Die Stabilität von TOPCon-Solarzellen ist ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik-Modulen. Forschende der University of New South Wales (UNSW) haben eine neuartige, nitrate-basierte, einseitige beschleunigte Alterungsprüfung entwickelt, die die leicht saure Umgebung innerhalb von EVA-verkapselten Modulen realistisch nachbildet. Durch diese Methode lassen sich Degradationsmechanismen bereits auf Zellenebene erkennen, Entwicklungszeiten verkürzen und Kosten in der Modulherstellung senken.
Seiteninhalte
Herkömmliche Alterungsmethoden und ihre Grenzen
Traditionell wurden Lösungstests wie das Eintauchen von Zellen in Essigsäure (CH₃COOH) eingesetzt, um die Langzeitstabilität zu prüfen. Diese Verfahren erzeugen jedoch chemisch unrealistische Bedingungen, weil beide Zellseiten gleichzeitig exponiert werden und die Säurekonzentration deutlich höher ist als im Inneren von EVA-verkapselten Modulen. Die daraus resultierenden Daten zeigen häufig hohe Verlustquoten und weichen von den tatsächlichen Moduldegradationsmustern ab.
- Degradation unter Essigsäure: hohe Verlustquoten (2023)
- Unrealistische chemische Umgebung im Vergleich zur Modulrealität
Die unzureichende Repräsentativität dieser Tests kann zu Fehlentscheidungen bei der Materialwahl und zu unnötigen Kosten in der Serienproduktion führen.
Nitrate-basierte beschleunigte Alterungsprüfung – Prinzip und Methodik
Die neue Methode nutzt Nitrate, um eine kontrollierte, leicht saure Umgebung zu erzeugen, die der im EVA-Kapselmaterial entstehenden Säure entspricht. Durch pH-kontrollierte Nitratlösungen wird nur die Vorderseite der Zelle behandelt, bevor die Zelle einem Dampfwärmetest (85 °C, 85 % relative Luftfeuchte, DH85) unterzogen wird. Dieser Ansatz ermöglicht ein gezieltes Screening der Front-Metallisierung und reproduziert zuverlässig die Degradationsmechanismen, die auf Modulebene beobachtet werden.
Methodologie der Tests (nach Abschnitt „Methodologie der Tests“)
Die neue Methode nutzt Nitrate, um eine chemisch relevante, sauberere Alterungsbedingungen zu schaffen, die den langjährigen Haltbarkeitstest von Solarzellen wesentlich verbessern könnte. Studien haben gezeigt, dass herkömmliche Methoden, bei denen Zellen in Essigsäure getaucht wurden, in der Regel höhere Verlustquoten und nicht repräsentative Degradationsdaten hervorgebracht haben. Ein Vergleich zeigt, dass unter den neuen Testbedingungen geringere Effizienzverluste festgestellt wurden, was darauf hindeutet, dass Metallisierungsstrategien optimiert werden können, bevor vollständige Modulassemblierung erfolgt.
Zusätzlich weist Langzeitforschung darauf hin, dass die Wahl der Materialien den Gesamtanlagenbetrieb in nachfolgenden Jahren entscheidend beeinflussen kann. Durch die Erhebung von Daten zu verschiedenen Metallisierungsarten und deren Verhalten unter spezifischen chemischen Bedingungen könnten Unternehmen nicht nur die Leistung verbessern, sondern auch erhebliche Kosten im Produktionsprozess einsparen.
Die Tests wurden an 144 Zellen (182 mm × 183,75 mm) durchgeführt, die aus n-type Czochralski-Wafern stammten und in zwei Front-Kontakt-Varianten vorlagen: konventionelle Silber/Aluminium-Paste (Ag/Al) und eine low-Al-Paste, die mittels laser-assistierter Feuerung (Ag/LAF) verarbeitet wurde. Alle Zellen wurden halbiert, zu 144-Zellen-Modulen zusammengefügt, mit EVA-Kapselung (UV-blockierend vorne, UV-transparent hinten) versehen und mit einem transparenten Rückseiten-Brett ausgestattet.
Vergleich der Ergebnisse – Essigsäure vs. Nitrat
Die experimentellen Daten belegen klare Unterschiede zwischen den beiden Testchemikalien:
- Degradation unter Essigsäure: hohe Verlustquoten (2023)
- Nitrat (z. B. Zn(NO₃)₂, Al(NO₃)₃): Geringere Verlustquoten, ebenfalls 2023 gemessen, und ein besseres Abbild der tatsächlichen Moduldegradation.
