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Sn‑Pb‑Perovskit‑Solarzellen ohne SnF₂: 24,07 % Effizienz und verbesserte Hochtemperatur‑Stabilität

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    Ein neues Passivierungskonzept für tin-lead (Sn-Pb) Perovskit- Solarzellen eliminiert das herkömmliche Additiv SnF₂ und steigert sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die thermische Beständigkeit. Die Methode, entwickelt von einem chinesisch-schwedischen Forscherteam (East China Normal University und Linköping University) und veröffentlicht in Nature Communications (Januar 2026), erreicht eine Spitzen- Effizienz von 24,07 % und behält nach 550 h bei 85 °C 60 % der Anfangseffizienz bei.

    Neue SnF₂-freie Passivierung – zentrale Ergebnisse

    • Effizienz: 24,07 % (gegenüber 16,43 % bei Kontrolle mit SnF₂) auf einer Zellenfläche von 0,09 cm².
    • Thermische Stabilität: 60 % Effizienz-Retention nach 550 h unter Maximum-Power-Point-Bedingungen bei 85 °C.
    • Passivierungsschritte: Zugabe von Blei-Pulver im Vorläufer und PbF₂-Nachbehandlung des fertigen Perovskit-Films.
    • Einfacher Schichtaufbau: ITO / P3CT-Cs / Perovskit / PbF₂ / C₆₀ / BCP / LiF / Cu.
    • Relevanz: Verbesserte Langlebigkeit ohne toxische Zusätze, wichtig für Einzel- und Tandem-Solarzellen.

    Warum SnF₂ in Sn-Pb-Perovskiten problematisch ist

    SnF₂ wurde bisher als Antioxidations-Additiv eingesetzt, doch die Studie zeigt, dass es selbst parasitäre Reaktionen auslöst, die die Zellstabilität stark beeinträchtigen.

    • SnF₂ reagiert mit Formamidiniodid (FAI) zu Perovskit-Zersetzung.
    • Bei dieser Reaktion wird HF freigesetzt, das die ITO- und Cu-Elektroden korrodiert – bereits bei Raumtemperatur und ohne Licht.
    • Die Zersetzung führt zu einer schnellen Degradation der photoaktiven Schicht.
    • Antioxidationsstrategien allein konnten die photothermische Stabilität nicht signifikant erhöhen, weil die Ursache nicht nur die Oxidation von Sn²⁺ ist, sondern die chemischen Nebenreaktionen von SnF₂.

    Funktionsweise der SnF₂-freien Passivierung

    Ersatz durch Pb-Pulver

    Lead-Pulver wird dem Vorläufergemisch zugefügt. Es wirkt auf zwei Arten:

    • Antioxidativ: Entfernt Sn⁴⁺-Ionen, die sonst die Perovskit-Qualität mindern.
    • Kristallisations-Regulierung: Fördert ein gleichmäßiges Kristallwachstum und reduziert Defekte im Bulk-Material.

    PbF₂-Nachbehandlung

    Nach dem Aufdampfen des Perovskit-Films wird eine PbF₂-Schicht aufgetragen. Die chemischen Vorteile sind:

    • Inertität: Pb²⁺-d-Elektronen verstärken die Bindung zu F⁻, wodurch PbF₂ chemisch stabil bleibt und keine parasitären Reaktionen auslöst.
    • Defekt-Passivierung: Oberflächenfehler werden effektiv gesättigt, was die Ladungsträger-Rekombination reduziert.
    • Keine Freisetzung von HF oder anderen ätzenden Spezies, im Gegensatz zu SnF₂.

    Leistungsdaten im Vergleich zum Stand der Technik

    Die SnF₂-freie Zelle wird mit einer Kontrollzelle (mit SnF₂) und einem anderen fortgeschrittenen Sn-Pb-Ansatz verglichen, der 23,21 % Effizienz bei 81 % Retention nach 750 h bei 60 °C erreicht.

