Forscher der University of New South Wales (UNSW) haben ein neues Single-Diode-Modell (SDM) entwickelt, das explizit die radiative und Auger-Rekombination im Silizium-Bulk berücksichtigt. Das Modell ermöglicht eine deutlich höhere Genauigkeit bei der Simulation von Strom-Spannungs-Kurven (I-V-Kurven) hoch-effizienter Silizium- Solarzellen, insbesondere in Bereichen nahe der offenen Klemmenspannung (Voc) und dem Maximum-Power-Point (MPP). Durch die verbesserte Modellierung wird die Vorhersage von Erträgen, Mismatch-Simulationen und Bankabilitätsbewertungen für TOPCon – und HJT-Module, die an die intrinsische Effizienzgrenze von über 26 % stoßen, zuverlässiger.
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Hintergrund und Notwendigkeit eines neuen Single-Diode-Modells
Das klassische SDM ist seit Jahrzehnten das Standard-Werkzeug für die elektrische Äquivalenzschaltung von Solarzellen. Es besteht aus einer Stromquelle, einer Diode sowie Serien- und Parallelwiderständen. Während das Modell für konventionelle Zellen ausreichend ist, nimmt seine Aussagekraft ab, sobald Siliziumzellen Effizienzen von >26 % erreichen. In diesem Regime dominieren intrinsische Rekombinationsmechanismen – radiative und Auger-Rekombination – während die übliche Shockley-Read-Hall- (SRH-) Rekombination vernachlässigbar wird. Das klassische SDM kann diese Prozesse nicht abbilden, was zu erhöhten Fehlern, insbesondere bei niedriger Bestrahlung und nahe Voc, führt.
Das intrinsic-adjusted Single-Diode-Modell von UNSW im Detail
Explizite Berücksichtigung radiativer und Auger-Rekombination
Das neue Modell integriert zwei zusätzliche Rekombinationsströme:
- Radiative Rekombination: Elektron-Loch-Rekombination mit Photonenaussendung, ein intrinsischer Verlust, der die maximale Spannung begrenzt.
- Auger-Rekombination: Nicht-radiative Rekombination, bei der die Energie an einen dritten Träger abgegeben und als Wärme dissipiert wird.
SRH-Rekombination wird für Ultra-High-Efficiency-Zellen als vernachlässigbar angenommen (Hoex et al., Solar Energy Materials and Solar Cells, 2026).
Aufteilung des Serienwiderstands in interne und externe Komponenten
Der Serienwiderstand wird in zwei physikalisch unterschiedliche Teile getrennt:
- Interner Serienwiderstand: Bildet die Verluste, die direkt mit Rekombination im Halbleiter verbunden sind.
- Externer Serienwiderstand: Repräsentiert kontakt- und leitungsbedingte Verluste außerhalb des aktiven Silizium-Bulk.
Durch diese Trennung lassen sich Artefakte nahe Voc vermeiden und die Genauigkeit von Temperatur- und Low-Light-Modellen erhöhen.
Benötigte Zusatzparameter
Zur Anwendung des Modells sind zwei zusätzliche Parameter erforderlich:
- Dotierkonzentration (Dopant Concentration)
- Siliziumvolumen (Silicon Volume)
Diese Parameter ermöglichen die quantitative Berechnung der radiativen und Auger-Rekombination, erhöhen jedoch die Komplexität der Modellierung im Vergleich zu klassischen SDM-Tools.
Leistungsverbesserungen und Validierungsergebnisse
Die UNSW-Studie hat das Modell anhand von gemessenen und simulierten I-V-Daten von TOPCon- und HJT-Modulen getestet. Die wichtigsten Kennzahlen sind:
- RMSE-Reduktion bei gemessenen Daten: Faktor 3 im Vergleich zum Standard-SDM.
- RMSE-Reduktion bei simulierten High-Efficiency-Daten: Bis zu einer Größenordnung (Faktor 10).
- Verbesserte Vorhersagegenauigkeit: Besonders in der Nähe von Voc und MPP, sowie bei Temperaturkoeffizienten und Low-Light-Bedingungen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die explizite Modellierung intrinsischer Rekombinationen die Übereinstimmung zwischen simulierten und realen Kurven signifikant erhöht.
