Die Integration von Solarmodulen in bestehende Infrastrukturen eröffnet neue Wege, um die Nutzung erneuerbarer Energien sowohl in städtischen als auch in ländlichen Räumen zu erhöhen. Ein innovatives Montagesystem, das Photovoltaikmodule unkompliziert an Gabionen befestigt, zeigt, wie flexible Lösungen zur Erreichung der ambitionierten Ziele der deutschen Energiewende beitragen können.
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Hintergrund: Photovoltaik in Deutschland – aktuelle Zahlen
Die installierte Photovoltaik-Leistung in Deutschland wächst kontinuierlich. Für das Jahr 2026 wird ein Leistungspeak von über 75 GW prognostiziert. Der Zuwachs an Photovoltaik-Anlagen betrug im Jahr 2025 bereits 12,6 GW. Gleichzeitig steigt die durchschnittliche Effizienz von Solarmodulen auf 22 % (Stand 2026). Diese Kennzahlen verdeutlichen die Dringlichkeit, neue Montagesysteme zu entwickeln, die die Installation und Effizienz von Solarmodulen in unterschiedlichen Umgebungen weiter optimieren.
Gabionen als Trägersystem für Solarmodule – globale Nutzung
Gabionen, also mit Natursteinen befüllte Drahtgitter, werden weltweit bereits in über 50 % der Länder für Umweltschutzmaßnahmen wie Hangsicherungen und Lärmschutz eingesetzt (Stand 2020). Ihre stabile Bauweise und ihr umweltfreundlicher Charakter machen sie zu einer attraktiven Basis für die Kombination mit Photovoltaik. Durch die Nutzung von Gabionen als Träger wird die Flächeneffizienz erhöht und gleichzeitig eine harmonische Integration in bestehende Infrastrukturen ermöglicht.
Das Montagesystem von Diconal – Technologie und Funktionsweise
Entwicklung und Kooperation
Das Montagesystem wurde von Diconal in Zusammenarbeit mit Wi Solar und der Karl Ditandy GmbH entwickelt. Diconal, ein Schwesterunternehmen der Alutecta GmbH & Co. KG, präsentierte die Lösung bereits auf der Intersolar Europe in München. Ziel war es, eine flexible Befestigung von Photovoltaik-Modulen an den unregelmäßigen Strukturen von Gabionen zu ermöglichen.
Praktische Erprobung in Bingen
Im Juli 2026 erfolgte die baupraktische Prüfung des Systems auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau der Stadt Bingen. Dort wurde eine Anlage mit neun Modulen installiert. Die wichtigsten Erkenntnisse der Erprobung waren:
- Die Klemmkonstruktion lässt sich unkompliziert an Gabionen montieren.
- Die Module können in unterschiedlichen Größen und Höhen (mindestens drei Meter) verbaut werden.
- Durch Langlöcher in beiden Achsrichtungen greift die Klemme sowohl vertikal als auch horizontal, was Toleranzen bei unregelmäßigen Maschenfeldern ausgleicht.
- Die Befestigung hält den zu erwartenden Druck- und Sogkräften durch Windlast stand.
- Eine hinter den Modulen verlaufende Verkabelung sowie Wartungsarbeiten können mit vertretbarem Aufwand durchgeführt werden.
Sven Endris, Inhaber und Geschäftsführer von Wi Solar, bestätigte, dass die Montage in Bingen einwandfrei verlaufen sei. Die Klemmen gelten nun als skalierbare Systemlösung für verschiedene Anwendungsbereiche.
Einsatzgebiete
Wi Solar nennt folgende Einsatzmöglichkeiten für das Gabionen-Montagesystem:
- Stützwände
- Lärmschutzwände
- Schwerlastmauern
- Hangsicherungen
- Sichtschutzwände
Herausforderungen und Gegenmaßnahmen
Ein wichtiger Gegenpunkt ist, dass Gabionen eine stabile Struktur benötigen, um die Sicherheit und Effizienz des Gesamtsystems zu gewährleisten. Eine instabile Gabione kann die Montage der Solarmodule gefährden. Das entwickelte Montagesystem adressiert diese Problematik durch:
- Flexibel positionierbare Klemmen, die sich an variierende Maschengrößen anpassen.
- Langlöcher in beiden Achsrichtungen, um Versetzungen auszugleichen.
- Robuste Materialien, die Windlasten und mechanische Belastungen standhalten.
FAQ – häufige Fragen
Wie langlebig sind Gabionen-Systeme für die Solarinstallation?Gabionen aus verzinktem Draht haben in der Regel eine Lebensdauer von über 30 Jahren, was sie zu einer nachhaltigen Wahl für erneuerbare Energiesysteme macht.
Fazit
Das Montagesystem für Photovoltaikmodule an Gabionen demonstriert, wie innovative Technik die Flächeneffizienz steigern und gleichzeitig bestehende Bauwerke sinnvoll nutzen kann. Angesichts der prognostizierten 75 GW installierter PV-Leistung in Deutschland bis 2026 und der steigenden Modul-Effizienz von 22 % wird die flexible Integration von Solarmodulen an Gabionen zu einem wichtigen Baustein der Energiewende. Die erfolgreiche Erprobung in Bingen, die weltweite Verbreitung von Gabionen und die klare Lösung von Stabilitäts- und Montage-Herausforderungen legen nahe, dass dieses System ein bedeutendes Potenzial für den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland und darüber hinaus besitzt.