    • SnF₂-frei: 24,07 % Effizienz, 60 % Retention nach 550 h bei 85 °C.
    • Kontrolle mit SnF₂: 16,43 % Effizienz, keine Angabe zur Retention.
    • Alternative Sn-Pb-Ansatz: 23,21 % Effizienz, 81 % Retention nach 750 h bei 60 °C.

    Die neue Methode übertrifft die Kontrollzelle deutlich und liefert bei höheren Temperaturbedingungen (85 °C) vergleichbare oder bessere Stabilität als andere Ansätze, die bei niedrigeren Temperaturen (60 °C) getestet wurden.

    Herstellungsbedingungen und Skalierbarkeit

    Obwohl der Prozess als „geradezu unkompliziert“ beschrieben wird, erfordert er strenge Prozesskontrollen:

    • Sehr niedriger Sauerstoffgehalt in der Fertigungsatmosphäre.
    • Verwendung von hochreinem SnI₂.
    • Präzise Einstellung der Film-Bildungstemperatur und der Nachbehandlung.
    • Aktuell getestete Zellenfläche: 0,09 cm² – Upscaling-Effekte sind noch nicht untersucht.
    • Potential für industrielle Produktion, jedoch könnten die extremen Reinheits- und Atmosphärenanforderungen die Skalierbarkeit einschränken.

    Bedeutung für Tandem-Solarzellen und zukünftige Forschung

    Die Ergebnisse haben direkte Implikationen für sowohl Einzel- als auch All-Perovskit-Tandem-Solarzellen:

    • Verbesserte Hochtemperatur-Stabilität erleichtert den Einsatz in realen Klimabedingungen.
    • Fehlender SnF₂-Zusatz reduziert toxische Belastungen und vereinfacht das Recycling.
    • Die Kombination aus Pb-Pulver und PbF₂ könnte auch in anderen Sn-basierten Perovskiten-Architekturen angewendet werden.
    • Die Autoren planen, die gleichzeitige Steigerung von Effizienz und Stabilität in All-Perovskit-Tandems weiter zu verfolgen.

    Fazit

    Die SnF₂-freie Passivierungsmethode demonstriert, dass die Beseitigung von SnF₂-induzierter parasitärer Chemie ein Schlüssel zur Realisierung hocheffizienter und thermisch stabiler Sn-Pb-Perovskit-Solarzellen ist. Mit einer nachgewiesenen Effizienz von 24,07 % und einer Retention von 60 % nach 550 h bei 85 °C stellt die Technologie einen bedeutenden Fortschritt gegenüber herkömmlichen Sn-Pb-Zellen dar, die typischerweise unter starkem Effizienz- und Stabilitätsverlust leiden. Trotz der noch offenen Frage nach der Skalierbarkeit auf größere Modulgrößen liefert die Studie ein klares chemisches Konzept – Pb-Pulver zur Entfernung von Sn⁴⁺ und PbF₂ zur Defekt-Passivierung – das Potenzial hat, zukünftige Forschungsarbeiten und industrielle Entwicklungen zu leiten. Die Methode eröffnet neue Perspektiven für die Integration von Sn-Pb-Perovskiten in hocheffiziente Tandem-Solarzellen und trägt dazu bei, die Lücke zwischen Labor-Performance und praktischer Anwendbarkeit zu schließen.

    FAQ

    Wie ersetzt Pb-Pulver das herkömmliche SnF₂?

    Pb-Pulver bindet überschüssige Sn⁴⁺-Ionen und verhindert deren schädliche Reaktionen, wodurch die Perovskit-Qualität verbessert wird.

    Welche Temperaturbedingungen wurden getestet?

    Die Zellen wurden bei 85 °C für 550 Stunden unter Maximum-Power-Point-Bedingungen stabil betrieben.

    Ist die Methode für die Massenproduktion geeignet?

    Obwohl das Konzept vielversprechend ist, erfordert die Skalierung sehr reine Prozessbedingungen und kontrollierte Atmosphäre, was die industrielle Umsetzung herausfordernd macht.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das Dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdigen Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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