Der 2023 gestartete webbasierte Planungsleitfaden des SolarEnvelopeCenter-Projekts unterstützt Architekten, Planer und Projektentwickler dabei, Photovoltaik nahtlos in Dächer und Fassaden zu integrieren. Durch 15 standardisierte, technisch, ökonomisch und architektonisch vorteilhafte Lösungen wird die Auswahl normkonformer Produkte bereits in frühen Leistungsphasen nach HOAI ermöglicht. Der Leitfaden reduziert Planungsbarrieren, beschleunigt die Marktdurchdringung von BIPV und liefert gleichzeitig ein Wirtschaftlichkeits-Tool sowie ein umfassendes Weiterbildungsangebot.
Seiteninhalte
- Regulatorischer Kontext: GEG 2024 und CO₂-Bilanz-Anforderungen
- SolarEnvelopeCenter – Das bundesweite Forschungsprojekt
- Marktreife und Verfügbarkeit der Standardlösungen
- Amortisationsrechner – Wirtschaftlichkeit prüfen
- Weiterbildungsangebote der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS)
- Regionale BIPV-Initiative Baden-Württemberg
- Praxisbeispiel: BIPV-Fassade der Universität Mannheim
- Fazit
- FAQ
Regulatorischer Kontext: GEG 2024 und CO₂-Bilanz-Anforderungen
Seit dem 1. Januar 2024 gilt die zweite Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG 2024). Das Gesetz verpflichtet Haus- und Gebäudeeigentümer beim Heizungseinbau, mindestens 65 % erneuerbare Energien oder unvermeidbare Abwärme zu nutzen. Zusätzlich ist das langfristige Ziel, fossile Energieträger bis 2045 aus dem Gebäudesektor zu verdrängen. Diese Vorgaben erhöhen den Druck, erneuerbare Energie-Komponenten wie bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) in die Gebäudehülle zu integrieren, um ausgeglichene CO₂-Bilanzen zu erreichen. Der Planungsleitfaden greift diese regulatorische Hürde gezielt auf und bietet sofort anwendbare Lösungen.
SolarEnvelopeCenter – Das bundesweite Forschungsprojekt
Im Jahr 2023 startete das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte Projekt SolarEnvelopeCenter. Das dreijährige Konsortium vereint das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Drees & Sommer SE, Wulf Architekten, IBC Solar sowie den Landesverband Berlin-Brandenburg der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Ziel ist die Entwicklung eines webbasierten Planungsleitfadens, der bereits in den frühen Planungsphasen nach HOAI passende BIPV-Lösungen identifiziert und visualisiert.
Fünfzehn technisch, ökonomisch und architektonisch vorteilhafte BIPV-Lösungen
- Standardisierte Konstruktionsprinzipien für Dächer und Fassaden
- Marktreife Produkte für jedes Prinzip – Spezialfertigungen entfallen
- Frühzeitige Visualisierung und iterative Weiterentwicklung im Bauablauf
- Flexibilität bei Modul-Design, Glas- und Zelltechnologie
- Kompatibilität mit den normativen und bauordnungsrechtlichen Vorgaben
Der Leitfaden folgt der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) und ermöglicht die Eingabe von Leistungsphase und Einbaukategorie, bevor über einen Online-Konfigurator die genauen Parameter angepasst werden.
Marktreife und Verfügbarkeit der Standardlösungen
Frank Ensslen, Leiter des Projekts am Fraunhofer ISE, betont, dass für alle 15 Konstruktionsprinzipien ausreichend Produkte auf dem Markt vorhanden sind. Die intensive Produktrecherche bestätigte die Realisierbarkeit ohne aufwendige Spezialfertigungen. Damit bleibt der Leitfaden praxisnah und skalierbar – er bietet heute verfügbare Lösungen, keine Zukunftsmusik.
Amortisationsrechner – Wirtschaftlichkeit prüfen
Ein zentrales Feature des Leitfadens ist ein integrierter Amortisationsrechner, der von Kai Babetzki (Drees & Sommer) hervorgehoben wird. Das Tool ermöglicht Projektbeteiligten, die Rentabilität von BIPV-Lösungen anhand von Projekt-, Standort- und Energiepreisdaten zu prüfen. So wird ein häufiges Planungshemmnis – die Unsicherheit über die Wirtschaftlichkeit – transparent und fundiert adressiert.
Weiterbildungsangebote der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS)
Die DGS hat im Rahmen des SolarEnvelopeCenter-Projekts ein umfassendes Weiterbildungsprogramm entwickelt. Zielgruppen sind:
- Solarfachkräfte
- Installateure
- Planer
- Energieberater
- Architekten
In den Seminaren werden sowohl die fachlichen Grundlagen von BIPV als auch die praktische Nutzung des webbasierten Tools vermittelt. Diese Qualifizierungsmaßnahmen sichern die Adoption des Leitfadens in der Praxis.
Regionale BIPV-Initiative Baden-Württemberg
Parallel zum bundesweiten SolarEnvelopeCenter existiert die BIPV-Initiative Baden-Württemberg. Das Projekt bestand aus zwei Vorgängerphasen: ein dreijähriges Analyse-Projekt, das im August 2023 abgeschlossen wurde, und der Aufbau eines regionalen BIPV-Netzwerks, das im Juli 2025 endete. Seit dem 1. November 2025 läuft eine neue Etablierungsphase, gefördert vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, mit Laufzeit bis zum 30. April 2028. Ziel ist die Verankerung von BIPV in Bau- und Planungspraktiken, der Austausch von Expertise und die Entwicklung von Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis.
Praxisbeispiel: BIPV-Fassade der Universität Mannheim
Im Projekt „UnIT“ – Neubau eines IT- und Rechenzentrums für die Universität Mannheim – setzten die Wulf Architekten die Fassaden-Normallösung C-Sond-BR-01 ein. Die Lösung wurde über den Online-Konfigurator des Leitfadens ausgewählt, visualisiert und später im Bauvorhaben weiter ausgearbeitet. Baldur Dilthey von Wulf Architekten beschreibt, dass die Normallösung als Platzhalter in frühen Leistungsphasen diente und gleichzeitig Freiheiten bei Glas- und Moduldesign bot.
Fazit
Der SolarEnvelopeCenter-Planungsleitfaden bietet Architekten und Planern ein praxisnahes Werkzeug, um BIPV-Lösungen bereits in frühen Projektphasen zu integrieren, regulatorische Vorgaben zu erfüllen und die Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Durch die Kombination aus standardisierten Lösungen, einem Amortisationsrechner und umfangreichen Weiterbildungsangeboten wird die Marktdurchdringung von BIPV beschleunigt und ein wichtiger Beitrag zur CO₂-Reduktion im Gebäudesektor geleistet.
FAQ
Wie kann ich den Amortisationsrechner nutzen?
Der Rechner ist direkt im webbasierten Leitfaden integriert. Nach Eingabe von Projektgröße, Standortdaten und aktuellen Energiepreisen erhalten Sie eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsanalyse.
Welche Fördermöglichkeiten gibt es für BIPV-Projekte?
Je nach Bundesland stehen unterschiedliche Förderprogramme zur Verfügung, darunter KfW-Programme, regionale Innovationszuschüsse und spezielle Förderungen der BIPV-Initiative Baden-Württemberg.
Ist der Leitfaden auch für Bestandsgebäude geeignet?
Ja, der Leitfaden unterstützt sowohl Neubau- als auch Sanierungsprojekte, indem er geeignete BIPV-Lösungen für unterschiedliche Gebäudetypen und -zustände vorschlägt.

