Wood Mackenzie hat im Rahmen seines Berichts Global solar: Key things to look for in 2026 drei zentrale Entwicklungen im weltweiten Solarmarkt hervorgehoben: das bahnbrechende Solar-plus-Storage-Megaprojekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ein starkes Wachstum der US-Solarerzeugung bis 2030 und die ersten Marktpenetrationen von Balkon-Solar in den USA. Alle drei Trends verdeutlichen einen strukturellen Shift hin zu hybriden, rund-um-die-Uhr-Erneuerbaren, die insbesondere durch die fortschreitende Elektrifizierung, KI-Rechenzentren und neue regulatorische Rahmenbedingungen an Bedeutung gewinnen.
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UAE-Megaprojekt: 5,2 GW Solar plus 19 GWh Speicher als weltweite Premiere
In Abu Dhabi entsteht das erste Gigawatt-scale-Projekt, das 1 GW kontinuierliche Baseload-Power aus erneuerbaren Quellen liefert. Das Projekt wird von Masdar und der Emirates Water and Electricity Company (EWEC) entwickelt, hat eine installierte Solarkapazität von 5,2 GW dc und einen Batteriespeicher von 19 GWh. Die Grundsteinlegung fand im Oktober 2025 statt, die Inbetriebnahme ist für das vierte Quartal 2027 geplant.
Kostenstruktur und Wirtschaftlichkeit
- Gesamtkosten: rund 6 Mrd. USD (Stand 2025)
- Batteriekostenanteil: 55 %-60 % der Gesamtkosten
- Vergleich: etwa das Sechsfache der Investitionskosten eines neuen Gas-CCGT-Kraftwerks
- Primäre Zielgruppe: Unternehmen mit konstantem Strombedarf – insbesondere Data-Center, KI-Hubs und andere energieintensive Firmen
- Speicher wird primär für Firm-Power eingesetzt, nicht für Ancillary Services
Zielkunden und Marktpotenzial
Durch die Bereitstellung von 1 GW rund-um-die-Uhr-Strom soll das Projekt Unternehmen ermöglichen, CO₂-freie Baseline-Power zu beziehen und gleichzeitig von den steigenden Wartungszeiten traditioneller Gaskraftwerke zu profitieren. Wood Mackenzie weist darauf hin, dass das Projekt derzeit wegen der hohen Kosten nicht breit replizierbar ist, aber sinkende Speicherpreise und ein wachsender Bedarf an dekarbonisierter Firm-Power die Wirtschaftlichkeit künftig verbessern könnten.
US-Solarwachstum 2026-2030: Solar rückt an Gas heran
Die Analyse von Wood Mackenzie prognostiziert für die USA ein starkes Wachstum der Solarenergie zwischen 2026 und 2030:
- Solarerzeugung (inkl. dezentraler Anlagen): +232 GWh, also ein Zuwachs von 65 %
- Gas-Erzeugung: +340 GWh, ein Zuwachs von 21 %
Damit nähert sich die Solarenergie in den USA deutlich der traditionellen Gas-Erzeugung an. Der Bericht betont, dass die soliden Markt-Fundamentaldaten und die fortschreitende Elektrifizierung die Nachfrage nach Solar- und Speicherlösungen weiter stärken werden.
Balcony-Solar: Plug-in-PV erobert die USA
Ein weiterer Trend, den Wood Mackenzie für 2026 hervorhebt, ist der Einstieg von Balkon-Solar (Plug-in-Solar) in den US-Markt. Utah war im März 2024 das erste Bundesland, das privaten Haushalten erlaubte, portable Solargeneratoren bis zu 1,2 kW zu installieren – und das ohne Anbindung an das Stromnetz. Seitdem haben mehr als ein Dutzend weitere Staaten ähnliche Gesetze verabschiedet.
Herausforderungen für die Marktpenetration
- Fragmentierte elektrische Standards zwischen den Bundesstaaten
- Niedrigere Netzspannung in US-Haushalten (120 V) im Vergleich zu europäischen Standards (230 V)
- Ein großer Anteil von Einfamilienhäusern verfügt über keine Balkone, was das potenzielle Marktvolumen reduziert
Wood Mackenzie warnt, dass diese Faktoren das Wachstum von Balkon-Solar bremsen können, sieht aber gleichzeitig ein kontinuierliches Wachstumspotenzial, insbesondere in Staaten, die die gesetzlichen Rahmenbedingungen bereits angepasst haben.
Asia-Pacific: Solaranteil von 11 % auf 17 % bis 2030
Im asiatisch-pazifischen Raum macht Solar derzeit (2025) 11 % des Strommixes aus. Wood Mackenzie prognostiziert bis 2030 einen Anstieg auf 17 %. Zusätzlich wird erwartet, dass Solar, Wind und Speicher bis zum Ende des Jahrzehnts zusammen etwa ein Drittel der regionalen Stromerzeugung ausmachen – ein Anstieg von weniger als 10 % im Jahr 2020.
Der Bericht führt die starke Zunahme auf die Preis-Wettbewerbsfähigkeit von Solar-technologien und die massive Neu-Kapazitäts-Planung in der Region zurück.
Ausblick: Strukturwandel zu Hybrid- und 24/7-Erneuerbaren
Michelle Davis, Global Head of Solar bei Wood Mackenzie, fasst die Gesamtsituation zusammen: Das UAE-Megaprojekt demonstriert, dass 24/7-erneuerbare Baseload-Power technisch machbar ist, jedoch aktuell noch kostenintensiv. In Kombination mit dem rasanten Solar-Wachstum in den USA und dem aufkommenden Balkon-Solar-Segment entsteht ein globales Umfeld, in dem hybride Systeme – Solar + Speicher – zunehmend zur Norm werden.
Wesentliche Treiber sind:
- Weiter sinkende Kosten für Batteriespeicher
- Steigende Nachfrage nach CO₂-freier Firm-Power durch Data-Center und KI-Rechenzentren
- Regulatorische Initiativen, die dezentrale Solar-lösungen unterstützen (z. B. Utah-Gesetz)
- Wachsende Elektrifizierung von Industrie und Verkehr
Wenn diese Faktoren zusammenwirken, könnten die heute noch teuren Hybrid-Projekte wie das in Abu Dhabi in den kommenden Jahren zu neuen Marktstandards für Baseload-Power avancieren.
Fazit
Wood Mackenzies Prognosen für 2026 zeichnen ein Bild von einem Solarmarkt im Wandel: Das ambitionierte 5,2 GW-Solar-plus-19 GWh-Projekt in den VAE zeigt die technische Machbarkeit von rund-um-die-Uhr-Erneuerbaren, obwohl die derzeitigen Kosten eine breite Replikation erschweren. In den USA wird die Solarenergie mit einem Wachstum von 65 % bis 2030 die traditionelle Gas-Erzeugung deutlich einholen, während das neu entstehende Balkon-Solar-Segment erste Markteintritte erlebt, jedoch vor regulatorischen und technischen Hürden steht. Gleichzeitig steigt in der Asien-Pacific-Region der Solaranteil von 11 % auf 17 % bis 2030, unterstützt durch sinkende Preise und massive Kapazitätsinvestitionen. Zusammengenommen deuten diese Entwicklungen darauf hin, dass hybride, 24/7-fähige Solarlösungen in den nächsten Jahren zu einem zentralen Baustein der globalen Energieversorgung werden könnten – vorausgesetzt, die Kosten für Speichertechnologien fallen weiter und die Nachfrage nach CO₂-freier Firm-Power weiter steigt.

