Helioplant und SolarEdge realisieren in Sölden, Österreich, die weltweit erste großflächige, baum-förmige Solaranlage für alpine Skiresorts. Die 6,3 MWp-Anlage besteht aus 800 kreuzförmigen Photovoltaik -Bäumen, die in einer Höhe von 2 850 bis 3 000 m über dem Meeresspiegel installiert werden. Ziel ist es, drei große Skiresorts mit rund 28 GWh Strom pro Jahr zu versorgen – etwa ein Drittel ihres gesamten Stromverbrauchs – und damit die Abhängigkeit von teurem Netzstrom zu reduzieren.
Seiteninhalte
- Projektübersicht: 6,3 MW-Alpine Solaranlage in Sölden
- Winterertrag in Hochalpen – Warum Schnee die Leistung steigert
- Energieverbrauch moderner Skiresorts und Beitrag der Solaranlage
- Technische Innovation: Baum-förmige, kreuzförmige Struktur und SolarEdge-Optimierer
- Pilotprojekt 2023: Validierung des Konzepts
- Globales Marktpotenzial: Rund 6.000 Skiresorts weltweit
- Risiken und Gegenmaßnahmen
- FAQ
- Fazit
Projektübersicht: 6,3 MW-Alpine Solaranlage in Sölden
- Installierte Leistung: 6,3 MWp
- Anzahl der Photovoltaik-Bäume: 800 Stück
- Installationshöhe: 2 850-3 000 m ü.d.M.
- Module pro Baum: 15-16 bifaciale PV-Module
- Jährlicher Stromertrag: 28 GWh (geplant für 2026)
- Fertigstellung: zweites Halbjahr 2026
- Versorgte Einrichtungen: Seilbahnen, Gastronomie und Schneeproduktion von drei Sölden-Resorts
Winterertrag in Hochalpen – Warum Schnee die Leistung steigert
Helioplant-Systeme erzielen in den Alpen im Winter über sechs Monate hinweg einen Ertrag von mehr als 570 kWh/kWp. Der außergewöhnlich hohe Wert entsteht durch den Schnee-Albedo-Effekt: Weiße Schneeoberflächen reflektieren Sonnenlicht auf die Rückseite der bifazialen Module. Zusätzlich sorgt die klare, dünnere Luft in großen Höhen für längere effektive Sonnenstunden. Diese Kombination macht die alpine Solarenergie im Winter besonders ertragreich, obwohl die Jahreszeit traditionell als wenig sonnig gilt.
Energieverbrauch moderner Skiresorts und Beitrag der Solaranlage
Moderne Skiresorts benötigen erhebliche Strommengen für Liftbetrieb, beheizte Gastronomie und vor allem für die energieintensive Schneeproduktion (Kompressoren, Kühlanlagen). Der gesamte Jahresverbrauch der drei Resorts in Sölden wird mit etwa 84 GWh angegeben. Die geplante Anlage liefert 28 GWh – also rund ein Drittel des Bedarfs. Damit bleibt ein signifikanter Teil des Verbrauchs weiterhin aus dem Netz, aber die Solaranlage reduziert die Betriebskosten und den CO₂-Fußabdruck deutlich.
Technische Innovation: Baum-förmige, kreuzförmige Struktur und SolarEdge-Optimierer
Die Photovoltaik-Bäume besitzen eine kreuzförmige (cruciform) Anordnung von vier unabhängigen Flügeln an einem zentralen Pfosten. Diese Bauweise hat mehrere Vorteile:
- Selbstreinigung durch Luftturbulenzen: Auch bei schwachen Winden erzeugt die Kreuzform Luftbewegungen, die Schneeablagerungen verhindern.
- Kolk-Effekt: Rund um die Struktur bildet sich ein natürlicher Schneehöhlraum, der Licht auf die Rückseite der Module reflektiert und den Albedo-Ertrag erhöht.
- Harmonische Integration: Das baum-förmige Design fügt sich in die alpinen Landschaften ein.
Die vertikal installierten bifazialen Module profitieren von beiden Seiten – der direkten Sonneneinstrahlung und der reflektierten Strahlung vom Schnee. Allerdings führt die baum-förmige Anordnung zu Selbstverschattung, weil die Flügel teilweise Schatten aufeinander werfen. SolarEdge stellt dafür Inverter und Power Optimizer bereit, die jedes Modul individuell steuern. So kann ein verschattetes Modul den Gesamtertrag nicht mehr reduzieren.
