Die Photovoltaik-Ausschreibung der Bundesnetzagentur im März 2026 liefert zentrale Signale für die weitere Entwicklung des deutschen EE-Marktes. Die stark überzeichnete Gebotsrunde, die gesunkenen Zuschlagswerte und die wachsende Bedeutung besonderer Solaranlagen spiegeln sowohl das aktuelle Investoreninteresse als auch die Unsicherheiten rund um die bevorstehende EEG-Novelle 2027 wider. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Fakten zusammen, beleuchtet die Marktmechanismen und zeigt, welche Risiken und Chancen sich daraus für die Energiewende ergeben.
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Photovoltaik-Ausschreibung 2026 – Überblick
Am 1. März 2026 veröffentlichte die Bundesnetzagentur die Ergebnisse der EEG-Ausschreibung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen und besondere Solaranlagen des ersten Segments. Die wichtigsten Kennzahlen lauten:
- Ausgeschriebene Menge: 2.295 MW
- Eingereichte Gebote: 532 mit einem Gesamtvolumen von 4.622 MW (etwa das Doppelte der Ausschreibungsmenge)
- Bezugene Zuschläge: 268 Gebote mit einem Umfang von 2.299 MW
- Ausgeschlossene Gebote: 39
Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert liegt bei 4,94 Cent/kWh und liegt damit leicht unter dem Niveau der Vorrunde (5,00 Cent/kWh).
Überzeichnung und Beteiligung
Die Gebotsrunde war, wie Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, betont, „deutlich überzeichnet“. Investoren reichten Gebote für fast das Doppelte des ausgeschriebenen Volumens ein, was die Attraktivität der aktuellen EEG-Konditionen unterstreicht. Die starke Nachfrage wird zudem durch Vorzieheffekte befeuert – viele Akteure wollen die derzeitigen Förderbedingungen sichern, bevor die EEG-Novelle 2027 in Kraft tritt.
Zuschlagswerte und Preisentwicklung
Die ermittelten Zuschlagswerte schwanken zwischen 3,99 Cent/kWh und 5,10 Cent/kWh. Der leicht gesunkene Durchschnitt gegenüber der Vorrunde signalisiert einen moderaten Preisrückgang, bleibt jedoch im niedrigen Cent-Bereich, was die Wirtschaftlichkeit von PV-Projekten weiterhin unterstützt.
Bedeutung besonderer Solaranlagen
Besondere Solaranlagen – also Anlagen, die neben der Stromerzeugung weitere Nutzungen integrieren, etwa Agri-PV in der Landwirtschaft – erreichten in dieser Runde einen bemerkenswerten Anteil:
- Fast 15 % des eingereichten Gebotsvolumens
- Fast 20 % des zugesagten Volumens (59 Zuschläge mit 439 MW)
Damit markieren sie den höchsten Anteil in der Historie der Ausschreibungen und zeigen, dass kombinierte Nutzungskonzepte zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Vorzieheffekte und Unsicherheit wegen EEG-Novelle 2027
Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, erklärt, dass die Überzeichnung stark durch Vorzieheffekte getrieben sei. Investoren wollen die aktuell günstigen EEG-Konditionen nutzen, weil Unsicherheit über die künftigen Förderbedingungen ab 2027 besteht. Laut einer Umfrage geben 85 % der Marktteilnehmer an, Unsicherheit über die EEG-Novelle zu empfinden. Die Novelle soll ab 2027 entscheidende Regelungen für die Förderung erneuerbarer Energien neu definieren und einen Abschöpfungsmechanismus für neue EE-Anlagen einführen.
Die Unsicherheit birgt das Risiko von Investitionsverzögerungen, die die Ziele der Energiewende gefährden könnten. Gleichzeitig wird beobachtet, dass kleinere, nicht ausschreibungspflichtige PV-Segmente bereits eine Investitionszurückhaltung zeigen.
Marktstatistiken und Kennzahlen 2023-2026
Photovoltaikleistung 2023
Die installierte Photovoltaikleistung in Deutschland überschritt im Jahr 2023 die Marke von 70 GW. Dieser Rekordwert verdeutlicht die steigende Nachfrage und das Wachstum im Sektor und unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Ausschreibungen und politischer Maßnahmen.
Ausschreibungs- und Zuschlagsvolumen 2026
- Zuschlagswert: 4,94 Cent/kWh (Quelle S1)
- Zugesagtes Volumen: 2.299 MW (Quelle S1)
- Photovoltaikleistung 2023: 70 GW (Quelle S2)
Die größten Zuschlagsvolumen entfielen auf:
- Bayern: 693 MW (106 Zuschläge)
- Niedersachsen: 340 MW (33 Zuschläge)
- Baden-Württemberg: 333 MW (45 Zuschläge)
Besonders häufig wurden Projekte an Randstreifen von Autobahnen oder Schienenwegen gefördert (123 Zuschläge, 1.026 MW). Das zweithöchste Volumen stammte aus Acker- oder Grünlandflächen in benachteiligten Gebieten (73 Zuschläge, 760 MW).
FAQ – Was sind besondere Solaranlagen?
Frage: Was sind besondere Solaranlagen?
Antwort: Besondere Solaranlagen kombinieren die Stromerzeugung mit anderen Nutzungen, zum Beispiel in der Landwirtschaft bei Agri-PV-Projekten.
Risiken und mögliche Verzögerungen
- Mögliche Verzögerungen bei der EEG-Novelle: Könnten Investitionen in erneuerbare Energien bremsen und die Ziele der Energiewende gefährden.
Fazit
Die Photovoltaik-Ausschreibung 2026 verdeutlicht ein starkes Investoreninteresse, das durch überzeichnete Gebote und einen hohen Anteil besonderer Solaranlagen belegt wird. Gleichzeitig senken die leicht niedrigeren Zuschlagswerte die Kosten für neue PV-Projekte, während die Unsicherheit über die EEG-Novelle 2027 zu Vorzieheffekten führt. Die Rekord-Photovoltaikleistung von 70 GW im Jahr 2023 bestätigt den anhaltenden Wachstumstrend, macht jedoch deutlich, dass klare und zeitnahe politische Rahmenbedingungen nötig sind, um das Investitionsklima zu stabilisieren und die Energiewende weiter voranzutreiben.

