Am 1. September 2026 kam es in Deutschland zu zwei koordiniert wirkenden Angriffen auf zentrale Netzknotenpunkte. Ein Vorfall an der Amprion-Umspannanlage Rommerskirchen (Bergheim-Rheidt) und ein Sabotageversuch bei 50Hertz im Netzgebiet des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde lösten massive Stromausfälle, extreme Regelenergie-Preissprünge und eine intensive Diskussion über den Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) aus. Der folgende Artikel fasst die bekannten Fakten, Ermittlungsstände, Marktwirkungen und die Reaktionen der Sicherheitsbehörden sowie der Energiewirtschaft zusammen.
Sabotageakte im Überblick – Faktenlage
Beide Vorfälle ereigneten sich am selben Tag und hatten unmittelbare Auswirkungen auf die Erzeugungsleistung und die Preisbildung an den Kurzfristmärkten:
- Amprion-Umspannanlage Rommerskirchen: Drei 380-kV-Leitungen fielen aus, insgesamt 3 Leitungen im direkten Umfeld (Jahr 2026, Quelle S2).
- 50Hertz-Netzgebiet bei Jänschwalde: Mehr als 20 deponierte, raketenähnliche Konstruktionen mit Zeitzündern wurden gefunden; nur eine traf ihr Ziel (Jahr 2026, Quelle S4).
- Ausfall von fünf RWE-Braunkohlekraftwerksblöcken mit einer installierten Gesamtkapazität von 4,200 MW und einer zum Zeitpunkt der Trennung eingespeisten Leistung von 3,000 MW (Quelle S1).
- Maximale Unterdeckung der deutschen Regelzone während des Ausfalls: 2,200 MW (Quelle S3).
- Spitzenpreis für Minutenreserve (mFRR) im Knappheitsfenster: 15,000 EUR/MWh (Quelle S3).
Ermittlungsstand Amprion: Kurzschluss durch leitfähiges Kabel und Sabotageverdacht
Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums und der Polizei Essen wurden unbekannte Täter gezielt leitfähiges Material über Freileitungen im Umfeld der Umspannanlage Rommerskirchen gelegt. Das Material führte zu einem massiven Kurzschluss, der drei Höchstspannungsleitungen automatisch abschalten ließ. Der Staatsschutz ermittelt wegen verfassungsfeindlicher Sabotage (§ 88 StGB) sowie Störung öffentlicher Betriebe. Ermittler prüfen Spuren in Richtung fremder Mächte und Linksextremismus.
- Verdacht: Fremdeinwirkung mit leitfähigem Kabel.
- Ermittlungsbehörde: Polizei Essen, Staatsschutz NRW.
- Rechtsgrundlage: § 88 StGB (verfassungsfeindliche Sabotage) und Störung öffentlicher Betriebe.
- Ermittlungsfokus: Linksextremismus, ausländische Akteure.
Strafrechtliche Einstufung des Angriffs auf 50Hertz bei Jänschwalde
Am Standort Jänschwalde wurden über 20 nicht gezündete, raketenähnliche Vorrichtungen mit Zeitzündern entdeckt. Das Brandenburger Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft leiten Ermittlungen wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung (§ 129a StGB) und versuchter Sprengstoffexplosion ein.
- Gefundene Flugkörper/Abschussvorrichtungen: > 20 Stück (Jahr 2026, Quelle S4).
- Ermittlungsbehörde: Landeskriminalamt Brandenburg.
- Rechtsgrundlage: § 129a StGB (terroristische Vereinigung) und versuchte Sprengstoffexplosion.
Auswirkungen auf das Stromnetz und die Regelenergiemärkte
Obwohl das europäische Verbundnetz nach dem (n-1)-Kriterium redundant ausgelegt ist und die allgemeine Stromversorgung stabil blieb, führte die plötzliche Unterdeckung zu extremen Preisentwicklungen:
- Kurzzeitige Unterdeckung von bis zu 2,2 GW, die etwa 1,5 Stunden andauerte.
- Intraday-Preis stieg in einer Viertelstunde auf rund 4,500 EUR/MWh (4,50 EUR/kWh).
- Preis für Ausgleichsenergie erreichte 5,000 EUR/kWh.