Selbstreinigung und Windbedingungen
Durch die Kreuzform entstehen selbst bei geringen Windgeschwindigkeiten turbulente Strömungen, die Schnee von den Modulen abheben. Das reduziert Wartungsaufwand und erhöht die Verfügbarkeit im Winter.
Selbstverschattung und Optimierer
Die Optimierer von SolarEdge ermöglichen ein modulares Management: Jedes Modul arbeitet unabhängig, sodass lokale Verschattungen die übrigen Module nicht beeinträchtigen. Dies ist besonders wichtig, weil die Rückseiten-Erträge bei variabler Schneereflexion stark schwanken können.
Pilotprojekt 2023: Validierung des Konzepts
Im Jahr 2023 wurde ein Pilotprojekt unter dem Tiefenbach-Gletscher in Sölden durchgeführt. Zwölf baum-förmige Strukturen wurden in einer Höhe von 2 850 m installiert. Das System versorgte einen kompletten Skilift über die gesamte Wintersaison zuverlässig mit Strom und reduzierte die Netzabhängigkeit erheblich. Der Erfolg des Piloten bildete die Basis für die Skalierung von 12 auf 800 Strukturen.
Globales Marktpotenzial: Rund 6.000 Skiresorts weltweit
Florian Jamschek, Mitgründer von Helioplant, schätzt das weltweite Marktpotenzial auf etwa 6.000 Skiresorts. Viele dieser Resorts liegen in schneereichen Hochgebirgsregionen, wo konventionelle flache Solaranlagen wenig sinnvoll sind. Das Sölden-Projekt dient als Blaupause für eine mögliche globale Expansion.
Risiken und Gegenmaßnahmen
- Selbstverschattung: Trotz Optimierern bleibt die baum-förmige Struktur ein Grund für Schattenbildung. Die Technologie von SolarEdge mindert, aber eliminiert das Problem nicht vollständig.
- Verzögerungsrisiko beim Bau: Die Fertigstellung ist für H2 2026 geplant. Der Aufbau von 800 Strukturen in extremem Hochalpen-Gelände birgt Risiken durch Wetter und Logistik.
- Marktschätzung: Die Angabe von 6.000 Skiresorts ist eine Schätzung; nicht alle Resorts besitzen geeignete Exposition, finanzielle Ressourcen oder Eigentümerstrukturen für ein solches Projekt.
FAQ
Warum funktioniert Solarenergie im Winter in den Hochalpen besser?
Der Schnee-Albedo-Effekt reflektiert Sonnenlicht auf die Rückseite bifazialer Module. Zusätzlich sorgen klare Luft und lange Sonnenstunden für hohe Erträge (>570 kWh/kWp über sechs Monate).
Wie verhindert die Kreuzform Schneeablagerungen?
Die vier Flügel erzeugen Luftturbulenzen, die Schnee abtragen. Außerdem bildet sich ein natürlicher Schneehöhlraum (Kolk), der Licht zurückreflektiert.
Warum ist SolarEdge-Technologie notwendig?
Die baum-förmige Struktur verursacht Selbstverschattung und variable Rückseiten-Erträge. Optimierer ermöglichen ein unabhängiges Modul-Management, sodass ein schwaches Modul den Gesamtertrag nicht reduziert.
Deckt die Anlage den gesamten Strombedarf der Skiresorts?
Nein. Mit 28 GWh/a deckt sie etwa ein Drittel des geschätzten Gesamtverbrauchs von ~84 GWh/a. Die Resorts bleiben Hybrid-Verbraucher, profitieren jedoch von reduzierten Stromkosten und CO₂-Emissionen.
Wann ist die Anlage fertig?
Die Fertigstellung ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant. Das Pilotprojekt von 2023 hat das Konzept bereits validiert; die Skalierung auf 800 Strukturen befindet sich im Bau.
Fazit
Die Kombination aus Helioplants baum-förmiger, kreuzförmiger Struktur und SolarEdges Optimierer-Technologie ermöglicht eine leistungsfähige Solarstromerzeugung in hochalpinen Lagen, wo herkömmliche Anlagen kaum rentabel wären. Mit einem erwarteten Jahresertrag von 28 GWh deckt die 6,3 MW-Anlage etwa ein Drittel des Energiebedarfs von drei Sölden-Skiresorts und demonstriert das wirtschaftliche Potenzial. Das erfolgreich validierte Pilotprojekt 2023, das weltweit geschätzte Marktpotenzial von rund 6 000 Skiresorts und die klare technische Lösung für Schnee- und Verschattungsprobleme machen das Projekt zu einer richtungsweisenden Innovation im Bereich der erneuerbaren Energien für den Wintersport.

