Der Verkauf des Allgäuer Heimspeicher-Pioniers Sonnen durch den Energiekonzern Shell an das Family Office Tiven markiert einen entscheidenden Wendepunkt im europäischen B2C-Cleantech-Sektor. Mit operativer Unterstützung von Aurelius WaterRise wird das Unternehmen nun auf einen Turnaround und einen möglichen Weiterverkauf vorbereitet. Der Deal illustriert nicht nur den strategischen Rückzug von Ölkonzernen aus margen- und wettbewerbsintensiven Heimspeichermärkten, sondern wirft auch ein Licht auf die strukturellen Herausforderungen, die nach dem Ende des PV-Booms in Europa entstanden sind.
Hintergrund: Shells Einstieg und Ausstieg aus dem Heimspeichermarkt
- Shell erwarb Sonnen im Jahr 2019 für knapp 500 Millionen Euro.
- Nach mehreren Jahren mit hohen operativen Verlusten und zusätzlichen Finanzspritzen von über 500 Millionen Euro bis 2024 entschied das Unternehmen, das B2C-Heimspeichergeschäft zu veräußern.
- Der Verkauf erfolgt zu einem niedrigen dreistelligen Millionenbereich – ein deutlich geringerer Wert als die ursprüngliche Investition.
- Durch die Transaktion entsteht für Shell ein Verlust von über einer Milliarde Euro.
Details der Transaktion: Käufer Tiven und operative Rolle von Aurelius WaterRise
Tiven, das Family Office von Gert Purkert – Mitgründer der Private-Equity- und Restrukturierungsgesellschaft Aurelius – übernimmt Sonnen. Die operative Sanierung wird vom internen Beratungsteam Aurelius WaterRise geleitet, das speziell für Turnaround-Projekte etabliert ist.
- Wer ist Tiven? Tiven ist ein internationaler Vermögensverwalter und Family Office mit einer Außenstelle in München. Gert Purkert fungiert als Geschäftsführer und hat Aurelius mitgegründet.
- Rolle von Aurelius WaterRise: Das Team ist für die operative Restrukturierung und die Vorbereitung eines späteren Weiterverkaufs von Sonnen verantwortlich.
- Verkaufspreis: Der Preis liegt im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, wie Insider berichten.
Finanzielle Kennzahlen: Kaufpreis, Verluste und Bewertung
- Ursprünglicher Kaufpreis (2019): ca. 500 Millionen Euro (Quelle S1).
- Zusätzliche Shell-Folgeinvestitionen bis 2024: > 500 Millionen Euro (Quelle S1).
- Geschätzter Gesamtverlust für Shell: > 1 Milliarde Euro (Quelle S2).
- Höchstbewertung von Sonnen bei Vorbereitung des Verkaufs (2023): 1,35 bis 1,8 Milliarden Euro (Quelle S3).
Makroökonomischer Kontext: Konsolidierung im Heimspeichersegment
Nach den Ausnahmejahren 2022/2023 erfuhr der deutsche Markt für Eigenheim-PV und zugehörige Batteriespeicher eine spürbare Abkühlung. Während das Segment der privaten Heimspeicher 2024/2025 leicht rückläufig bzw. stagnierend war, verlagerte sich das Wachstum vor allem auf gewerbliche Speicher und netzgekoppelte Großbatterien.
- Rückgang des Heimspeicherzubaus 2025: ca. 6,4 % bis 8 % (Quelle S4).
- Gesamter Batteriespeicherzubau in Deutschland 2025: 6,57 GWh (Quelle S4).
- Gesamte installierte Batteriespeicherkapazität Deutschland 2026: ca. 28 GWh (Quelle S5).
Sanierungskonzept von Aurelius WaterRise und operatives Profil von Sonnen
Die operative Neuausrichtung fokussiert sich auf Kostensenkung, Effizienzsteigerung und die Vorbereitung eines späteren Weiterverkaufs. Wesentliche Elemente des Sanierungskonzepts umfassen:
- Analyse und Optimierung der Kostenstruktur angesichts des Margendrucks durch asiatische Hardware-Hersteller.
- Umsetzung von harten Kostensenkungs- und Effizienzprogrammen, die potenziell Stellenstreichungen am Standort Wildpoldsried mit sich bringen können.
- Stärkung der Service- und Garantieverpflichtungen, um das Vertrauen von Kunden und dem Installateur-Netzwerk zu erhalten.
- Weiterführung des virtuellen Kraftwerks (SonnenCommunity) unter dem Blickwinkel von Effizienz und Skalierbarkeit.
Am Hauptsitz in Wildpoldsried beschäftigte Sonnen zuletzt rund 400 Mitarbeitende (2025). Aufgrund des Markteinbruchs war zeitweise Kurzarbeit notwendig.
Risiken und Herausforderungen für Sonnen
- Restrukturierungsrisiko: Kostensenkungsprogramme können zu Stellenstreichungen führen und das Vertrauensverhältnis zu Solarteur- und Installateur-Netzwerken belasten.
- Preisdruck durch asiatische Hersteller: Europäische Premiumanbieter stehen unter starkem Margendruck, da kostengünstigere Komplettsysteme aus Asien den Markt dominieren.
- Marktunsicherheit: Trotz einer leichten Aufwärtsdynamik im Jahr 2025 äußern Installateure Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit des Aufwärtstrends.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wer steckt hinter dem Sonnen-Käufer Tiven?Tiven ist das Family Office von Gert Purkert, Mitgründer der Private-Equity- und Restrukturierungsgesellschaft Aurelius. Die Sanierung und Neuausrichtung von Sonnen wird operativ vom Beratungsteam Aurelius WaterRise gesteuert.Warum hat Shell Sonnen mit erheblichem Verlust verkauft?Shell richtet sein Portfolio neu aus und fokussiert sich auf kapitalstarke Segmente wie das integrierte Strom- und Energiehandelsgeschäft. Nach hohen operativen Verlusten und zusätzlichen Finanzspritzen von über 500 Millionen Euro passte das margenschwache B2C-Heimspeichergeschäft nicht mehr in die Konzernstrategie.Was bedeutet die Übernahme für bestehende Sonnen-Kunden?Der Geschäftsbetrieb, Garantieverpflichtungen und Dienstleistungen wie das virtuelle Kraftwerk (SonnenCommunity) laufen weiter, stehen jedoch im Fokus von Effizienz- und Sanierungsmaßnahmen des neuen Eigentümers.
Fazit
Der Verkauf von Sonnen an Tiven unter Beteiligung von Aurelius WaterRise schließt ein für Shell verlustreiches Kapitel im B2C-Cleantech-Segment ab. Während die Transaktion einen erheblichen finanziellen Verlust für den Ölkonzern bedeutet, eröffnet sie für Sonnen die Chance, sich unter professioneller Restrukturierung neu zu positionieren. Die aktuelle Marktdynamik – gekennzeichnet durch rückläufiges Wachstum im privaten Heimspeicherbereich, zunehmenden Wettbewerb aus Asien und eine Verlagerung hin zu gewerblichen und netzgekoppelten Batteriespeichern – stellt dabei sowohl Herausforderungen als auch Potenziale für eine fokussierte Neuausrichtung dar. Ob die geplanten Sanierungsmaßnahmen von Aurelius WaterRise die Profitabilität nachhaltig wiederherstellen und einen späteren Weiterverkauf ermöglichen, wird von der Umsetzung der Kostensenkungsprogramme und der Fähigkeit des Unternehmens abhängen, das Vertrauen von Kunden und Partnern zu erhalten.

