Während Eigentümer von Eigenheimen mit Photovoltaik-Anlagen und Heimspeichern flexibel auf schwankende Börsenstrompreise reagieren können, waren Mieter bislang von dynamischen Tarifen und Arbitragegewinnen weitgehend ausgeschlossen. Rabot Energy hat 2026 ein Konzept vorgestellt, das mit einem mobilen AC-Batteriespeicher und einer proprietären Cloud-API genau diese Lücke schließt – und das ohne ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) am Mietobjekt.
Regulatorische Abrechnungshürden ohne Smart-Meter-Gateway (iMSys)
Nach dem Energiewirtschaftsgesetz (§ 41a EnWG) und dem Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) muss eine zeitvariable Abrechnung auf 15-Minuten-Basis ein BSI-zertifiziertes Smart-Meter-Gateway nutzen. Ohne ein solches iMSys rechnen Versorger nach dem Standardlastprofil (SLP) oder monatlichen Spot-Markt-Mittelwerten ab. Rabot Energy umgeht diese Vorgabe, indem die Ersparnis über interne Rückvergütungen und Boni auf Basis der Telemetriedaten des Marstek-Speichers erfolgt.
Gesetzliche Angebotspflicht dynamischer Tarife (§ 41a EnWG)
- Verpflichtend für alle Stromlieferanten ab 2025
- Gilt unmittelbar nur für Letztverbraucher mit intelligentem Messsystem
Wie funktioniert die Abrechnung ohne Smart Meter?
Der Stromverbrauch wird weiterhin über das monatliche Standardlastprofil abgerechnet. Der Rabatt bzw. die Ersparnis wird dem Kunden vom Versorger anhand der digitalen Ladedaten der herstellereigenen Marstek-App gutgeschrieben.
Schleppender Rollout als Markttreiber für Speicher-Überbrückungslösungen
Der flächendeckende Einbau intelligenter Messsysteme ist erst ab 2025 für Privathaushalte mit einem Jahresverbrauch unter 6.000 kWh gesetzlich möglich – und das nur auf Antrag. Die Bundesnetzagentur berichtete zum Jahreswechsel 2025/2026, dass die Quote bei Pflicht-Einbaufällen 23,3 % betrug, während die Gesamtquote aller Messstellen lediglich 4 % bis 5,5 % lag. Im März 2026 wurden 77 Aufsichtsverfahren gegen Messstellenbetreiber wegen Verzögerungen eröffnet.
Smart-Meter-Quote 2025/2026
- Gesamtquote aller Messstellen: ca. 4 % – 5,5 % (2025)
- Quote bei Pflichteinbaufällen: 23,3 % (Stichtag 31.12.2025)
Aufsichtsverfahren der BNetzA
- 77 Verfahren gegen Messstellenbetreiber (2026)
Produktspezifikation des Marstek Venus A Speichersystems
Der von Marstek gelieferte Venus A ist ein steckerfertiger AC-Batteriespeicher, der über eine normale Haushaltssteckdose geladen und entladen wird. Er wurde speziell für die Nutzung in Mietwohnungen konzipiert.
- Kapazität: 2,12 kWh (LiFePO₄-Zellchemie)
- Zyklenfestigkeit: > 6.000 Ladezyklen
- Bidirektionaler Wechselrichter: 1,5 kVA
- Verkaufspreis via Rabot Flow: ca. 400 € (Selbstkostenpreis, UVP regulär 699 €)
- Round-Trip-Wirkungsgrad: ca. 80 %
API-Einschränkungen und technische Hintergründe
Marstek war der einzige Hersteller, der Rabot Energy eine offene Cloud-API zur Fernsteuerung des Speichers bereitstellte. Andere Hersteller wie Eco Flow oder Anker zeigten kein Interesse an einer speziellen API-Anbindung. Ohne diese Schnittstelle wäre eine physische Steuerung an den intelligenten Zähler im Keller nötig – ein Ansatz, der in Mehrfamilienhäusern wegen gemeinsamer Kellerräume praktisch unmöglich ist.
Durch die proprietäre Cloud-API kann Rabot Energy die Be- und Entladezyklen des 2,12 kWh-Speichers aus der Ferne steuern, die Daten aus der Marstek-App auslesen und die daraus resultierenden Einsparungen als Gutschrift an die Mieter auszahlen.
Wirtschaftlichkeit für Mieter – Einsparungen und Amortisation
Rabot Energy rechnet für Mieter ohne eigene PV-Anlage mit jährlichen Einsparungen von 120 € bis 130 € dank dynamischer Tarife und automatisierter Arbitrage. Bei einem Einstiegspreis von rund 400 € und einem Wirkungsgrad von 80 % wird eine Amortisation innerhalb von drei bis vier Jahren prognostiziert.
- Geschätzte jährliche Ersparnis: 120 € – 130 €
- Amortisationszeitraum: 3-4 Jahre
- Keine baulichen Änderungen nötig – keine Genehmigung des Vermieters erforderlich
Risiken und Gegenmaßnahmen
- Wirkungsgradverluste bei AC-gekoppelten Kleinspeichern: Round-Trip-Verluste von 15-20 % reduzieren die effektive Preisdifferenz zwischen Niedrig- und Hochpreis-Stunden.
- Abhängigkeit von herstellerspezifischen Cloud-APIs: Fällt die Server-Infrastruktur von Marstek aus oder ändern sich die Schnittstellenkonditionen, verliert Rabot Energy die Möglichkeit zur automatisierten Steuerung, weil keine herstellerunabhängige BSI-Standardkommunikation genutzt wird.
FAQ – häufig gestellte Fragen
Wie kann Strom ohne Smart Meter zeitdynamisch vergütet werden?Der Verbrauch wird weiterhin über das monatliche Standardlastprofil abgerechnet. Der Rabatt wird anhand der digitalen Ladedaten der Marstek-App gutgeschrieben.Benötigt der Marstek Venus A eine Genehmigung durch den Vermieter?Da es sich um ein mobiles Plug-and-Play-Gerät handelt, das über eine Steckdose betrieben wird und keine baulichen Veränderungen erfordert, ist in der Regel keine Genehmigung des Vermieters nötig.Lohnt sich das System auch an Tagen mit geringer Preisvolatilität an der Strombörse?An Tagen mit geringem Wind- und Sonnenstromaufkommen sind die Börsenschwankungen oft zu klein, um nach Abzug der Lade- und Entladeverluste einen Reingewinn zu erwirtschaften; das System pausiert in solchen Phasen die Arbitrage.
Fazit
Der steckerfertige Marstek Venus A ermöglicht es Mietern, trotz fehlender Smart-Meter-Infrastruktur von dynamischen Stromtarifen zu profitieren. Durch die Kombination aus einer offenen Cloud-API, günstigen Selbstkostenpreisen und einer klar kalkulierten Amortisationszeit von drei bis vier Jahren senkt das Konzept die Eintrittsbarriere für die dezentrale Energiewende erheblich. Gleichzeitig verdeutlicht die aktuelle Smart-Meter-Quote, dass Regulatorische Hürden und langsame Rollouts die Notwendigkeit von Überbrückungslösungen wie dem Rabot-Flow-Speichersystem erklären. Trotz technischer Risiken – vor allem Wirkungsgradverluste und die Abhängigkeit von einer proprietären API – bietet das Modell einen praktikablen Weg, Mietern ohne PV-Anlage messbare Kosteneinsparungen zu ermöglichen und gleichzeitig die Netzstabilität zu unterstützen.

