Die Integration von Stromspeichern ist ein zentraler Baustein für die Erreichung der deutschen Klimaziele und für die zuverlässige Einbindung erneuerbarer Energien. Ohne stabile und klare regulatorische Vorgaben bleibt jedoch das notwendige Investitionsklima unsicher, was den Ausbau von Speichertechnologien verzögert und finanzielle Risiken für die Branche erzeugt.
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Regulatorische Grundlagen und aktuelle Versäumnisse
Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) war die sogenannte Mispel-Festlegung – die Marktintegration von Stromspeichern und Ladepunkten – bis zum 30. Juni durch die Bundesnetzagentur zu beschließen. Dieser Termin wurde jedoch versäumt. Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Energiespeicher Systeme (BVES), kritisiert: „Gerade der Staat sollte sich an die Fristen halten, die er selbst setzt. Die erneute Verzögerung zerstört Vertrauen und verlängert die Unsicherheit für Unternehmen, die Milliarden in die Flexibilisierung unseres Energiesystems investieren wollen.“
Die Mispel-Festlegung schafft erstmals einen regulatorischen Rahmen, der Batteriespeicher erlaubt, erneuerbaren Strom und Netzstrom flexibel zu kombinieren, ohne automatisch EEG-Förderansprüche oder Privilegien nach dem Energiefinanzierungsgesetz zu verlieren. Für Co-Location-Projekte sowie den Ausbau von Heim- und Gewerbespeichern ist diese Planungssicherheit von entscheidender Bedeutung.
Die Rolle des FlexBG und seine Defizite
Parallel dazu liegt der Gesetzentwurf zur Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren für mehr Flexibilität im Stromsystem (FlexBG) vor. Der BVES erkennt zwar an, dass Anlagen im Rahmen des StromVKG künftig schneller genehmigt werden sollen, bemängelt jedoch, dass für Stromspeicher kaum zusätzliche Beschleunigungsmechanismen vorgesehen sind. Insbesondere die Regelungen des § 249 Abs. 6a BauGB erfüllen nicht die Anforderungen moderner Co-Location-Projekte. Der Verband fordert daher, die vorgesehenen Leistungsgrenzen und Planungsvoraussetzungen anzupassen, damit Energiespeicher integraler Bestandteil von Windenergie-Gebieten werden können.
Wirtschaftliche Auswirkungen der Verzögerungen
Eine Analyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigt, dass bei anhaltenden regulatorischen Unsicherheiten Investitionen von bis zu 20 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren (bis 2028) auf dem Spiel stehen. Diese Summe verdeutlicht die finanziellen Konsequenzen, die durch verzögerte Entscheidungen entstehen, und unterstützt die Forderung nach schnelleren, verlässlichen Regelungen.
- Potentielle Investitionssumme: 20 Milliarden Euro (BDEW, 2023)
- Zeitraum: 2023-2028
- Risiko: Verlust von Kapital, Verzögerung der Energiewende, Wettbewerbsnachteile
Prognosen zur Speicherkapazität und deren Bedeutung
Laut einer Studie des Fraunhofer UMSICHT beträgt die installierte Speicherkapazität in Deutschland im Jahr 2020 2,7 GW. Unter der Voraussetzung verbesserter regulatorischer Rahmenbedingungen wird ein Anstieg auf 7,3 GW bis zum Jahr 2025 prognostiziert. Diese Entwicklung ist eng gekoppelt an klare politische Vorgaben.
- Installierte Speicherkapazität 2020: 2,7 GW (Fraunhofer UMSICHT, 2023)
- Prognostizierte Speicherkapazität 2025: 7,3 GW (Fraunhofer UMSICHT, 2023)
Die Prognose verdeutlicht, dass ein signifikanter Zuwachs nur realisierbar ist, wenn regulatorische Hürden abgebaut und Planungssicherheit geschaffen wird.
Warum klare Regelungen die Prognosen stärken
Die Studie des Fraunhofer UMSICHT betont, dass die erwartete Kapazitätssteigerung stark von rechtzeitigen Reformen abhängt. Ohne die Mispel-Festlegung und ohne ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren durch das FlexBG bleibt das Marktpotenzial ungenutzt. Die Zahlen untermauern die Dringlichkeit, regulatorische Vorgaben zu konkretisieren, um das Vertrauen von Investoren zu stärken.
Gegenargumente und verbleibende Risiken
Ein möglicher Gegenpunkt lautet, dass bürokratische Hürden weiterhin den Ausbau bremsen könnten. Diese Bedenken sind relevant, weil sie die Erreichung der Klimaziele gefährden und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche beeinträchtigen könnten. Selbst wenn einzelne Gesetzeslücken geschlossen werden, bleibt das Risiko bestehen, dass weitere administrative Prozesse den Fortschritt verzögern.
Häufig gestellte Fragen
- Was ist die Mispel-Festlegung? Die Mispel-Festlegung dient der Marktintegration von Stromspeichern, um die Kombination von erneuerbarem Strom und Netzstrom zu ermöglichen.
Fazit
Die aktuelle Lage zeigt deutlich, dass regulatorische Unsicherheiten die Stromspeicherbranche in Deutschland erheblich hemmen. Das Versäumnis, die Mispel-Festlegung fristgerecht zu beschließen, und die unzureichenden Beschleunigungsmechanismen des FlexBG verhindern die notwendige Planungssicherheit für Co-Location-Projekte und andere Speicheranwendungen. Gleichzeitig drohen finanzielle Einbußen von bis zu 20 Milliarden Euro und ein verpasster Ausbau von mehr als 4,6 GW Speicherleistung bis 2025. Um die Energiewende erfolgreich zu gestalten, muss die Politik verbindliche Fristen einhalten, das FlexBG gezielt für Speicher erweitern und klare, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen schaffen. Nur dann kann Deutschland die angestrebten Klimaziele erreichen und die Wettbewerbsfähigkeit seiner Energiebranche sichern.
Quellen:
– Fraunhofer UMSICHT, „Marktanalyse zur Energiespeicherbranche 2023“, 12. September 2023, https://www.umsicht.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2023/umsichtenergiespeicher.html
– Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), „Investitionen in die Energiewende und deren Einfluss auf die Wirtschaft“, 15. August 2023, https://www.bdew.de/investitionen-energiewende-2023