Bedeutung für die australische PV-Forschung und Praxis
UNSW arbeitet im Rahmen von ARENA-Finanzierungen an der Weiterentwicklung von Modellen für Ultra-High-Efficiency-Zellen (>26 %). Das intrinsic-adjusted SDM ist ein zentraler Baustein dieser Strategie und unterstützt:
- Optimierte O&M-Strategien, die laut Interim-Report von 2024 die Betriebskosten von Boden-Montage-PV-Anlagen um 20 % senken.
- LCOE -Modellierungen, die dank genauerer Ertragsprognosen wirtschaftlichere Investitionsentscheidungen ermöglichen.
- Bankabilitäts- und Mismatch-Simulationen, die für die Finanzierung großer Solarparks entscheidend sind.
Die Publikation des Modells erfolgte in dem Artikel The intrinsic adjusted single-diode model: Solid State Physics meets accurate yield simulation im Journal Solar Energy Materials and Solar Cells (2026). Der Lead-Autor ist Bram Hoex, und die Arbeit wurde von pv-magazine (Emiliano Bellini, 20. Februar 2026) sowie IndexBox zusammengefasst.
Kritische Betrachtung und Gegenüberstellung mit älteren Modellen
Obwohl das neue Modell klare Vorteile bietet, gibt es zwei wesentliche Gegenpunkte:
- Erhöhte Modellkomplexität: Zusätzliche Parameter wie Dotierkonzentration und Siliziumvolumen können die Anwendung in einfachen Yield-Tools erschweren.
- Ähnliche Verbesserungen bei älteren Modellen: Modelle wie das ISDM mit einem Serien-Resistor zeigen ebenfalls Verbesserungen, jedoch ohne explizite Berücksichtigung der intrinsischen Rekombination. Dieser Vergleich verdeutlicht, dass das UNSW-Modell nicht der einzige Ansatz zur Fehlerreduktion ist.
Entscheider sollten die Komplexitäts- und Genauigkeitsabwägung prüfen, bevor sie das Modell in bestehenden Simulations-Workflows integrieren.
FAQ
Welche Rekombinationsmechanismen berücksichtigt das neue Modell?
Radiative (Photonenemission) und Auger-Rekombination im Silizium-Bulk. SRH-Rekombination wird bei Ultra-High-Efficiency-Zellen vernachlässigt (Hoex et al., 2026).
Für welche Zelltypen ist das Modell optimiert?
Ultra-high-efficiency Siliziumzellen wie TOPCon- und HJT-Module, die nahe an der intrinsischen Effizienzgrenze von >26 % operieren.
Wo wurde das Modell publiziert?
In dem Paper The intrinsic adjusted single-diode model: Solid State Physics meets accurate yield simulation, veröffentlicht in Solar Energy Materials and Solar Cells (2026).
Fazit
Das von UNSW entwickelte intrinsic-adjusted Single-Diode-Modell stellt einen bedeutenden Fortschritt für die Simulation von I-V-Kurven hoch-effizienter Silizium-Solarzellen dar. Durch die explizite Einbeziehung von radiativer und Auger-Rekombination sowie die Aufteilung des Serienwiderstands werden die RMSE-Werte bei gemessenen Daten um den Faktor drei und bei simulierten Daten um bis zu zehn reduziert. Diese Genauigkeitsgewinne sind besonders relevant für TOPCon- und HJT-Module, die an die physikalische Effizienzgrenze von >26 % stoßen, und unterstützen damit präzisere Ertragsprognosen, Mismatch-Analysen und O&M-Optimierungen – letztlich eine potenzielle Kostensenkung von 20 % für bodenmontierte PV-Anlagen. Gleichzeitig erfordert das Modell zusätzliche Parameter, was die Implementierung in einfachen Yield-Tools erschwert. Entscheider sollten daher die Balance zwischen Modellkomplexität und Genauigkeitsbedarf abwägen, um den größtmöglichen Nutzen aus dieser fortschrittlichen Physik-Integration zu ziehen.

