Der rasante Boom künstlicher Intelligenz treibt den Strom- und Leistungsbedarf digitaler Infrastrukturen in bislang ungeahnte Dimensionen. Netzanschlussengpässe, CO₂-Ziele und die Notwendigkeit dezentraler Speicher machen spezialisierte Leistungselektronik, Vor-Ort-Grünstrom und innovative PPA-Modelle zu Schlüsselkomponenten für den Aufbau neuer Rechenzentren. PV-Spezialisten, Stromhändler und Großinvestoren reagieren mit maßgeschneiderten Lösungen, die sowohl die technische Effizienz als auch die Nachhaltigkeit erhöhen.
Wachstum des Strombedarfs deutscher Rechenzentren
Bis 2025 lag der Stromverbrauch deutscher Rechenzentren bei rund 21,3 Milliarden Kilowattstunden (TWh) und einer installierten IT-Anschlussleistung von 2.980 MW. Der Digitalverband Bitkom prognostiziert für 2030 einen Anstieg auf 25-35 TWh, getrieben vor allem durch energieintensive KI-Workloads. Diese makroökonomischen Kennzahlen verdeutlichen, warum ein flächendeckender Netzausbau und flexible Beschaffungsmodelle für Grünstrom systemrelevant werden.
SMA Solar Technology: Umsatz- und Technologieziele 2027
SMA positioniert sich mit einem eigenen Portfolio für die Stromversorgung von KI- und Hyperscale-Rechenzentren. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet das Unternehmen einen Umsatz im mittleren bis hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich ( 50-90 Mio. EUR ). Das Portfolio umfasst drei zentrale Bausteine:
- GridAssist – batteriebasierte Architektur zur Lastglättung und Netzqualitätsstabilisierung.
- GridLink AC – Mittelspannungs-USV, die Rechenzentrumslasten vom Netz entkoppelt und Engpässe bei der Netzanbindung überwindet.
- GridLink DC – 800-Volt-Gleichstrom-Lösung, die ab 2027 auf den Markt kommt und interne Wandlungsverluste drastisch reduziert.
GridAssist: Batteriebasierte Lastglättung
Die GridAssist-Lösung nutzt stationäre Batterien, um Schwankungen im Stromverbrauch auszugleichen, die Netzqualität zu stabilisieren und die Einhaltung von Netzvorschriften zu gewährleisten. Sie unterstützt Betreiber dabei, lokale Netzüberlastungen zu vermeiden und gleichzeitig die Nutzung erneuerbarer Energien zu maximieren.
GridLink AC: Mittelspannungs-USV für Netzentkopplung
Mit GridLink AC bietet SMA eine Mittelspannungs-USV-Architektur, die die Lasten von Rechenzentren vom öffentlichen Netz entkoppelt. Das System ermöglicht einen stabilen Betrieb selbst bei Engpässen in der Netzinfrastruktur und reduziert die Abhängigkeit von traditionellen USV-Lösungen.
GridLink DC: 800-Volt-DC-Architektur und erster US-Auftrag
Die 800-Volt-Gleichstrom-Architektur von SMA (GridLink DC) reduziert die Anzahl von AC/DC-Wandlungsschritten, senkt Leitungsverluste und erhöht die Gesamteffizienz von KI-Server-Racks. SMA hat bereits den ersten Großauftrag in den USA erhalten, wodurch die Markteinführung 2027 konkretisiert wird.
Flexpower: Flexible PPA- und Batteriespeicher-Modelle
Flexpower bietet ein modulares Belieferungsmodell, das klassische Vollversorgungsverträge ergänzt. Betreiber können Komponenten je nach Verbrauch, Risikoprofil und Wachstumsplanung kombinieren. Das Modell bündelt langfristige Grünstrom-PPAs, kurzfristige Spot-Marktbeschaffung sowie physische und virtuelle Batteriespeicher, um Preisvolatilitäten auszugleichen und die Stromabnahme exakt an die Rechenlast anzupassen.
Schwarz-Gruppe und das Großprojekt Dummerstorf
Die Schwarz-Gruppe plant, bis 2033 bis zu 5,6 Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum in Dummerstorf (Landkreis Rostock) zu investieren. Die anfängliche IT-Anschlussleistung beträgt 240 MW, mit einer langfristigen Ausbauoption auf 1 GW bis 2045. Ein zentrales Merkmal ist die Vereinbarung mit den Stadtwerken Rostock, die Serverabwärme in das regionale Fernwärmenetz einspeist – ein konkretes Beispiel für die Kombination von erneuerbarer Strom, Freiluftkühlung und Wärme-Recycling.
