Die geplanten Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und im Netzanschlusspaket könnten die Investitionsbereitschaft im Photovoltaik-Sektor stark beeinträchtigen. Laut einer Umfrage des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) würden 60 % der potenziellen Investoren bei den aktuellen Vorschlägen des Wirtschaftsministeriums die Installation von Solaranlagen aufgeben. Gleichzeitig soll die Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen entfallen und die zulässige Einspeiseleistung auf 50 % begrenzt werden. Diese Maßnahmen stellen die Erreichung der Klimaziele und die wirtschaftliche Tragfähigkeit der dezentralen Energiewende in Frage.
(Stand Oktober 2026: Inzwischen liegt ein Regierungsentwurf vor, Kabinettsbeschluss am 29.07.2026, Bundestag-Drucksache 21/7867; beschlossen ist er noch nicht. Danach soll die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen nicht sofort entfallen: Vorgesehen ist eine Übergangszahlung von rechnerisch 5,2 ct/kWh für höchstens 36 Monate, danach Direktvermarktung, gestaffelt nach Anlagengröße; für Anlagen unter 25 kW ist ein Direktvermarktungsbonus von 1,5 ct/kWh für vier Jahre geplant. Die Einspeisegrenze von 50 % für kleine und mittlere Dachanlagen ist weiter vorgesehen. Bestandsanlagen behalten ihre Vergütung.)
Kernpunkte der geplanten EEG-Novelle
- Streichung der Einspeisevergütung für Klein-PV-Anlagen.
- Begrenzung der Einspeiseleistung kleiner Anlagen auf 50 %.
- Verlagerung des Fokus auf kostengünstigere Freiflächen-Photovoltaik.
- Abschaffung der bisherigen Zuschläge für Volleinspeisung.
- Einführung eines einheitlichen, anlagengrößenunabhängigen Fördersatzes.
Auswirkungen auf Investoren und Markt
Die Konsequenzen der Novelle lassen sich anhand mehrerer Kennzahlen verdeutlichen:
- 60 % der potenziellen Investoren würden bei Umsetzung der Vorschläge keine Solaranlagen mehr installieren.
- Eine Wachstumsprognose für den PV-Sektor sieht einen Rückgang von -20 % im Jahr 2026, sofern die neuen Regelungen gelten.
- Die geplante Begrenzung der Einspeiseleistung könnte die Rentabilität kleiner Anlagen deutlich verringern, weil Überschüsse künftig nur über Direktvermarktung verkauft werden dürfen.
Jörg Ebel, Präsident von BSW-Solar, betont, dass die Streichung der Vergütung „die Erreichung der Klimaziele“ ernsthaft gefährden könnte, weil weniger Menschen in Solarenergie investieren würden.
Studien und Umfragen
Die BSW-Solar-Umfrage liefert den wichtigsten Messwert: ein Prozentsatz von 60 % der Investoren, die bei den neuen Regelungen von einer Installation absehen würden (Jahr 2026). Dieser Wert unterstreicht die Dringlichkeit, die geplanten Maßnahmen kritisch zu prüfen.
Netzanschlusspaket und Redispatch-Vorbehalt
Parallel zur EEG-Novelle steht das Netzanschlusspaket, das den sogenannten Redispatch -Vorbehalt festschreibt. Dieser ermöglicht Netzbetreibern, Anlagen in definierten Netzabschnitten im Bedarfsfall ohne Entschädigung abzuregeln. Die offizielle Definition lautet:
Der Redispatch-Vorbehalt ermöglicht es Netzbetreibern, Anlagen ohne Entschädigung abzuregeln, was die Sicherheit des Netzes erhöhen soll, aber die Rentabilität für Betreiber mindern kann.
Betroffen sind davon vor allem große Anlagen in Netzengpassgebieten. Für Betreiber kleiner PV-Anlagen liegt die finanzielle Belastung eher im geplanten Wegfall der festen Einspeisevergütung.
Statistische Rahmenbedingungen
- Angestrebter Anteil erneuerbarer Energien am Strommix bis 2030: 80 %.
Risiken für Energiepreise und Klimaziele
Ein zentrales Gegenargument der Kritiker lautet, dass die fehlende Vergütung zu einer Überlastung der Energiepreise führen könnte. Ohne ausreichende Investitionen in erneuerbare Erzeugung könnten die Strompreise steigen, weil weniger dezentrale Solarenergie ins Netz eingespeist wird. Dies würde nicht nur private Haushalte belasten, sondern auch die Erreichung des 80-Prozent-Ziels für 2030 gefährden.
Was bedeutet der Redispatch-Vorbehalt?
Der Redispatch-Vorbehalt ermöglicht es Netzbetreibern, Anlagen ohne Entschädigung abzuregeln, was die Sicherheit des Netzes erhöhen soll, aber die Rentabilität für Betreiber mindern kann.
Fazit
Die EEG-Novelle und das begleitende Netzanschlusspaket stellen zentrale Stellschrauben für die Zukunft der deutschen Photovoltaik dar. Die geplante Streichung der Einspeisevergütung für kleine Anlagen, die Begrenzung der Einspeiseleistung auf 50 % und der Redispatch-Vorbehalt könnten laut vorhandenen Daten bis zu 60 % der potenziellen Investoren abschrecken und das Wachstum des PV-Marktes um rund 20 % reduzieren. Gleichzeitig bleibt das Ziel, bis 2030 einen Anteil von 80 % erneuerbarer Energien am Strommix zu erreichen, bestehen – ein Ziel, das unter den vorgestellten Rahmenbedingungen stark gefährdet erscheint. Die vorliegenden Zahlen und Zitate aus der BSW-Solar-Umfrage, den Aussagen von Ministerin Katherina Reiche sowie den Stellungnahmen des BDEW und anderer Akteure verdeutlichen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Abwägung. Ohne Anpassungen, die die Wirtschaftlichkeit kleiner PV-Anlagen erhalten, droht ein Rückgang der Investitionen, steigende Strompreise und ein möglicher Verfehlung der Klimaziele.

