Die Bundesnetzagentur hat am 1. Dezember 2025 die Ausschreibung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen abgeschlossen. Trotz eines stark überzeichneten Ausschreibungsvolumens von 2.328 MW wurden 262 Gebote mit einer Gesamtleistung von 2.341 MW bezuschlagt. Die Zahl der eingereichten Gebote verdoppelte sich im Vergleich zur Vorrunde, während die durchschnittlichen Zuschlagswerte leicht anstiegen. Diese Entwicklung liefert wichtige Hinweise auf das Marktvertrauen, regionale Schwerpunkte und regulatorische Rahmenbedingungen der deutschen Solarenergie.
Doppelte Gebotsbeteiligung – ein starkes Signal für den Solarmarkt
Die Dezember-Runde verzeichnete eine beachtliche Steigerung der Teilnahme:
- Gesamtzahl eingereichter Gebote: 634 (gegen etwa 300 in der Vorrunde, +100 %)
- Gesamtkapazität der eingereichten Angebote: 5.247 MW
- Bezuschlagte Gebote: 262
- Bezuschlagte Leistung: 2.341 MW
- Ausgeschlossene Gebote wegen Formfehlern: 61
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, betont, dass die mehr als doppelte Zahl der Gebote im Vergleich zur Vorrunde ein deutliches Zeichen für die Attraktivität der Ausschreibungen sei, trotz bestehender regulatorischer Unsicherheiten.
Preisentwicklung trotz stärkerer Konkurrenz
Entgegen der Erwartung, dass mehr Wettbewerb zu sinkenden Preisen führt, stieg der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert leicht an:
- Durchschnittlicher Zuschlagswert Juli 2025 (Vorrunde): 4,84 ct/kWh
- Durchschnittlicher Zuschlagswert Dezember 2025: 5,00 ct/kWh (Anstieg +3,3 %)
- Bandbreite der akzeptierten Zuschläge: 4,40 – 5,30 ct/kWh
Der leichte Anstieg wird auf steigende Projektkosten zurückgeführt – insbesondere höhere Materialpreise, Fachkräftemangel und Logistikkosten – die den Wettbewerbsdruck teilweise kompensieren.
Regionale Verteilung und Flächennutzung
Die Vergabe zeigte klare regionale Schwerpunkte:
- Bayern: 112 Zuschläge, 901 MW (ca. 38,5 % der bezuschlagten Leistung)
- Sachsen-Anhalt: 24 Zuschläge, 282 MW
- Brandenburg: 16 Zuschläge, 216 MW
Die Bundesnetzagentur gab zudem Auskunft über die geplanten Flächenkategorien:
- Randstreifen entlang von Autobahnen und Schienenwegen: 125 Zuschläge, 1.150 MW
- Acker- und Grünlandflächen in benachteiligten Gebieten: 88 Zuschläge, 874 MW
- Besondere Solaranlagen (Dual-Use-Konzepte wie Agri-PV): 30 Zuschläge, 204 MW
Besondere Solaranlagen – Agri-PV und Haflanlagen
Die 30 Zuschläge für sogenannte besondere Solaranlagen stehen für ein wachsendes Segment, das Flächenkonkurrenz zwischen Landwirtschaft und Energiewende adressiert. Mit 204 MW entfallen auf sie knapp 9 % der bezuschlagten Leistung.
Langfristige Realisierungsquoten und Ausblick für 2026
Historische Daten der Bundesnetzagentur zeigen, dass nicht alle bezuschlagenen Kapazitäten tatsächlich umgesetzt werden:
- Realisierungsrate bei PV- Freiflächen (2024): 82,39 % – 86,01 %
- Erwartete fertige Leistung aus den 2.341 MW: rund 1.930 bis 2.010 MW
Für das kommende Jahr ist bereits die nächste Ausschreibungsrunde geplant:
- Stichtag 1. März 2026 – vorgesehenes Volumen: 2.294 MW
- Maximale Projektgröße bleibt bei 20 MW, solange die EU-Beihilfegenehmigung für das Solarpaket I aussteht
- Höchstwert für Gebote in der März-Runde: 5,79 ct/kWh
Die anhaltende Beschränkung auf 20 MW pro Projekt führt zu einer künstlichen Fragmentierung des Marktes und verhindert Effizienzgewinne größerer Anlagen.
Risiken und kritische Punkte
Mehrere Faktoren können die positive Entwicklung bremsen:
- Fehlende EU-Genehmigung des Solarpaket I – Fragmentierung des Marktes und Begrenzung der Projektgröße
- Realisierungsquote – etwa 330 bis 410 MW der bezuschlagenen Leistung könnten nicht umgesetzt werden
- Preissteigerung trotz höherer Konkurrenz – Hinweis auf steigende externe Kosten (Material, Fachkräfte, Land)
- Starke regionale Konzentration (Bayern fast 40 % der Leistung) – mögliche Engpässe im Netz und in der Flächenverfügbarkeit anderer Bundesländer
FAQ
Warum stiegen die Preise trotz verdoppelter Gebotszahl?
Die Erhöhung von 4,84 ct/kWh auf 5,00 ct/kWh spiegelt steigende Projektkosten wider, die stärker wirken als der erhöhte Wettbewerbsdruck.
Wie viel von den 2.341 MW wird tatsächlich gebaut?
Historisch werden 82-86 % realisiert, also voraussichtlich rund 1.930 bis 2.010 MW (82,4 bis 86,0 % von 2.341 MW).
Wann wird die EU-Genehmigung für höhere Projektgrößen erwartet?
Der Artikel gibt keine konkrete Frist; die Genehmigung hängt vom europäischen Beihilfe-Verfahren ab.
Wie groß sind die 30 besonderen Solaranlagen (Agri-PV)?
Laut Bundesnetzagentur zusammen 204 MW, also knapp 9 % der bezuschlagten 2.341 MW.
Warum dominiert Bayern so stark?
Bayern verfügt über große verfügbare Freiflächen, hohe Globalstrahlung und eine etablierte Solarindustrie, was zu 901 MW (38,5 %) führt.
Wann ist die nächste Ausschreibungsrunde?
Die nächste Freiflächenrunde startet am 1. März 2026 mit einem geplanten Volumen von 2.294 MW.
Fazit
Die PV-Ausschreibung vom 1. Dezember 2025 markiert eine deutliche Erholung nach einer Phase rückläufiger Gebote. Die Verdopplung der Teilnahme und das leichte Anziehen der Zuschlagswerte zeigen ein robustes Marktvertrauen, das jedoch durch regulatorische Hürden – insbesondere das noch ausstehende EU-Verfahren zum Solarpaket I – und die begrenzte Projektgröße von 20 MW eingeschränkt wird. Regionale Schwerpunkte, vor allem in Bayern, sowie die wachsende Bedeutung von Dual-Use-Konzepten wie Agri-PV verdeutlichen die Vielschichtigkeit der Flächennutzung. Gleichzeitig bleibt zu beachten, dass nur etwa 82-86 % der zugesagten Leistung voraussichtlich realisiert werden. Die kommende Ausschreibungsrunde 2026 wird zeigen, ob die positive Dynamik anhält und ob die EU-Genehmigung die strukturellen Beschränkungen auflöst, um größere, effizientere Solarprojekte zu ermöglichen.

