Die deutschen Verteilnetzbetreiber haben im Januar 2026 ihre Regionalszenarien für das Jahr 2025 veröffentlicht. Die Szenarien bilden die Grundlage für die Netzausbaupläne (NAP), die am 31. Oktober 2026 fällig werden, und zeigen, welche Anschlussleistungen in den Bereichen Photovoltaik, Windkraft, Batteriespeicher, Rechenzentren und Verbraucher bis zum Jahr 2045 zu erwarten sind. Die Zahlen verdeutlichen den enormen Investitionsbedarf, der nötig ist, um die Energiewende und das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen.
Seiteninhalte
- Prognostizierte Ausbauzahlen für Photovoltaik, Windkraft und Batteriespeicher
- Wachstum der Anschlussleistung bei Rechenzentren und Elektromobilität
- Beteiligung kleinerer Netzbetreiber und rechtlicher Rahmen
- Vergleich mit den Szenarien der Übertragungsnetzbetreiber
- Investitionsvolumen und Finanzierungsdruck
- Unsicherheiten und konservative Annahmen
- Zeitrahmen für die nächsten Netzausbaupläne
- Fazit
Prognostizierte Ausbauzahlen für Photovoltaik, Windkraft und Batteriespeicher
- Photovoltaik-Leistung: 425 GW bis 2045 – fast viermal so hoch wie die heute (ca. 117 GW) installierte Leistung.
- Windkraft an Land: 175 GW bis 2045 – eine Verdreifachung der derzeitigen Anschlussleistung.
- Großbatteriespeicher: von derzeit rund 2 GW (2026) auf erwartete 37 GW bis 2045, das entspricht einer 34-fachen Steigerung.
Die genannten Werte beruhen auf bekannten Projekten mit einer gewissen Realisierungswahrscheinlichkeit. Unbekannte Großprojekte, etwa im Bereich Rechenzentren, könnten die tatsächlichen Zahlen noch übersteigen.
Wachstum der Anschlussleistung bei Rechenzentren und Elektromobilität
- Rechenzentren: von aktuell 2 GW auf 37 GW bis 2045.
- Zentrale Wärmelösungen (Region Nord): von 0,18 GW heute auf 1,5 GW im Jahr 2045.
- Dezentrale Wärmelösungen (Region Nord, z. B. Wärmepumpen): von 0,14 GW heute auf 8,7 GW im Jahr 2045.
- Elektromobilität: von 0,5 GW heute auf knapp 13 GW im Jahr 2045.
Alle Regionen – Nord, Mitte, West, Ost, Südwest und Bayern – weisen vergleichbare Steigerungen in diesen Bereichen auf.
Beteiligung kleinerer Netzbetreiber und rechtlicher Rahmen
Erstmals haben neben den 82 großen Verteilnetzbetreibern (VNB) mit mehr als 100 000 Anschlüssen pro Region auch kleinere Netzbetreiber in den Erstellungsprozess der Szenarien eingebracht. Dieser Schritt soll die Glaubwürdigkeit der Zahlen erhöhen und die regionale Vielfalt besser abbilden. Die Erstellung der Szenarien erfolgt gemäß § 14d EnWG, wobei sich die Betreiber in den sechs Planungsregionen abstimmen.
- Planungsregionen: Nord, Mitte, West, Ost, Südwest und Bayern.
- Veröffentlichungsplattform: VNB digital (Stand 28. Januar 2026).
- Zeitrahmen: Szenarien werden zehn Monate vor den Netzausbauplänen veröffentlicht.
Vergleich mit den Szenarien der Übertragungsnetzbetreiber
Die Prognosen der Verteilnetzbetreiber ähneln dem „Szenario B“ der Übertragungsnetzbetreiber. Beide Szenarien unterstreichen den Bedarf für ein Milliarden-Investitionsprogramm, das den Netzausbau bis 2045 sicherstellen soll. Die Übereinstimmung zeigt, dass sowohl auf Verteil- als auch auf Übertragungsebene ein vergleichbarer Umfang an Ausbau und finanziellen Ressourcen erwartet wird.
Investitionsvolumen und Finanzierungsdruck
Der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) weist darauf hin, dass das Investitionsvolumen für den Netzausbau bis 2045 die Milliardenhöhe erreichen wird. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, bezeichnet die Aufgabe als „Herkulesaufgabe“ und fordert eine deutlich höhere Verzinsung für die Netzbetreiber, um die erforderlichen Mittel zu mobilisieren. Der Finanzierungsdruck wird durch die gleichzeitige Expansion erneuerbarer Energien, Elektromobilität und Speicherkapazitäten verstärkt.
Unsicherheiten und konservative Annahmen
Die Szenarien beruhen auf bekannten Projekten. Bei Rechenzentren und größeren Industrieansiedlungen wurden nur Projekte mit einer gewissen Realisierungswahrscheinlichkeit berücksichtigt. Für Batteriespeicher wurden „Stand-Alone-Speicher“ bewusst nicht einbezogen, da deren Langfristprognosen die aktuellen Schätzungen bereits übersteigen würden. Der BDEW betont, dass diese Vorgehensweise zu einer konservativen Schätzung führt und der tatsächliche Bedarf in manchen Bereichen höher liegen kann.
Zeitrahmen für die nächsten Netzausbaupläne
Die nächsten Netzausbaupläne (NAP) der Verteilnetzbetreiber werden im Oktober 2026 veröffentlicht. Sie basieren auf den Regionalszenarien von 2025 und werden gemäß den Vorgaben der Bundesnetzagentur am 31. Oktober 2026 fällig.
Fazit
Die Regionalszenarien 2025 zeigen, dass bis 2045 eine Vervierfachung der Photovoltaik-Leistung, eine Verdreifachung der Windkraft an Land und ein 34-faches Wachstum der Batteriespeicherleistung zu erwarten sind. Zusätzlich treiben Rechenzentren, Wärmelösungen und Elektromobilität die Anschlusslasten erheblich an. Die Einbeziehung kleinerer Netzbetreiber erhöht die Transparenz und Glaubwürdigkeit der Prognosen. Die Nähe zu den Szenarien der Übertragungsnetzbetreiber verdeutlicht den enormen Investitionsbedarf, den der BDEW als „Herkulesaufgabe“ bezeichnet. Trotz konservativer Annahmen bleibt ein Unsicherheitsfaktor bestehen, weil nicht alle potenziellen Großprojekte in die Berechnungen eingeflossen sind. Die bevorstehenden Netzausbaupläne im Oktober 2026 werden den Rahmen für die notwendigen Milliardeninvestitionen setzen, um die Energiewende in Deutschland erfolgreich zu gestalten.

