Der Vorsteuerabzug war bis Ende 2022 für viele Betreiber ein wichtiger Spareffekt: Wer auf die Kleinunternehmerregelung verzichtete, konnte sich die 19 % Umsatzsteuer auf die PV-Anlage vom Finanzamt zurückholen. Seit dem 1. Januar 2023 hat sich das für die meisten Hausanlagen erledigt. Module, Wechselrichter und Stromspeicher für Anlagen auf oder nahe Wohngebäuden werden mit 0 % Umsatzsteuer verkauft und installiert (§ 12 Abs. 3 UStG). Bei Anlagen bis 30 kWp laut Marktstammdatenregister gilt diese Voraussetzung als erfüllt. Auf der Rechnung steht dann keine Umsatzsteuer, die Sie zurückholen könnten. In diesem Artikel erfahren Sie, wann der Vorsteuerabzug heute noch eine Rolle spielt (Stand: Oktober 2026).
Interessante Beiträge zum Thema:
- Nullsteuersatz für Umsätze im Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen (OBERFINANZDIREKTION KARLSRUHE)
- FAQ „Umsatzsteuerliche Maßnahmen zur Förderung des Ausbaus von Photovoltaikanlagen“ (Bundesministerium der Finanzen)
Der Vorsteuerabzug bei Photovoltaikanlagen
Vorsteuer ist die Umsatzsteuer, die ein Unternehmer beim Einkauf an andere Unternehmer zahlt. Wer selbst der Regelbesteuerung unterliegt, kann sie mit der eigenen Umsatzsteuerschuld verrechnen oder sich erstatten lassen. Wer die Kleinunternehmerregelung nutzt, hat keinen Vorsteuerabzug.
Für eine typische Hausanlage ab 2023 läuft der Vorsteuerabzug aus der Anschaffung ins Leere: Der Installateur berechnet 0 % Umsatzsteuer. Ein Thema ist der Vorsteuerabzug heute noch in diesen Fällen:
- Altanlagen, die vor 2023 gekauft und dem Unternehmen zugeordnet wurden.
- Anlagen, für die der Nullsteuersatz nicht gilt, etwa eine Anlage mit mehr als 30 kWp auf einer Gewerbehalle, die nicht auf oder nahe einem Wohngebäude steht. Dort fallen weiterhin 19 % Umsatzsteuer an.
- Laufende Kosten, auf die Umsatzsteuer berechnet wird, sofern Sie der Regelbesteuerung unterliegen.
Anspruch auf Vorsteuerabzug
Den Vorsteuerabzug kann nur ein Unternehmer geltend machen, der nicht die Kleinunternehmerregelung anwendet. Auch eine Privatperson, die mit ihrer Anlage Strom gegen Vergütung einspeist, ist umsatzsteuerlich Unternehmer. Verzichtet sie auf die Kleinunternehmerregelung, ist sie an diese Entscheidung mindestens fünf Kalenderjahre gebunden (§ 19 Abs. 3 UStG).
Voraussetzung ist außerdem eine ordnungsgemäße Rechnung nach §§ 14, 14a UStG auf Ihren Namen (§ 15 Abs. 1 UStG). Wer die Kleinunternehmerregelung gewählt hat, kann eine Vorsteuer auch nicht nachträglich zurückholen.
Vorsteuerabzug bei Eigenverbrauch
Bei Anlagen, auf die Umsatzsteuer berechnet wurde, gilt: Eine Anlage kann dem Unternehmen nur zugeordnet werden, wenn sie zu mindestens 10 % unternehmerisch genutzt wird (§ 15 Abs. 1 UStG). Bei Anlagen vor 2023 war es üblich, die Anlage vollständig dem Unternehmen zuzuordnen. Dann war die volle Vorsteuer abziehbar, und der selbst verbrauchte Strom wurde als unentgeltliche Wertabgabe der Umsatzsteuer unterworfen. Eine Kürzung der Vorsteuer nach einer festen Eigenverbrauchsquote gibt es dabei nicht.