- Automatischer Frequency Restoration Reserve (aFRR) wurde zu über 60 % ausgelastet.
- Manuelle Frequency Restoration Reserve (mFRR) wurde nahezu vollständig aktiviert, mit einem Höchstpreis von 15,000 EUR/MWh.
Vincent Thevenin von Montel betont, dass die Ereignisse zeigen, wie schnell Regelenergie-Reserven bei anhaltender Unterdeckung ausgeschöpft werden und welche Preisexplosionen daraus resultieren. Durch die europäische Marktkopplung waren die Preiswirkungen zudem über Deutschland hinaus spürbar.
Reaktion der Energiewirtschaft und Forderungen zum KRITIS-Schutz
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) forderte nach den Angriffen sofortige Nachbesserungen beim Schutz kritischer Infrastrukturen. BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae warnte vor frei zugänglichen Netzdaten und forderte rechtssichere Möglichkeiten zur optischen Überwachung angrenzender Anlagenbereiche.
- Forderung nach strengeren Zugriffsbeschränkungen für Netzdaten.
- Erweiterung rechtlicher Grundlagen für Videoüberwachung von Außenbereichen kritischer Anlagen.
- Betonung der Notwendigkeit, physische Verwundbarkeit von KRITIS-Einrichtungen zu reduzieren.
Risiken und Marktüberreaktionen – kritische Punkte
Gefahr von Marktüberreaktionen bei extremen Regelenergiepreisen
Die Preisexplosion auf 15,000 EUR/MWh belastet Bilanzkreisverantwortliche stark und wirft Fragen zur Resilienz des Regelleistungsmarktes gegenüber physischen Schocks auf. Es besteht das Risiko von Fehlanreizen, die spekulatives Verhalten begünstigen.
Zielkonflikt zwischen Transparenz und physischer Sicherheit
Offene Netz- und Erzeugungsdaten erleichtern die Marktintegration erneuerbarer Energien, liefern jedoch potenziellen Angreifern präzise Informationen über sensible Netzknoten. Der Konflikt zwischen gesetzlicher Transparenz und Schutz kritischer Anlagen wird zunehmend diskutiert.
FAQ – häufig gestellte Fragen
Wie wurde der Kurzschluss an der Amprion-Umspannanlage konkret ausgelöst?Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums brachten Täter gezielt leitfähiges Material über Freileitungen im Umfeld der Anlage aus, wodurch ein massiver Kurzschluss ausgelöst und drei Leitungen automatisch abgeschaltet wurden.Warum brach trotz des plötzlichen Ausfalls von 3,000 MW die Netzstabilität nicht zusammen?Das europäische Verbundnetz ist nach dem (n-1)-Kriterium redundant ausgelegt; automatische Frequenzhaltungsreserven (aFRR) und Minutenreserven (mFRR) fingen das Defizit innerhalb von Sekunden bis Minuten planmäßig auf.Gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den Taten bei 50Hertz und Amprion?Die Sicherheitsbehörden der beteiligten Bundesländer und des Bundes prüfen einen koordinationsbedingten Zusammenhang beider Vorfälle vom 1. September; gesicherte Erkenntnisse zu einer gemeinsamen Urheberschaft liegen bislang nicht vor.
Fazit
Die Sabotageakte gegen die Amprion-Umspannanlage Rommerskirchen und das 50Hertz-Netzgebiet bei Jänschwalde haben eindrucksvoll gezeigt, dass zentrale Netzknotenpunkte physisch verwundbar sind. Trotz der Stabilität des Verbundnetzes führten die kurzfristigen Unterdeckungen zu extremen Preissteigerungen im Regelenergie-Markt und lösten eine intensive Debatte über den Schutz kritischer Infrastrukturen aus. Die laufenden Ermittlungen prüfen sowohl linksextremistische als auch fremde Akteure, während die Energiewirtschaft nach sofortigen Maßnahmen zur Verbesserung des KRITIS-Schutzes ruft. Die Ereignisse verdeutlichen, dass technische Redundanz allein nicht ausreicht – ein ganzheitlicher Ansatz, der physische Sicherheit, Datenzugriff und Marktregulierung verbindet, ist notwendig, um zukünftige Angriffe wirksam abzuwehren.

