Photovoltaik-Dachbrände verursachen hohe Schäden, besonders bei gewerblichen und industriellen Anlagen, wo strenge brandschutzrechtliche und versicherungstechnische Anforderungen gelten. Die neue Fireblock-Membran des norwegischen Unternehmens Bridgehill bietet als erste passive Brandschutzschicht speziell für PV-Anlagen eine Möglichkeit, das Brandrisiko auf Flach- und Steildächern zu reduzieren.
Seiteninhalte
- Warum ein spezieller Brandschutz für PV-Dächer notwendig ist
- Fireblock-Membran: Technologie und Funktionsweise
- Einbauvarianten für Flach- und Steildächer
- Kosten und Wirtschaftlichkeit
- Bridgehill – Erfahrung aus Feuerdecken für EV- und Lithiumbrände
- Zertifizierungen und offene Fragen
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Fazit
Warum ein spezieller Brandschutz für PV-Dächer notwendig ist
PV-Module können durch Lichtbögen, Überhitzung oder externe Brandquellen in Brand geraten. Im Brandfall breiten sich Flammen schnell über das Dach aus und können tragende Strukturen, Dämmstoffe und technische Installationen beschädigen. Zusätzlich führt das Eindringen von Löschwasser häufig zu Folgeschäden. Bridgehill adressiert genau diese Risiken.
Fireblock-Membran: Technologie und Funktionsweise
Intumeszenz-Mechanismus
Die Membran enthält eine Säurequelle, die bei Hitze eine mineralische Säure freisetzt. Diese Säure dehydriert einen kohlenstoffhaltigen Bestandteil, wodurch eine stabile Kohleschicht entsteht. Parallel zerfällt ein Treibmittel, setzt gasförmige Bestandteile frei und lässt die Folie stark aufblähen. Das Ergebnis ist eine mechanisch stabile, thermisch isolierende Barriere, die den Wärmeeintrag nach unten reduziert.
Temperaturwerte aus internen Tests
- Oberflächentemperatur im Brandtest: bis zu 900 °C
- Temperatur unterhalb der Membran nach 25 Minuten: ca. 150 °C
Wasserabweisende Eigenschaften
Selbst im Brandfall bleibt die Membran wasserundurchlässig und verhindert das Eindringen von Löschwasser, wodurch weitere Gebäudeschäden minimiert werden.
Hoher Albedo-Wert
Die weiße Oberfläche reflektiert einfallendes Licht zurück auf die Rückseiten bifazialer Module. Bridgehill gibt an, dass dies zu höheren Energieerträgen führen kann, wobei die genaue Steigerung von Modul- und Ausrichtungsparametern abhängt.
Einbauvarianten für Flach- und Steildächer
Bridgehill bietet mehrere Optionen, die sich an den jeweiligen Dachtyp und die Bau- bzw. Sanierungssituation anpassen:
- Top-Layer-Anwendung auf Flachdächern: Direkt unter der PV-Anlage auf der bestehenden Abdichtung verlegt – geeignet für Neubauten und Nachrüstungen.
- Integration unter der Dachabdichtung: Zwischen Dämmung und Abdichtung eingebaut, schützt brennbare Dämmstoffe – primär für Neubauten oder umfangreiche Sanierungen.
- Einsatz bei Steildächern mit Bitumenabdichtung: Unter oder über der Bitumenbahn integrierbar; für Neubauten, Komplettsanierungen oder Bestandsdächer als Nachrüstlösung.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Die Installationskosten werden von Bridgehill mit rund 30 €/m² angegeben. Neben dem reinen Brandschutz bietet die hohe Albedo-Reflexion potenzielle Ertragssteigerungen, was die Gesamtkosten-Wirkungs-Bilanz weiter verbessert.
Bridgehill – Erfahrung aus Feuerdecken für EV- und Lithiumbrände
Bridgehill ist bereits seit 2024 Hersteller von Feuerdecken für Elektrofahrzeuge und Lithium-Batterie-Brände. Diese Produkte basieren auf einem Pyroxen-Kern, der Temperaturen von ±2500 °C standhält. Die Fireblock-Membran nutzt vergleichbare intumeszierende Technologien.
- Kurzzeit-Temperaturbeständigkeit vergleichbarer Produkte (z. B. Car Pro X Feuerdecke): ±1600 °C.
- Zertifizierungen ähnlicher Produkte: NFPA 701-2019 und DIN SPEC 91489.
Diese Daten untermauern die Robustheit der Fireblock-Membran, obwohl spezifische PV-Zertifizierungen noch ausstehen.
Zertifizierungen und offene Fragen
Aktuell liegen nur interne Tests vor. Unabhängige, PV-spezifische Zertifizierungen sind (Stand Februar 2026) noch nicht verfügbar. Kritische Punkte:
- Fehlende unabhängige PV-Zertifikate – für Versicherungs- und behördliche Anerkennung entscheidend.
- Norwegische Brandschutzanforderungen können von deutschen Vorgaben abweichen; lokale Zulassungen sind erforderlich.
Bridgehill arbeitet an länderspezifischen Zertifizierungen und detaillierten Prüfberichten, die mit der Markteinführung veröffentlicht werden sollen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Welche Zertifizierungen hat die Fireblock-Membran? Aktuell nur interne Tests; länderspezifische Zertifizierungen (z. B. nach DIN/EN-Normen) befinden sich in Vorbereitung. Ähnliche Produkte erfüllen NFPA 701-2019 und DIN SPEC 91489.
- Steigert die Folie wirklich PV-Erträge? Die weiße, hochreflektierende Oberfläche erhöht den Albedo-Wert und kann bei bifazialen Modulen die Erträge erhöhen. Die genaue Steigerung hängt von Modultyp und Ausrichtung ab.
- Sind unabhängige Tests verfügbar? Für die Fireblock-Membran liegen bislang nur interne Brandtests vor (900 °C oben, 150 °C unten). Für Feuerdecken existieren externe Tests; PV-Zertifikate folgen mit Markteinführung.
Fazit
Die Bridgehill Fireblock-Membran kombiniert eine bewährte intumeszierende Technologie aus dem Bereich Feuerdecken mit spezifischen Merkmalen für Photovoltaik-Dachanlagen. Interne Tests zeigen, dass die Membran bei Oberflächentemperaturen von bis zu 900 °C die darunterliegenden Strukturen auf 150 °C begrenzt – ein signifikanter Beitrag zur Schadensbegrenzung. Die Möglichkeit, die Folie sowohl auf Flach- als auch auf Steildächern zu integrieren, sowie die moderate Installationskosten von etwa 30 €/m², machen das Produkt attraktiv für Gewerbe- und Industrie-Projekte. Gleichzeitig bleiben offene Fragen hinsichtlich unabhängiger PV-Zertifizierungen und der Anpassung an deutsche Brandschutzanforderungen. Solange diese Punkte geklärt sind, bietet die Fireblock-Membran eine vielversprechende Lösung, um das Brandrisiko von PV-Anlagen zu senken und gleichzeitig durch hohen Albedo-Wert potenzielle Ertragssteigerungen zu erzielen.

