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UV-induzierte Degradation bei TOPCon-Modulen: Metastabile Effekte, vollständige Erholung und Anpassung der Teststandards

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    Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass TOPCon-Solarzellen und -Module unter ultraviolett (UV)-Belastung ein metastabiles “ Degradation -Recovery“-Verhalten aufweisen. Die Degradation lässt sich durch kurze Licht-Soaking-Phasen vollständig rückgängig machen, und Feldtests belegen, dass diese Prozesse keinen messbaren Einfluss auf den realen Energieertrag (EY) haben. Diese Erkenntnisse stärken das Vertrauen von Investoren und Banken in die TOPCon-Technologie, fordern jedoch eine Überarbeitung der bestehenden UV-Teststandards, da Laborbedingungen die Feldleistung überschätzen können.

    Metastabile Degradations- und Erholungsmechanismen bei TOPCon

    Die Kombination aus UV-Exposition, dunkler Lagerung und anschließendem Licht-Soaking führt zu einem charakteristischen Zyklus:

    • UV-Strahlung (280-400 nm, Intensität 180 W/m²) verursacht zunächst einen Leistungsverlust.
    • Eine anschließende Dunkellagerung verstärkt die Degradation, wobei gemessene Änderungen der Elektrolumineszenz (EL) von -70 % bis +6 % pro Zelle auftreten.
    • Kurze Licht-Soaking-Phasen (Vollspektrum-Licht) führen zu einer schnellen Erholung – die Wiederherstellungszeit beträgt 5 min bzw. 36 s.

    Die physikalische Ursache liegt in einer synergistischen Ladungsumverteilung und einer wasserstoffvermittelten Passivierung der Al₂O₃-Schicht, die Defekte im Dunkeln temporär aktiviert, aber durch Licht wieder neutralisiert.

    Quantitative Ergebnisse aus Labor- und Feldtests

    Mehrere Studien liefern präzise Kennzahlen:

    • Nach einer UV-Dosis von 60 kWh/m² bei 340 nm zeigen NREL-Messungen nicht-erholbare Leistungsverluste von 2,3 %-3,2 % Pmax.
    • Die Dunkellagerungs-Degradation kann EL-Intensitäten um bis zu -70 % reduzieren (einzelne Zellen).
    • Die Zeitkonstanten für die Dunkellagerung folgen einer doppel-exponentialen Kinetik mit Werten von 345 h und 45 h.
    • Die Grenze für UV-induzierte Power-Verluste von >5 % wird in neueren Tests seltener überschritten.
    • Für Testzwecke wird eine UV-Fluenz von 30 kWh/m² (Labor) und ein kumulatives Licht-Fluenz von 2 kWh/m² (300-1200 nm) verwendet.

    Feldtests bestätigen keine Auswirkung auf den realen Energieertrag

    Die Feldstudie von Nanchang University und Trina Solar (Changzhou, China) überwachte TOPCon-Module über fünf Monate. Trotz unterschiedlicher Empfindlichkeit (Modul M1 vs. M3) betrug die Differenz im jährlichen Energieertrag lediglich 0,17 % – ein Wert, der statistisch nicht signifikant ist. Weitere unabhängige Messungen bestätigen, dass die tägliche Sonneneinstrahlung die UV-induzierte Degradation vollständig kompensiert, sodass die EY-Abweichung <0,2 % liegt.

    Branchenperspektive: Häufigkeit von UVID und Herstelleroptimierungen

    Laut Kiwa PVEL gehört UV-induzierte Degradation zu den Top-3-Fehlerursachen in Modultests. Die gleichen Untersuchungen zeigen, dass die Dark-Storage-Degradation bei TOPCon-Modulen stark ausgeprägt ist, jedoch durch Full-Spectrum-Light-Soaking rasch rückgängig gemacht wird. Fraunhofer ISE betont, dass Labor-Tests die Degradation überschätzen, weil das natürliche Sonnenlicht die Erholung beschleunigt. Herstelleroptimierungen haben bereits dazu geführt, dass weniger Module die kritische Verlustgrenze von 5 % überschreiten.

    Notwendigkeit angepasster UV-Teststandards

    Der aktuelle IEC 61215-Standard berücksichtigt UV-Induzierte Degradation nur unzureichend. Forscher empfehlen daher:

    1. Erweiterte UV-Belastungstests mit definierten Dosen (z. B. 0,5-2 kWh/m² Full-Spectrum-Light-Soak) vor der Messung.
    2. Zusätzliche Dark-Storage-Beobachtungen, um die metastabile Degradation zu quantifizieren (Zeitkonstanten 45 h und 345 h).
    3. Integration von Light-Soak-Protokollen in die Standard-Testabläufe, um die Feldrelevanz sicherzustellen.
    4. Technologie-spezifische UV-Schwellendosen, da unterschiedliche TOPCon-Zellvarianten (C1-C3) unterschiedliche Empfindlichkeiten zeigen.

    Der IEA-PVPS-Task-13-Report unterstützt diese Anpassungen und fordert einheitliche Protokolle, die sowohl UV-Belastung als auch Licht-Erholung berücksichtigen.

    FAQ

    Ist UVID bei TOPCon vollständig reversibel?

    Teilweise: Metastabile Effekte erholen sich schnell durch Licht. NREL misst jedoch nach hoher UV-Dosis (60 kWh/m²) bleibende Verluste von 2,3 %-3,2 %.

    Beeinflusst UVID die reale Feldleistung?

    Nein. Tageslicht kompensiert die Degradation; fünfmonatige Feldtests zeigten <0,2 % Unterschied im Energieertrag.

    Welche Tests empfehlen Forscher?

    Erweiterte UV-Tests mit Light-Soak-Protokollen (0,5-2 kWh/m² Full-Spectrum) und Beobachtung der Dunkellagerung, um die Feldrelevanz zu prüfen.

    Fazit

    Die kombinierten Ergebnisse aus Labor- und Feldstudien zeigen, dass TOPCon-Module ein bemerkenswertes metastabiles Verhalten gegenüber UV-Induzierter Degradation aufweisen. Während kurzfristige Degradation und Dark-Storage-Effekte messbar sind, sorgt das natürliche Sonnenlicht für eine schnelle und nahezu vollständige Erholung – sodass die reale Energieerzeugung unverändert bleibt. Diese Erkenntnisse stärken das Vertrauen von Investoren in die TOPCon-Technologie, machen jedoch deutlich, dass aktuelle Teststandards (IEC 61215) die Feldrealität nicht vollständig abbilden. Durch die Einführung von erweiterten UV-Belastungs- und Light-Soak-Protokollen können Hersteller und Prüflabore die Zuverlässigkeit besser bewerten und gleichzeitig die Bankabilität von TOPCon-Anlagen weiter erhöhen.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das Dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdigen Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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