Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 10. Februar 2026 entschieden, dass Netzbetreiber die EEG-Endabrechnung und die daraus resultierenden Zahlungen an Betreiber von Photovoltaikanlagen erst nach Ablauf des jeweiligen Kalenderjahres leisten müssen. Diese Entscheidung ändert die bisher übliche Praxis der monatlichen Vergütungszahlung und hat weitreichende Folgen für die Liquidität und Planungssicherheit von PV-Betreibern in Deutschland.
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Hintergrund der EEG-Vergütung in Deutschland
Einspeisevergütung ist ein zentrales Element des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und dient dem Ausbau von Photovoltaikanlagen. Seit ihrer Einführung wurde das EEG mehrfach angepasst, um Marktbedingungen zu optimieren. Im Jahr 2022 waren in Deutschland rund 2,5 Millionen Photovoltaikanlagen installiert, die zusammen eine Gesamtleistung von 79,6 Gigawatt (GW) bereitstellten. Der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix lag 2022 bei 47 % (Quelle: BMWK, Jahresbericht 2022).
Gesetzliche Grundlage
Der Anspruch auf Zahlung der Einspeisevergütung beruht auf § 26 Abs. 2 Satz 1 EEG. Bislang wurde diese Vergütung häufig monatlich an die Betreiber ausgezahlt, obwohl das Gesetz keine explizite monatliche Zahlungsfrist vorsieht.
BGH-Entscheidung zur Zahlungsmodalität
Der BGH hat klargestellt, dass die EEG-Vergütung erst nach Abschluss des Kalenderjahres fällig wird. Netzbetreiber sind demnach verpflichtet, die vollständige Vergütung für das gesamte Jahr im Rahmen einer Jahres-Endabrechnung zu zahlen. Eine monatliche Zahlung ist rechtlich nicht erforderlich.
Details zum Rechtsstreit
- Der Kläger betreibt vier Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von jeweils unter 100 kW, die zwischen Februar 2020 und Mai 2021 in Betrieb genommen wurden.
- Die Anlagen speisten Strom in das allgemeine Versorgungsnetz ein.
- Der Messstellenbetreiber übermittelte die monatlich eingespeisten Strommengen teilweise automatisch.
- Der Betreiber lehnte einen von der Netzgesellschaft angebotenen Jahresabrechnungsvertrag ab und stellte monatlich Rechnungen für die Einspeisevergütung.
- Der Netzbetreiber zahlte zunächst monatliche Abschläge, forderte jedoch nach Rückzahlung der Abschläge eine Endabrechnung für die Jahre 2021 und 2022.
- Der Kläger verlangte weiterhin die monatliche Auszahlung der gesetzlichen Vergütung sowie Verzugszinsen und Erstattung vorgerichtlicher Anwaltskosten.
- Das Landgericht Jena und das Oberlandesgericht Thüringen wiesen das Begehren zurück; der BGH bestätigte die Jahres-Endabrechnung.
Auswirkungen auf Betreiber von Photovoltaikanlagen
Die Entscheidung des BGH hat mehrere Konsequenzen für die Betreiber von PV-Anlagen:
- Liquiditätsengpass: Viele Betreiber, insbesondere kleinere Anlagenbetreiber, rechnen mit monatlichen Einnahmen. Das Wegfallen dieser regelmäßigen Zahlungen kann zu finanziellen Engpässen führen.
- Planungssicherheit: Betreiber müssen nun ihre Finanzplanung auf eine jährliche Zahlung umstellen, was die kurzfristige Budgetierung erschwert.
- Risikoverlagerung: Netzbetreiber erhalten mehr Spielraum bei der Datenübermittlung für die Endabrechnung, während die finanzielle Belastung stärker auf die Betreiber übergeht.
Der BGH betonte, dass die monatliche Zahlung nicht gesetzlich vorgeschrieben ist und dass die jährliche Endabrechnung im Einklang mit § 26 Abs. 2 Satz 1 EEG sowie § 71 Nr. 1 EEG steht.
Zahlen und Fakten zur Photovoltaikbranche 2022
- Gesamtzahl installierter Photovoltaikanlagen: 2,5 Millionen (2022)
- Installierte Gesamtleistung: 79,6 GW (2022)
- Marktanteil erneuerbarer Energien am Strommix: 47 % (2022, Quelle S1)
FAQ zur EEG-Zahlung nach BGH-Entscheidung
Wie oft wird die Einspeisevergütung gezahlt?Nach der jüngsten BGH-Entscheidung erfolgt die Zahlung der Einspeisevergütung erst nach Ablauf des Kalenderjahres.
Fazit
Die BGH-Entscheidung von Februar 2026 stellt einen bedeutenden Wendepunkt in der deutschen EEG-Praxis dar. Während die gesetzliche Grundlage bereits vorsieht, dass die Vergütung nach § 26 Abs. 2 Satz 1 EEG fällig ist, klärt das Urteil, dass die Fälligkeit erst nach Ende des Kalenderjahres eintritt. Für Betreiber von Photovoltaikanlagen bedeutet dies, dass sie ihre Finanzplanung an eine jährliche Zahlungsweise anpassen müssen, was insbesondere für kleinere Anlagenbetreiber zu Liquiditätsengpässen führen kann. Gleichzeitig verdeutlicht die Entscheidung die zentrale Rolle der EEG-Vergütung im deutschen Energiemarkt, der 2022 bereits fast die Hälfte des Strommixes aus erneuerbaren Quellen stellte. Betreiber, Netzbetreiber und Gesetzgeber stehen nun vor der Aufgabe, praktikable Lösungen zu finden, die sowohl die finanzielle Stabilität der Anlagenbetreiber sichern als auch die Effizienz der Abrechnungsprozesse gewährleisten.
Quelle: Bundesgerichtshof (BGH) – Urteil vom 10. Februar 2026; BMWK, Erneuerbare Energien in Deutschland 2022 – Jahresbericht (veröffentlicht 15. Januar 2023, abgerufen 4. Oktober 2023, https://www.bmwk.de/erneuerbare-energien/berichte.html ).

