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Großbatteriespeicher Sirius: TDTR-Vertrag, Tolling-Modell und Vattenfalls Flexibilitätsstrategie

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    Der 4-Stunden-Batteriespeicher Sirius mit einer Leistung von 200 MW und einer Speicherkapazität von 800 MWh markiert einen Meilenstein für die flexible Netzintegration in den Niederlanden. Das Projekt wird von Return Energy entwickelt und von Vattenfall über den bislang größten Tolling-Vertrag für Batteriespeicher im Land vermarktet. Die Inbetriebnahme ist für das vierte Quartal 2027 geplant.

    Der Batteriespeicher soll am Umspannwerk von Tennet in Meeden im Rahmen einer sogenannten TDTR-Vereinbarung angeschlossen werden. Diese zeitabhängigen Transportrechte (Time-Dependent Transmission Rights) garantieren dem Betreiber mindestens 85 % der Jahresstunden (mindestens 7.446 Stunden) volle Netzkapazität und ermöglichen gleichzeitig erhebliche Kosteneinsparungen bei den Netzentgelten.

    Technische Eckdaten des Sirius-Projekts

    • Leistung: 200 MW
    • Speicherkapazität: 800 MWh (4-Stunden-Speicher)
    • Netzanschluss: 220-kV-Umspannwerk Meeden (TenneT-Höchstspannungsnetz)
    • Geplante Inbetriebnahme: Q4 2027
    • Investitionsvolumen: rund 180 Mio. EUR
    • Finanzierungsrahmen: bis zu 400 Mio. EUR von fünf Banken (ING, NatWest, Deutsche Bank, ABN Amro, Rabobank)
    • Projektpartner für Technologie und Bau: Huawei, Hanab, Omexom

    Regulatorische Funktionsweise und Kostenvorteil der TDTR-Verträge

    TDTR-Verträge (ATR 85) garantieren Speicherbetreibern die Netznutzung für mindestens 85 % der Jahresstunden, also mindestens 7.446 Stunden pro Jahr. In den verbleibenden bis zu 15 % der Stunden kann TenneT bei drohenden Netzengpässen mit einer Vorankündigung von 24 Stunden die Übertragung drosseln. Im Gegenzug erhalten Betreiber stark reduzierte Netzentgelte – Einsparungen von bis zu 62 % bis 65 % im Vergleich zu den regulären, hohen kW-Kapazitätsentgelten.

    • Garantierte Verfügbarkeit: ≥ 85 % (mind. 7.446 h/Jahr)
    • Netzentgelte-Ersparnis: 62 %-65 %
    • Wegfall fester kW-Kapazitätsentgelte gegenüber Standard-Transportrechten

    Warum TDTR für Sirius entscheidend ist

    Durch das TDTR-Modell kann Sirius Netzengpässe umgehen, indem Lade- und Entladevorgänge flexibel an die verfügbare Netzkapazität angepasst werden. Gleichzeitig wird die vorhandene Höchstspannungsinfrastruktur optimal genutzt, ohne dass neue Leitungen gebaut werden müssen.

    Vattenfalls Flexibilitätsstrategie und das Vorgängerprojekt Antares

    Vattenfall verfolgt das Ziel, bis zu 1,5 GW externe Batteriespeicherkapazitäten über Tolling- und Optimierungsverträge zu bündeln, ohne die Assets selbst in der Bilanz zu führen. Das Sirius-Projekt knüpft an das frühere Antares-Projekt in Waddinxveen an, bei dem Vattenfall bereits 50 MW von einem 100 MW/200 MWh-Speicher über einen achtjährigen Vertrag vermarktet hat.

    • Antares-Partnerschaft: 50 MW / 100 MWh (von 100 MW / 200 MWh) – 8-Jahres-Vertrag, geplante Inbetriebnahme 2026
    • Strategisches Ziel Vattenfall: 1,5 GW externe Batteriespeicherkapazität (Stand 2025)

    Mit Sirius übernimmt Vattenfall erstmals die vollständige Leistung von 200 MW eines 4-Stunden-Großspeichers und nutzt die Flexibilität, um Erzeugungsspitzen aus Wind- und Solaranlagen im Day-Ahead- und Regelenergiemarkt zu optimieren.

    Netzkapazitäts-Offensive von TenneT und das niederländische Engpass-Problem

    TenneT hat durch das TDTR-Modell landesweit 9,1 GW an ungenutzter Residualkapazität im Höchstspannungsnetz freigegeben. Bei einer Warteschlange von über 70 GW an Anschlussgesuchen entfallen etwa zwei Drittel der freigegebenen TDTR-Kapazitäten auf Großbatteriespeicher wie Sirius.

    • Freigegebene TDTR-Kapazität: 9,1 GW (2025)
    • Gesamte Anschluss-Pipeline für TDTR: > 70 GW (2025)

    Risiken und Gegenmaßnahmen

    • Einschränkung der Vermarktungsfreiheit: In bis zu 15 % der Jahresstunden kann TenneT die Einspeisung drosseln, was Arbitrage-Möglichkeiten an Extrempreistagen begrenzen kann.
    • Hohe Basistarife: Trotz TDTR-Rabatten bleiben Netzentgelte von 116.000 bis 150.000 €/MW/Jahr für feste Importkapazitäten hoch, was die Wirtschaftlichkeit von eigenständigen BESS im europäischen Vergleich belastet.

    Häufig gestellte Fragen (FAQ)

    Was bedeutet eine TDTR-Vereinbarung konkret für den Betrieb des Sirius-Speichers?TenneT garantiert dem Speicher für mindestens 85 % der Jahresstunden (rund 7.446 Stunden) die volle Transportkapazität. In den restlichen bis zu 15 % der Zeit kann die Netzübertragung bei drohenden Engpässen mit einem Tag Vorlauf gedrosselt werden, wofür der Betreiber stark reduzierte Netzentgelte erhält.Welche Rolle spielt der Sirius-Speicher in der Gesamtstrategie von Vattenfall?Vattenfall mietet und optimiert externe Speicherkapazitäten via Tolling (Ziel: 1,5 GW), um die Volatilität eigener Solar- und Windparks auszugleichen und Grosshandelsarbitrage zu betreiben, ohne eigene Bilanzmittel im Anlagenbau zu binden.Auf welcher Spannungsebene wird das Projekt angeschlossen?Sirius wird am Umspannwerk Meeden direkt an das niederländische 220-kV-Höchstspannungsnetz von TenneT angebunden.

    Fazit

    Der Großbatteriespeicher Sirius demonstriert, wie zeitabhängige Transportrechte (TDTR) und langfristige Tolling-Verträge die Finanzierung und Wirtschaftlichkeit von großflächigen Batteriespeichern trotz akuter Netzengpässe ermöglichen. Durch die garantierte Netzverfügbarkeit von mindestens 85 % und mögliche Netzentgelte-Ersparnisse von bis zu 65 % wird das Projekt für Investoren attraktiv und stärkt die Flexibilitätsstrategie von Vattenfall. Gleichzeitig zeigt die TDTR-Offensive von TenneT, dass vorhandene Netzkapazitäten effizienter genutzt werden können, ohne massive Ausbauinvestitionen. Trotz verbleibender Risiken – insbesondere der möglichen Drosselung in bis zu 15 % der Stunden und hoher Basistarife – bietet Sirius ein zukunftsweisendes Modell für die Integration erneuerbarer Energien und die Optimierung von Strommärkten in den Niederlanden.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das Dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdigen Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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