Das Batteriegroßspeicher-Projekt Schuby in Schleswig-Holstein demonstriert, dass großskalige Batteriespeicher in Deutschland ohne staatliche Subventionen finanziert und operativ umgesetzt werden können. Mit einer Leistung von 100 MW und einer Speicherkapazität von 238 MWh gehört die Anlage zu den größten ihrer Art in Deutschland und soll Mitte 2026 in Betrieb gehen. Das Projekt verbindet technische Dimensionen, innovative Finanzierungsmodelle und eine frühe Sicherung des Netzanschlusses – zentrale Faktoren für die Erreichung des nationalen Ziels von 100 GW Speicherkapazität bis 2030.
Seiteninhalte
- Kontext: Deutschlands ambitionierte Speicherausbauziele
- ECO STOR – Erfolgsbilanz und Referenzprojekt Bollingstedt
- Flächenverbrauch und Dimensionierung der Schuby-Anlage
- Versorgungskapazität und gesellschaftlicher Nutzen
- Tolling-Verträge als Finanzierungsinnovation
- Netzanschluss und strategischer Marktzugang
- Risiken und Gegenmaßnahmen
- FAQ
- Fazit
Kontext: Deutschlands ambitionierte Speicherausbauziele
Die Bundesregierung hat das Ziel definiert, bis zum Jahr 2030 eine Gesamtspeicherkapazität von 100 GW zu installieren, um die Energiewende zu unterstützen. Das Schuby-Projekt leistet mit 238 MWh (0,238 GW) einen Beitrag von rund 0,24 % zum Gesamtziel. Diese Zahl verdeutlicht, dass Hunderte vergleichbarer Projekte nötig sind, um die nationale Vorgabe zu erfüllen, und unterstreicht die Bedeutung skalierbarer Finanzierungsmodelle.
ECO STOR – Erfolgsbilanz und Referenzprojekt Bollingstedt
ECO STOR hat bereits im Juni 2025 einen vergleichbaren Batteriegroßspeicher in Bollingstedt in Betrieb genommen. Das Vorprojekt weist dieselbe technische Auslegung auf und dient als Referenz für das Schuby-Projekt. Der Abstand von etwa 9-10 Monaten zwischen der Inbetriebnahme von Bollingstedt (Juni 2025) und der geplanten Inbetriebnahme von Schuby (Mitte 2026) zeigt, dass ECO STOR operative Erfahrung gesammelt hat, was das Risikoprofil des neuen Projekts reduziert und die Marktreife belegt.
Flächenverbrauch und Dimensionierung der Schuby-Anlage
Die physische Größe der Anlage entspricht etwa drei Fußballfeldern. Die Installation umfasst:
- 64 Batteriemodule (Container)
- 32 Wechselrichtersysteme
- Ein Umspannwerk und weitere Netzinfrastruktur
Die modulare Bauweise ermöglicht eine flexible Skalierung und zeigt, dass selbst großflächige Batteriespeicher in bestehende Industrie- oder Energielandschaften integriert werden können – ein wichtiger Aspekt für die Genehmigungs- und Planungsprozesse.
Versorgungskapazität und gesellschaftlicher Nutzen
Mit einer Gesamtkapazität von 238 MWh kann die Schuby-Anlage rechnerisch rund 20.000 Haushalte für mehrere Stunden mit Strom versorgen. Dieser Bezug stellt die technische Größe in einen greifbaren gesellschaftlichen Kontext und verdeutlicht den Beitrag des Speichers zur lokalen Versorgungssicherheit und zur Flexibilitätsbereitstellung im Stromnetz.
Tolling-Verträge als Finanzierungsinnovation
Ein zentrales Element der Projektfinanzierung ist der im November 2025 geschlossene Fünf-Jahres-Tolling-Vertrag zwischen ECO STOR und dem Energie-Trader Alpiq. Das Modell funktioniert wie folgt:
- ECO STOR erhält planbare, stabile Einnahmen aus der Bereitstellung von Flexibilitätsleistung.
- Alpiq übernimmt operative Rechte, optimiert Netzdienstleistungen und handelt Strom an Spot- und Intraday-Märkten.
- Durch die Risikoteilung wird das Projekt von Banken als bankfähig eingestuft, wodurch die Finanzierung ohne staatliche Subventionen möglich ist.
Der Tolling-Vertrag reduziert das Marktrisiko für den Speicherbetreiber und ermöglicht eine transparente Cash-Flow-Planung – ein entscheidender Schritt für die Skalierbarkeit privater Investitionen im Speichersektor.
