Im August 2026 hat Cleanergy Solutions Namibia gemeinsam mit CMB.TECH und O&L den Betrieb von „Hydrogen Dune“ in Walvis Bay, Namibia, aufgenommen – dem ersten vollständig integrierten, netzunabhängigen grünen Wasserstoff-Hub Afrikas. Das Projekt demonstriert, dass dezentrale Wasserstoffproduktion aus Solarenergie für Schwerlasttransport, Schifffahrt und industrielle Anwendungen im Globalen Süden realisierbar ist. Gleichzeitig wird damit Namibias Übergang von einem theoretischen Potenzialmarkt zu einem greifbaren grünen Industriestandort untermauert.
Hydrogen Dune – Afrikas erster netzunabhängiger grüner Wasserstoff-Hub
Der Standort Walvis Bay vereint eine 5-MW-Photovoltaikanlage, einen 5-MW-PEM-Elektrolyseur und einen 5,9 MWh-Batteriespeicher. Die Anlage arbeitet als reines Inselnetz, das unabhängig vom nationalen Stromnetz ist und damit eine 100 % erneuerbare Wasserstoffproduktion gewährleistet. Der produzierte Wasserstoff wird primär für die Dekarbonisierung des lokalen Transportsektors – insbesondere schwere Dual-Fuel-Lkw, Hafenkrane, Rangierlokomotiven und Versorgungs- sowie Hafenschiffe – eingesetzt.
Technische Komponenten und Lieferanten
- Elektrolyseur: Plug Power GenEco 5 MW PEM-Elektrolyseur (2025), ausgelegt für den direkten Inselnetzbetrieb mit PV und BESS.
- Wechselrichtertechnik: SMA Altenso.
- Automatisierung und Sicherheit: Siemens.
- Solarfeld: 6,5 Hektar Fläche mit ca. 7.000 Modulen, Gesamtnennleistung 5 MWp (2025).
- Batteriespeicher: 5,9 MWh Kapazität (2025).
Die Kombination aus PEM-Technologie und Inselnetz ermöglicht eine flexible Reaktion auf die hohe Fluktuation der Solarstromerzeugung und sorgt dafür, dass die Wasserstoffproduktion kontinuierlich und emissionsfrei bleibt.
Förderarchitektur und Skalierungspläne für grünen Ammoniak
Das Projekt wurde unter anderem durch das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die EU-Initiative „Global-Gateway“ finanziell unterstützt. Die wichtigsten Förderkennzahlen sind:
- 30 Millionen Euro BMBF-Projektförderung für vier H₂-Pilotprojekte in Namibia, einschließlich Cleanergy (2023).
- Geplanter Bau eines Ammoniak-Terminals mit einer Lagertankkapazität von 40.000 Tonnen im North Port von Walvis Bay, vorgesehen für Bunkering und Export nach Europa (geplant für 2025).
- Gesamtinvestitionsrahmen für das Ammoniak-Projekt: rund 3 Milliarden Euro.
Langfristig soll das Projekt von einer Anfangskapazität von 5 MW auf 250 MW und später auf 500 MW skaliert werden, um die Produktion von grünem Ammoniak für maritime Anwendungen zu ermöglichen.
HyIron Oshivela – Grünes Roheisen als industrieller Anwendungsfall
Parallel zu den Mobilitätslösungen nutzt Namibia grünen Wasserstoff für die lokale Wertschöpfung in der Metallindustrie. Das HyIron-Projekt Oshivela bei Arandis produziert seit März 2025 grünes Roheisen (DRI) mit folgenden technischen Daten:
- 12 MW-Elektrolyseur (Peric) gekoppelt an eine 25 MW-Solaranlage.
- 13,4 MWh Batteriespeicher zur Unterstützung der Elektrolyse.
- Jährliches Produktionsziel: 15.000 Tonnen DRI (2025).
- Geschätzte Wasserstoffgestehungskosten: unter 2 €/kg (2025), laut Namibia Green Hydrogen Programme.
Damit bildet das Oshivela-Projekt den zweiten Pfeiler von Namibias Wasserstoffstrategie – die direkte Veredelung mineralischer Rohstoffe vor Ort.
Globale Perspektiven: Wasserstoffspeicher in der Nordsee
Die Durham University hat das theoretische Speicherpotenzial erschöpfter Nordsee-Gas- und Ölfelder auf 3.659 TWh geschätzt (2026). Dieses Volumen entspricht mehr als sieben Jahren des projizierten britischen Stromverbrauchs im Jahr 2040. Im Vergleich dazu konzentrieren sich aktuelle britische Pläne vorwiegend auf Salzkavernen an Land, wie das Rough-Projekt mit zunächst ca. 10 TWh.
Risiken und Herausforderungen
- Diskrepanz zwischen theoretischem Speicherpotenzial und Realisierung: Die modellierten 3.659 TWh in Offshore-Poren speisen sich nicht aus bestehenden UK-Plänen, die eher auf Land-Salzkavernen setzen.
- Hohe Investitionskosten für PEM-Elektrolyseure und Inselnetze: PEM-Elektrolyseure benötigen teure Edelmetallkatalysatoren (Platin/Iridium). Ohne internationale Fördergelder und feste Abnahmegarantien bleibt die Wirtschaftlichkeit reiner Inselnetze anspruchsvoll.
Häufig gestellte Fragen
Warum setzt das Cleanergy-Projekt auf ein reines Off-Grid-Inselnetz?Das nationale Stromnetz in Namibia ist begrenzt belastbar und teilweise auf Importe angewiesen. Das Inselnetz aus 5 MW Solar und 5,9 MWh Batteriespeicher stellt sicher, dass der Wasserstoff zu 100 % aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird und unabhängig von Netzschwankungen bleibt.Wofür wird der erzeugte Wasserstoff in Walvis Bay primär eingesetzt?Der Wasserstoff dient primär der lokalen Dekarbonisierung des Transportsektors rund um den Tiefseehafen Walvis Bay, insbesondere für schwere Dual-Fuel-Lkw, Rangierlokomotiven, Hafenkrane sowie Versorgungs- und Hafenschiffe.
Fazit
Die Inbetriebnahme von „Hydrogen Dune“ markiert einen Meilenstein für die dezentrale, netzunabhängige Wasserstoffproduktion im Globalen Süden. Durch die klare technische Ausrichtung auf PEM-Elektrolyse, die Einbindung namibischer und internationaler Technologiepartner (Plug Power, SMA Altenso, Siemens) sowie die solide Förderarchitektur (BMBF, EU-Global-Gateway) wird ein skalierbares Modell geschaffen, das sowohl Mobilitäts- als auch Industrieanwendungen unterstützt. Das begleitende HyIron-Projekt zeigt, dass grüner Wasserstoff bereits jetzt industrielle Wertschöpfung ermöglichen kann. Gleichzeitig verdeutlichen globale Studien – etwa das Speicherpotenzial der Nordsee – das enorme Zukunftspotenzial, das jedoch noch durch Investitions- und Realisierungs-Herausforderungen gebremst wird. Die Kombination aus technischer Innovation, gezielter Förderung und strategischer Skalierung könnte Namibia zu einem Vorreiter für afrikanische grüne Wasserstoffökosysteme machen.