Der maximale Effizienzverlust unter Kontamination wurde mit 25 % (2025) angegeben, während Langzeit-Dampfwärmetests nach 1000 Stunden einen Effizienzverlust von bis zu 20 % zeigten (2025). Diese Werte stammen aus den Langzeitstudien, die die Relevanz der neuen Methode für die Vorhersage von Modulleistung unter realen Bedingungen unterstreichen.
Einfluss der Metallisierung – Ag/Al vs. Ag/LAF
Die Tests zeigten, dass die beiden Front-Kontakt-Varianten unterschiedlich auf die saure Umgebung reagieren:
- Ag/Al-Kontakte: Nutzen Aluminium-Spikes und einen hohen Glas-Frit-Gehalt, was mechanische Robustheit und eine langsamere Degradation bewirkt.
- Ag/LAF-Kontakte: Basieren auf Silber-Nanopartikeln (AgNPs) mit einer dünnen, bleihaltigen Glas-Frit-Schicht, die unter sauren oder chloridhaltigen Bedingungen schnell auflöst. Diese Kontakte zeigten höhere Empfindlichkeit gegenüber sauren Nitraten, größere Effizienz- und Fill-Factor-Verluste sowie ein deutliches Delaminations-Risiko.
SEM- und FIB-SEM-Analysen bestätigten, dass Aluminium-Nitrat (Al(NO₃)₃) und Chlorid-Salze besonders aggressive Korrosionsmechanismen auslösen, während neutrale Salze nur geringe Effekte zeigten. Die Fill-Factor-Reduktion war der dominierende Faktor bei der Degradation, insbesondere bei Zn(NO₃)₂-Behandlungen, die konsistente Trends mit den Modul-Ergebnissen lieferten.
Langfristige Effekte und praktische Relevanz
Langzeitstudien belegen, dass die Wahl der Metallisierungsstrategie die Langlebigkeit und Effizienz von TOPCon-Solarzellen maßgeblich beeinflusst. Die neue nitrate-basierte Methode ermöglicht es, optimale Materialien bereits im Zellen-Entwicklungsstadium zu identifizieren, bevor aufwändige Modul-Dampfwärmetests (über 1 000 Stunden) durchgeführt werden.
Durch die frühzeitige Erkennung von Zuverlässigkeitsrisiken können Unternehmen:
- Entwicklungskosten reduzieren, weil teure Modul-Tests entfallen oder verkürzt werden können.
- Die Materialauswahl (BOM) gezielt optimieren, um langfristige Effizienzverluste zu minimieren.
- Die Gesamtzuverlässigkeit ihrer Solarmodule erhöhen, was insbesondere für Großprojekte und langfristige Investitionen von Bedeutung ist.
Die in der Studie durchgeführten Tests umfassten 144 Zellen, wobei der maximale gemessene Effizienzverlust unter Kontamination 25 % betrug. Diese Kennzahlen verdeutlichen das Potenzial der Methode, realitätsnahe Degradationsdaten zu liefern.
FAQ
Welchen Einfluss hat die pH-Kontrolle auf die Degradation?
Die pH-Kontrolle ermöglicht eine realistischere Nachbildung der Bedingungen, welche die Degradation von Frontkontakt-Metallisierungen beeinflussen.
Fazit
Die nitrate-basierte, einseitige beschleunigte Alterungsprüfung stellt einen bedeutenden Fortschritt gegenüber herkömmlichen Essigsäure-Tests dar. Sie repliziert die leicht saure Umgebung innerhalb von EVA-verkapselten TOPCon-Modulen, liefert realistische Degradationsdaten und deckt Unterschiede in der Metallisierung auf, die für die langfristige Modulzuverlässigkeit entscheidend sind. Durch die Möglichkeit, Zuverlässigkeitsrisiken bereits auf Zellenebene zu erkennen, können Entwickler Entwicklungszeiten verkürzen, Kosten senken und die Auswahl von Materialien optimieren. Die Methode bietet somit ein praxisnahes Instrument für die Solarindustrie, um nachhaltige und leistungsstarke Solarmodule zu produzieren.