Bei Anlagen, die mit 0 % Umsatzsteuer gekauft wurden, entfällt diese Besteuerung des Eigenverbrauchs in der Regel: Die Entnahme wird nur dann wie eine Lieferung besteuert, wenn die Anlage oder ihre Bestandteile zum Vorsteuerabzug berechtigt haben (§ 3 Abs. 1b UStG). Bei Sonderfällen und Altanlagen klären Sie die Details mit Ihrer Steuerberatung.
Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug
Damit der Vorsteuerabzug bei PV-Anlagen geltend gemacht werden kann, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Sie sind Unternehmer und wenden nicht die Kleinunternehmerregelung an, die Leistung wurde für Ihr Unternehmen bezogen, auf der Rechnung ist tatsächlich Umsatzsteuer ausgewiesen, und die Rechnung ist auf Ihren Namen ausgestellt und enthält eine ausreichende Bezeichnung der Leistungen und Waren.
Abschließende Anmerkungen zu PV Anlage Vorsteuerabzug
Für die meisten Hausbesitzer ist der Vorsteuerabzug seit 2023 kein Grund mehr, auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten: Die Anlage wird ohne Umsatzsteuer gekauft, und mit der Kleinunternehmerregelung entfallen Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Relevant bleibt der Vorsteuerabzug bei Altanlagen vor 2023 und bei größeren Anlagen auf Gebäuden, die keine Wohngebäude sind. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag Umsatzsteuer für Photovoltaikanlagen fällt weg.
Häufige Fragen zum PV Anlage Vorsteuerabzug
Ist ein Vorsteuerabzug nach der Entnahme einer Photovoltaikanlage noch möglich?
Diese Frage betrifft vor allem Altanlagen, die vor 2023 dem Unternehmen zugeordnet waren. Nach der Entnahme einer Photovoltaikanlage kann der Vorsteuerabzug aus Lieferungen oder sonstigen Leistungen für die Anlage (z. B. Reparaturen) nur noch anteilig in Anspruch genommen werden. Entscheidend ist der tatsächliche Anteil der unternehmerischen Nutzung zum Zeitpunkt, der für den Vorsteuerabzug relevant ist. Der ursprünglich angenommene Anteil der unternehmerischen Nutzung bei der Entnahme spielt dabei keine Rolle mehr. Vorsteuern, die direkt der unternehmerischen Tätigkeit zugeordnet werden können (z. B. Steuerberatungskosten für die Erstellung der Umsatzsteuererklärung), sind jedoch in vollem Umfang abzugsfähig.
Falls der Betreiber die Kleinunternehmerregelung anwendet, ist ein Vorsteuerabzug grundsätzlich ausgeschlossen.
Wer hat Anspruch auf den Vorsteuerabzug bei PV Anlagen?
Unternehmer, die nicht die Kleinunternehmerregelung anwenden, also auch Privatpersonen, die mit ihrer Anlage Strom gegen Vergütung liefern und zur Regelbesteuerung optiert haben. Bei Neuanlagen auf Wohngebäuden gibt es aus der Anschaffung allerdings keine Vorsteuer, weil 0 % Umsatzsteuer berechnet werden.
Wie hoch ist der Vorsteuerabzug bei PV Anlagen mit Eigenverbrauch?
Bei Anlagen mit Umsatzsteuer auf der Rechnung, die vollständig dem Unternehmen zugeordnet sind, ist die Vorsteuer voll abziehbar, der Eigenverbrauch wird dann als unentgeltliche Wertabgabe besteuert. Voraussetzung für die Zuordnung ist eine unternehmerische Nutzung von mindestens 10 %. Bei Anlagen, die mit 0 % Umsatzsteuer gekauft wurden, gibt es keine Vorsteuer aus der Anschaffung.
Welche Formalitäten sind beim Vorsteuerabzug zu beachten?
Die Rechnungen müssen auf Ihren Namen ausgestellt sein, die Umsatzsteuer gesondert ausweisen und eine ausreichende Bezeichnung der Leistungen und Waren enthalten. Die Vorsteuer machen Sie in der Umsatzsteuer-Voranmeldung beziehungsweise der Umsatzsteuererklärung geltend. Bei Fragen zu Fristen und Einzelfällen hilft Ihre Steuerberatung.

