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Seris demonstriert 22,1 % effiziente Perowskit-Silizium-Tandemzelle mit doppelseitiger TOPCon-Architektur

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    Am 3. März 2026 präsentierten Forscher des Solar Energy Research Institute of Singapore (SERIS) eine 16 cm² große Perowskit -Silizium-Tandemsolarzelle, die dank einer doppelseitigen TOPCon -Architektur (DS-TOPCon) eine zertifizierte Leistungsumwandlungseffizienz von 22,1 % erreichte. Die Arbeit kombiniert eine verbesserte Passivierung, ein symmetrisches Kontaktdesign und vollständig screen-gedruckte Metallkontakte, um industrielle Fertigungskompatibilität zu demonstrieren – ein entscheidender Schritt hin zur kommerziellen Realisierung hocheffizienter Tandem-Photovoltaik.

    Ergebnisse der 16 cm² DS-TOPCon-Tandemzelle

    Die wichtigsten Kenngrößen des Prototyps lauten:

    • Leistungsumwandlungseffizienz (PCE): 22,1 %
    • Aktive Zellfläche: 16 cm²
    • Offen-Circuit-Spannung (Uoc): 1,727 V
    • Kurz-Circuit-Stromdichte (Jsc): 17,9 mA cm⁻²
    • Füllfaktor (FF): 71,7 %
    • Effizienz der unteren TOPCon-Zelle: 16,7 %

    Die Kombination aus hoher Spannung und verbessertem Füllfaktor resultiert aus der Reduktion von Rekombinationsverlusten durch die doppelseitige Passivierung.

    Doppelseitige TOPCon-Technologie – Funktionsweise und Vorteile

    Unterschied zu einseitiger TOPCon (SS-TOPCon)

    Standard-TOPCon verwendet eine stark boron-dotierte Vorderfläche und einen Phosphor-dotierten Polysilizium-Stack auf der Rückseite. Bei DS-TOPCon wird die vordere Boron-Emitter-Schicht durch ein Silizium-Oxid-Layer (SiOx) und boron-dotiertes Polysilizium ersetzt. Dieser symmetrische Aufbau reduziert Rekombination, erhöht die offene Spannung und verbessert den Füllfaktor.

    • Reduzierte Rekombination an beiden Kontaktseiten
    • Symmetrische, voll passivierte Struktur erhöht mechanische Stabilität
    • Ermöglicht flexible Perowskit-Deposition (nip oder pin)
    • Komplexere und kostenintensivere Fertigung im Vergleich zu SS-TOPCon

    Industrielle Fertigungskompatibilität

    Der Prototyp wurde mit ausschließlich industrietauglichen Prozessen realisiert:

    • Verwendung von M2-großen Cz-Silizium-Wafern, die industriell üblich sind
    • Screen-gedruckte Silber-Kontakte, bei 200 °C ausgehärtet
    • Heißes ITO-Sputtern (ca. 75 nm) auf beiden Seiten mittels industrieller DC-Magnetron-Werkzeuge
    • Low-Pressure Chemical Vapour Deposition (LPCVD) für die Polysilizium-Schichten
    • In-situ-Annealing nach ITO-Abscheidung, das die Passivierung optimiert

    Diese Prozesskette entspricht bestehenden Silizium-Produktionslinien und ermöglicht eine direkte Integration in Pilot- und später in Großserienfertigung.

    Vergleich mit anderen SERIS-Erfolgen

    Während die 22,1 %-Zelle die größte DS-TOPCon-Tandemzelle mit industriellen Cz-Wafern darstellt, hat SERIS in parallelen Forschungszweigen deutlich höhere Effizienzen erzielt:

    • Perowskit-organische Tandemzelle (1 cm², zertifiziert): 26,4 %
    • Vapor-deposited Perowskit-Silizium-Tandem auf industriell texturierten Wafern: 31,3 %
    • Labor-Scale-Rekord (nicht zertifiziert): ca. 35 %

    Der Unterschied zwischen den Labor-Records und dem industriell skalierbaren 16 cm²-Prototypen verdeutlicht den üblichen Effizienzverlust beim Übergang von Kleinstzellen zu größeren, herstellungsrelevanten Flächen. SERIS positioniert die 22,1 %-Zelle bewusst als Meilenstein für Skalierbarkeit statt als absoluten Effizienz-Record.

    Stabilität und Langzeitbetrieb

    Ein zentraler Kritikpunkt an Perowskit-Technologien ist die Langzeitstabilität. Aktuelle Daten von SERIS und NUS zeigen erhebliche Fortschritte:

    • Operative Lebensdauer (T₉₀) bei 85 °C: >1400 Stunden
    • Leistungsrückhalt nach 1400 Stunden bei 85 °C: >90 % der Anfangseffizienz
    • Kontinuierlicher 1-Sonnen-Betrieb ohne signifikanten Leistungsverlust

    Diese Werte übertreffen historische Grenzen (≈200 h bei 85 °C) und stärken die Argumentation, dass die 22,1 %-Zelle nicht nur effizient, sondern auch für den realen Einsatz robust ist.

    Marktperspektive und urbane Anwendungen

    Die höhere Leistungsdichte von Perowskit-Silizium-Tandems (22-35 % gegenüber ca. 22 % bei einlagigen Siliziumzellen) macht sie besonders attraktiv für platzbeschränkte städtische Installationen – ein Fokus, den Erik Spaans im Originalartikel betont.

