Müssen Betreiber bestehender Solarparks und Speicher nun sofort umrüsten?Nicht unmittelbar. Das DOE kann Auflagen für Bestandsanlagen erlassen, muss dabei jedoch Netzstabilität, Versorgungssicherheit und Verfügbarkeit von Ersatzkomponenten berücksichtigen.Können Projekte mit ausländischen Lieferanten noch genehmigt werden, wenn keine klare Risikoeinstufung vorliegt?Die US-Regierung wird in den kommenden Wochen ein Bewertungsschema veröffentlichen, das Projektentwicklern die Vorplanung von Herstellern und Geräten ermöglicht.Woran genau orientiert sich der Begriff „Foreign Entity of Concern“?Er umfasst Unternehmen aus Ländern mit Waffenembargos oder Sanktionsregimen (z. B. Russland, China, Iran) und ist dynamisch anpassbar.

    Fazit

    Die verschärfte US-Regulierung für Netz- und Speichertechnik schafft einen neuen, komplexen Rahmen, der sowohl neue als auch bereits installierte Komponenten betrifft. Die Zahlen zeigen, dass die USA zu etwa 80 % auf importierte Großtransformatoren angewiesen sind und Lieferzeiten von bis zu drei Jahren üblich sind. Kombiniert mit einem starken juristischen Druck durch FEOC-Regelungen und einem klaren Fokus auf Cybersecurity-Risiken, können Projekte im Bereich erneuerbarer Energien erheblich verzögert und verteuert werden. Projektentwickler und Netzbetreiber sollten daher bereits jetzt Risiko- und Lieferkettenstrategien überarbeiten, mögliche Ersatzlieferanten prüfen und sich auf die bevorstehenden DOE-Durchführungsregeln vorbereiten, um die Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit ihrer Vorhaben zu gewährleisten.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das Dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdigen Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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