Der Schritt der Schwarz-Gruppe in Dummerstorf unterstreicht eine bundesweite Dynamik: Mit einer geplanten IT-Anschlussleistung von 240 Megawatt bis 2033 – und einer Ausbauoption auf bis zu ein Gigawatt bis 2045 – setzt der Handels- und Cloud-Konzern auf die direkte Kombination aus norddeutscher Windkraft, kühlendem Ostseeklima und regionaler Fernwärmeauskopplung. Laut Branchenverband Bitkom (2025) stieg der Energiebedarf deutscher Rechenzentren 2025 bereits auf rund 21,3 Milliarden Kilowattstunden an; bis 2030 werden getrieben durch KI-Modelle bis zu 35 Milliarden Kilowattstunden erwartet. Vor diesem Hintergrund wird die elektrische Infrastruktur zum Nadelöhr für das gesamte Marktwachstum. Während Händler wie Flexpower mit flexiblen PPA-Kombinationen und virtuellen Batteriespeichern neue Vermarktungswege öffnen, zielt SMA mit seinen Mittelspannungs- und 800-Volt-DC-Lösungen darauf ab, Wandlungsverluste zu minimieren und Netzkapazitäten schneller nutzbar zu machen. Erste Erfolge wie der bereits verbuchte US-Auftrag zeigen, dass Systemintegratoren aus dem PV- und Speichersektor künftig eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung des KI-Energiehungers einnehmen.
Risiken und Herausforderungen beim Netzausbau
- Lokale Netzüberlastungen und Genehmigungsverfahren: Trotz Batteriepufferung und Nähe zu 380-kV-Trassen binden Hyperscale-Rechenzentren enorme Übertragungskapazitäten, was ohne parallelen Netzausbau zu Verzögerungen und Konflikten mit anderen Industriezweigen führen kann.
- Margendruck und Wettbewerb im USV-Segment: SMA tritt in ein von etablierten Elektrotechnik-Schwergewichten dominiertes Marktsegment ein. Technologische und preisliche Risiken bestehen, weil die Konkurrenz bereits über umfangreiche Produktpaletten und Kundenbeziehungen verfügt.
FAQ zur 800-Volt-DC-Architektur und Flexpower-Modellen
Warum gewinnt die 800-Volt-Gleichstromarchitektur (DC) in KI-Rechenzentren an Bedeutung?
Moderne KI-Grafikprozessoren benötigen extrem hohe Leistungsdichten pro Serverschrank. 800 V-DC minimiert mehrfache AC/DC-Wandlungsschritte, senkt Leitungsverluste und erhöht die Energieeffizienz des Gesamtsystems signifikant.
Was unterscheidet das Belieferungsmodell von Flexpower von traditionellen Stromverträgen?
Statt einer starren Vollversorgung bündelt Flexpower langfristige Grünstrom-PPAs, kurzfristige Spot-Marktbeschaffung sowie physische und virtuelle Batteriespeicher, um Preisvolatilitäten auszugleichen und die Stromabnahme exakt an die Rechenlast anzupassen.
Fazit
Der wachsende Energiehunger von KI- und Hyperscale-Rechenzentren erfordert ein enges Zusammenspiel von spezialisierten PV-Anbietern, flexiblen Stromhändlern und großkapitalisierten Investoren. SMA demonstriert mit GridAssist, GridLink AC und der kommenden 800-Volt-DC-Lösung, wie Leistungselektronik zur Reduktion von Wandlungsverlusten und zur Netzentkopplung beitragen kann. Flexpower erweitert das Beschaffungs- und Speicher-Portfolio, um Preis- und Verfügbarkeitsrisiken zu steuern. Die Schwarz-Gruppe setzt mit dem Dummerstorf-Projekt ein Zeichen für integrierte Energie- und Wärme-Konzepte, das sowohl lokale Wirtschaftskraft als auch Klimaziele unterstützt. Trotz bestehender Risiken – von Netzüberlastungen bis zu Markt- und Margendruck – zeigen die vorgestellten Initiativen, dass ein strategischer Ausbau der Stromversorgungslösungen bereits heute die Grundlage für das nächste Jahrzehnt der KI-Rechenzentren bildet.