    • 40-50 % höhere Leistungsdichte ermöglicht mehr Energie pro Quadratmeter auf Dächern und Fassaden
    • Leichtes, potenziell flexibles Formfaktor-Design unterstützt Building-Integrated Photovoltaics (BIPV)
    • Mechanische Eigenschaften vergleichbar mit herkömmlichen Siliziumzellen – erleichtert „Drop-in“-Ersetzung

    Die 4-Terminal-Architektur (4T) erlaubt eine unabhängige Optimierung von Perowskit- und Silizium-Untersystemen und lässt sich in bestehende Silizium-Produktionslinien integrieren. Analysten prognostizieren einen kommerziellen Durchbruch ab ca. 2030, wenn Erstgeneration-Siliziummodule ihr Lebensende erreichen und Skaleneffekte die Kosten senken.

    Risiken und Gegenargumente

    • DS-TOPCon ist komplexer und teurer in der Fertigung als das etablierte SS-TOPCon, was die Marktdurchdringung verlangsamen könnte.
    • Die 22,1 %-Effizienz liegt deutlich unter den Labor-Records von 31-35 %, was den typischen Effizienz-Abschlag bei Skalierung verdeutlicht.
    • Obwohl die aktuelle Stabilität beeindruckend ist, beruhen die Daten noch auf Labor- und Pilot-Tests; Langzeit-Validierung im Feld bleibt erforderlich.
    • Breitbandgap-Perowskite zeigten historisch beschleunigte Degradation; die jüngsten Fortschritte müssen unabhängig bestätigt werden.

    FAQ

    Was ist double-sided TOPCon (DS-TOPCon) und wie unterscheidet es sich von Standard-TOPCon?

    Standard-TOPCon nutzt einen stark boron-dotierten Front-Emitter und einen Phosphor-dotierten Polysilizium-Stack auf der Rückseite. DS-TOPCon ersetzt den Front-Emitter durch ein SiOx-Layer kombiniert mit boron-dotiertem Polysilizium, wodurch das Gerät symmetrisch wird, Rekombination reduziert und Spannung sowie Füllfaktor steigen. Der Herstellungsaufwand ist jedoch höher.

    Warum gilt eine Effizienz von 22,1 % als Meilenstein, obwohl SERIS höhere Werte in anderen Tandem-Architekturen erzielt hat?

    Die 22,1 %-Zelle demonstriert, dass hohe Effizienz auf einer größeren Fläche (16 cm²) mit vollständig industriell kompatiblen Prozessen – screen-gedruckte Kontakte, industrielle Cz-Wafer und Heiß-ITO – erreicht werden kann. Labor-Records basieren häufig auf spezialisierten, nicht skalierbaren Techniken. Damit ist die 22,1 %-Zelle ein strategischer Schritt zur Kommerzialisierung.

    Welche Fertigungsvorteile bietet DS-TOPCon für Perowskit-Silizium-Tandems?

    Die symmetrische, voll passivierte Struktur ermöglicht die direkte Integration des Perowskit-Absorbers, erlaubt sowohl nip- als auch pin-Architekturen und nutzt niedrig-temperaturige Metallisation, wodurch industrielle Prozesse wie das Screen-Printing ohne thermische Belastung des Perowskits eingesetzt werden können.

    Wann werden Perowskit-Silizium-Tandem-Solarzellen voraussichtlich kommerziell verfügbar sein?

    Analysten sehen einen signifikanten Marktauftritt ab etwa 2030, wenn die Kosten durch Skaleneffekte sinken und die Lebensdauer der ersten Generation-Siliziummodule endet. Pilot-Produktionslinien sind bereits in Betrieb, aber die breite Marktreife hängt von Kostenreduktion und Langzeit-Stabilitätsnachweisen ab.

    Wie langlebig sind diese Tandemzellen im realen Einsatz?

    Aktuelle Studien zeigen, dass Geräte nach 1400 Stunden bei 85 °C noch mehr als 90 % ihrer Anfangseffizienz behalten. Das ist ein bedeutender Fortschritt gegenüber früheren Grenzen, doch Feld-Tests über mehrere Jahre sind noch ausstehend.

    Fazit

    Die von SERIS präsentierte 16 cm² große Perowskit-Silizium-Tandemzelle mit DS-TOPCon-Bottom-Cell markiert einen wichtigen Schritt von der Labor- zur Industrie-Skala. Mit einer zertifizierten Effizienz von 22,1 % zeigt das Gerät, dass hohe Leistung, verbesserte Stabilität (>1400 h bei 85 °C, >90 % Effizienz-Erhalt) und industrielle Fertigungskompatibilität – darunter screen-gedruckte Kontakte und Heiß-ITO – gleichzeitig realisierbar sind. Parallel dazu hat SERIS bereits höhere Effizienzen in kleineren, spezialisierten Tandems (26,4 % bis 31,3 %) erzielt, wodurch die aktuelle Arbeit als bewusster Kompromiss zwischen Rekord-Effizienz und Skalierbarkeit zu verstehen ist. Die Kombination aus höherer Leistungsdichte, mechanischer Kompatibilität zu bestehenden Siliziummodulen und einer klaren Roadmap bis etwa 2030 positioniert Perowskit-Silizium-Tandems als vielversprechende Lösung für urbane Anwendungen und den zukünftigen PV-Markt, obwohl noch Herausforderungen in Fertigungskosten, Skalierung und langfristiger Feldstabilität bestehen.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das Dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdigen Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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