Neue Finanzierungsmodelle für den Speicherausbau
Die Finanzierung von Schuby durch die NORD/LB, kombiniert mit dem Tolling-Vertrag, stellt ein wegweisendes Beispiel für marktorientierte, private Finanzierungsstrukturen dar. Die NORD/LB betont, dass das Modell „sicher und bankfähig“ sei und damit ein replicierbares Vorgehen für weitere Großspeicherprojekte in Deutschland und Europa ermögliche.
Netzanschluss und strategischer Marktzugang
Ein kritischer Engpass im deutschen Strommarkt ist die Verfügbarkeit von Netzanschlüssen. Durch den frühzeitigen Baubeginn im April 2025 sicherte sich ECO STOR den Netzanschluss für Schuby, bevor viele andere Projekte diesen Engpass erreichten. Dieser strategische Vorteil ermöglicht es der Anlage, bereits im Jahr 2026 Flexibilität für den Strommarkt bereitzustellen und erste Erlöse zu generieren.
Risiken und Gegenmaßnahmen
Trotz der nachgewiesenen Marktreife weist das Projekt weiterhin Unsicherheiten auf, die von den Projektpartnern selbst benannt werden:
- Regulatorische Unsicherheiten: CFO Jörn Rohland weist darauf hin, dass Änderungen bei Netzentgelten, Rollendefinitionen für Speicherbetreiber oder Förderrichtlinien das Geschäftsmodell gefährden könnten.
- Netzanschluss-Engpässe: Das Schuby-Projekt profitierte von einem frühen Baustart, doch die begrenzte Netzkapazität bleibt ein strukturelles Risiko für die Skalierung hunderter ähnlicher Projekte.
- Erlösmodelle und Marktvolatilität: Das Tolling-Modell garantiert stabile Einnahmen, jedoch hängen die Gesamterlöse von Spot- und Intraday-Preisen ab, die volatil sein können.
Die genannten Gegenmaßnahmen – frühzeitige Netzanschluss-Sicherung, Risikoteilung über den Tolling-Vertrag und die Nutzung privater Finanzmittel – zeigen, wie das Projekt versucht, diese Risiken zu minimieren.
FAQ
Ist Schuby wirklich einer der größten Batteriespeicher in Deutschland?
Ja. Mit 238 MWh Kapazität und 100 MW Leistung zählt die Anlage zu den größten Batteriegroßspeichern des Landes.
Wann geht die Anlage ans Netz?
Die Inbetriebnahme ist für Mitte 2026 geplant; der Bau begann im April 2025.
Kann ein Speicher dieser Größe 20.000 Haushalte versorgen?
Rechnerisch ja, für mehrere Stunden – die tatsächliche Dauer hängt vom Entladeprofil, der Jahreszeit und der durchschnittlichen Haushaltslast ab.
Was ist ein Tolling-Vertrag und warum ist er wichtig?
Der Vertrag ermöglicht ECO STOR stabile, planbare Einnahmen, während Alpiq operative und Handelsrechte nutzt. Diese Risikoteilung macht das Projekt bankfähig und finanziell unabhängig von Subventionen.
Warum gilt das Schuby-Projekt als Vorbild?
Es zeigt, dass private, marktorientierte Finanzierungsmodelle für Batteriegroßspeicher realisierbar sind und von Banken als risikoarm bewertet werden – ein Schlüssel für die Skalierung zur Erreichung der nationalen Speicherziele.
Fazit
Das Schuby-Projekt von ECO STOR und NORD/LB liefert einen praxisnahen Beweis dafür, dass Batteriegroßspeicher in Deutschland ohne staatliche Förderung finanziert, gebaut und betrieben werden können. Durch die Kombination aus einer klar definierten technischen Größe (100 MW/238 MWh), einer frühen Netzanschluss-Sicherung, einem innovativen Tolling-Vertrag und einer bereits nachgewiesenen Erfolgsbilanz (Bollingstedt-Projekt) entsteht ein robustes Finanzierungs- und Geschäftsmodell. Gleichzeitig verdeutlichen die genannten Risiken – regulatorische Unsicherheiten, Netzengpässe und Marktvolatilität – dass weitere politische und infrastrukturelle Maßnahmen nötig sind, um die angestrebten 100 GW Speicherkapazität bis 2030 zu realisieren. Das Schuby-Projekt kann somit als Referenz für zukünftige Großspeicher dienen und einen wichtigen Baustein für die stabile Integration erneuerbarer Energien in das deutsche Stromnetz darstellen.

